Hitzewelle bedroht Weizenqualität in Polen, Maispreise in Frankreich steigen
Eine extreme Hitzewelle Ende Juni in West- und Mittelpolen sorgt für Unsicherheit bei Ertrag und Qualität der diesjährigen Weizenernte; das genaue Ausmaß zeigt sich erst zur Ernte. Zugleich treibt die Dürre in Frankreich die Maispreise an der Terminbörse Matif nach oben, da die französische Ernte von über 13,5 Millionen Tonnen im Vorjahr auf rund 9 Millionen Tonnen fallen könnte.
Eine extreme Hitzewelle, die Ende Juni über West- und Mittelpolen hinwegzog, weckt Sorgen um Ertrag und Qualität der diesjährigen Weizenernte, berichtet farmer.pl. Die Lufttemperatur erreichte gebietsweise 40 Grad Celsius, im Getreidebestand selbst lag sie deutlich höher; wie stark sich das auf den Ertrag auswirkt, zeigt sich erst zur Ernte.
Extreme Hitze trübt die Weizenaussichten in Polen
Mirosław Marciniak, Analyst an der Getreidebörse Gdańska Giełda Zbożowa, sagte gegenüber farmer.pl, dass derzeit niemand eindeutig beurteilen könne, wie sich die Junihitze auf Ertrag und Kornqualität auswirken werde. Er bezeichnete 2025 als „Experimentierjahr“: Nie zuvor seien in Polen bereits im Juni Temperaturen von 40 Grad erreicht worden, wobei es im Bestand selbst bis zu 50 bis 60 Grad gewesen sein könnten.
Laut Marciniak ist ein Teil des potenziellen Ertrags bereits unwiederbringlich verloren, wobei das Ausmaß der Verluste regional stark variiert. In manchen Landesteilen präsentiere sich der Weizen weiterhin gut und behalte hohes Ertragspotenzial, während in Mittelpolen, das zuvor bereits von Dürre betroffen war, die Folgen der Hitze deutlich gravierender ausfallen könnten.
Noch größer ist laut Marciniak die Unsicherheit bei der Qualität. Die entscheidende Frage sei nicht der Proteingehalt selbst, sondern dessen technologische Qualität: Man wisse noch nicht, welche Prozesse im Korn unter den extremen Temperaturen abgelaufen seien. Genaue Antworten gebe es erst, wenn das Getreide in Lagern und Laboren detailliert analysiert werde.
Marktfokus verschiebt sich von Weizen zu Mais
Die steigenden Getreidenotierungen an den Warenbörsen der vergangenen Tage seien größtenteils Folge der anhaltenden Wetterunsicherheit, so farmer.pl. Beim Weizen auf der Nordhalbkugel sei das Ertragspotenzial in den meisten Fällen bereits weitgehend festgelegt. Beim Mais dagegen beginne erst jetzt die entscheidende Phase: Juli und die erste Augusthälfte bestimmten den endgültigen Ertrag.
Der stärkste Preistreiber für Mais in Europa ist derzeit die Lage in Frankreich. Der Preisanstieg an der Pariser Terminbörse Matif sei vor allem Folge der schwierigen Wetterlage dort: Die hohen Temperaturen hielten bereits seit etwa einem Monat an, und Regen sei laut Prognosen weiterhin nicht in Sicht - ein Teil des Ertragspotenzials sei bereits verloren.
Frankreichs Verluste, Südosteuropas Gewinne
Laut Marciniak deuten Prognosen darauf hin, dass die französische Maisernte auf rund 9 Millionen Tonnen fallen könnte, gegenüber mehr als 13,5 Millionen Tonnen im Vorjahr; der Markt habe dies bereits in die Terminpreise eingepreist. Das Bild in Europa ist jedoch uneinheitlich: Die Verluste in Frankreich würden teilweise durch bessere Produktionsaussichten in Südosteuropa ausgeglichen. Rumänien, Bulgarien, Kroatien und Serbien, die in den Vorjahren mit ähnlichen Wetterproblemen zu kämpfen hatten, befänden sich nun in einer deutlich besseren Lage, was den Rückgang der französischen Produktion teilweise kompensiere.
Globales Angebot bremst weitere Preisanstiege
Marciniak zufolge wird die endgültige Preisrichtung für Mais in Europa letztlich vom Weltmarkt bestimmt. Europa bleibe struktureller Maisimporteur und führe jährlich zwischen 17 und 19 Millionen Tonnen Getreide ein, weshalb die Ernten in den USA, Südamerika und der Ukraine entscheidend seien - von dort stamme der Großteil des importierten Maises.
US-Mais sei derzeit deutlich günstiger als französischer Mais, was die Wettbewerbsfähigkeit von Lieferungen außerhalb Europas erhöhe. Solange es in den USA nicht zu ernsteren Wetterproblemen komme, könnten die aktuellen Preisanstiege laut Marciniak nur von kurzer Dauer sein: Der Markt werde nach günstigeren Importalternativen suchen, und die hohe Wettbewerbsfähigkeit des amerikanischen Getreides könne weitere Preisanstiege in Europa im späteren Saisonverlauf begrenzen.