Polen fordert flexible EU-Agrarpolitik nach 2027 und sichere Düngemittelversorgung
Polen fordert in der Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2027 mehr Spielraum für die Mitgliedstaaten und umfangreichere Krisenhilfen für Landwirte. Warschau setzt sich zudem für eine stärkere EU-Düngemittelproduktion, stabile Rohstofflieferungen und weniger Abhängigkeit von geopolitisch riskanten Importregionen ein.
Polen formuliert Prioritäten für die GAP nach 2027
Polen hat eine flexiblere Gemeinsame Agrarpolitik nach 2027, stärkere Kriseninstrumente und Maßnahmen für eine langfristig sichere Düngemittelversorgung gefordert. Die EU-Agrarminister berieten darüber beim AGRIFISH-Rat in Brüssel. Am ersten Sitzungstag ging es um die Zukunft der GAP, die Lage auf den Agrarmärkten und die Verfügbarkeit von Düngemitteln, teilte das polnische Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung laut farmer.pl mit.
Der polnische Staatssekretär Jacek Czerniak erklärte, die künftigen Regelungen müssten die unterschiedlichen Agrarstrukturen der EU-Mitgliedstaaten berücksichtigen. Warschau will den nationalen Regierungen mehr Spielraum geben, Hilfen an die heimische Landwirtschaft und regionale Prioritäten anzupassen.
Polen schlug vor, die maximale Förderung für Erzeugergemeinschaften und -organisationen von 100.000 € auf 300.000 € anzuheben. Einige Instrumente sollen freiwillig angewendet werden können, während die verbindliche Definition des aktiven Landwirts erhalten bleiben soll. Nach Auffassung der Regierung darf der Agrarhaushalt der GAP nicht zur Finanzierung großer Verarbeitungsunternehmen herangezogen werden.
Warschau beantragte außerdem, die vorübergehenden nationalen Beihilfen nach 2027 fortsetzen zu dürfen. Damit sollen besonders gefährdete Branchen sowie Wirtschaftszweige unterstützt werden, die für einzelne Regionen von hoher Bedeutung sind.
Betriebsmittelkosten steigen, Erzeugerpreise sinken
Die politische Debatte fällt in eine Phase, in der sich das Verhältnis zwischen Produktionskosten und Erzeugerpreisen in Polen verschlechtert. Nach Angaben des Ministeriums verteuerten sich landwirtschaftliche Betriebsmittel in den vorangegangenen sechs Monaten durchschnittlich um mehr als 1% pro Monat. Gleichzeitig gingen die Ankaufspreise für Agrarprodukte zurück.
Als besonders schwierig bezeichneten die Behörden die Lage auf den Märkten für Zucker, Schweinefleisch, Rindfleisch und Milch. Der Ankaufspreis für Rinder lag etwa 16% unter dem Vorjahresniveau, der Milchpreis im Juli 23% niedriger. Die Dürre erhöhte den Druck zusätzlich, da sie die Erträge von Futterpflanzen verringerte und die Weidemöglichkeiten einschränkte.
Vor diesem Hintergrund unterstützte Polen eine Aufstockung der EU-Agrarreserve und mehr Flexibilität bei der Nutzung von GAP-Instrumenten und staatlichen Beihilfen. Das Ministerium verwies dabei auch auf die nach seiner Darstellung katastrophale Dürre in vielen Regionen Europas. Nationale Behörden könnten so besser reagieren, wenn Produktionsausfälle und fallende Agrarpreise mit höheren Betriebsmittelkosten zusammentreffen.
Düngemittel werden zur Sicherheitsfrage
Die EU-Minister erörterten zudem, wie sich die Verfügbarkeit von Düngemitteln langfristig sichern lässt. Polen forderte Unterstützung für die Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Düngemittelhersteller sowie stabile Lieferungen der benötigten Rohstoffe. Zugleich soll die Abhängigkeit von Importen aus Regionen mit hohen geopolitischen Risiken sinken.
Czerniak erklärte, die Verfügbarkeit von Düngemitteln müsse ebenso wie Energie und Lebensmittel als Bestandteil der nationalen Sicherheit behandelt werden. Da weitere Preissteigerungen bei Düngemitteln erwartet werden, forderte Polen zusätzliche Mittel für Landwirte und einen längeren Bewilligungszeitraum für die Hilfen.
Das polnische Ministerium unterstützte außerdem eine breitere Nutzung aufbereiteter organischer Düngemittel. Dazu gehören RENURE-Produkte aus verarbeitetem Mist und Gülle. Sie können einen Teil der Mineraldünger ersetzen und damit die Abhängigkeit der Betriebe von konventionellen Düngemittelpreisen und importierten Vorprodukten verringern.
Präzisionslandwirtschaft wird Teil der Debatte
Polen verband seine Vorschläge zur Düngemittelversorgung mit der Forderung nach Investitionen in Präzisionslandwirtschaft und Digitalisierung. Das Ministerium nannte Drohnen und Satellitendaten als Instrumente, mit denen Betriebe Düngemittel effizienter einsetzen können.
Die AGRIFISH-Debatte verknüpft den aktuellen Druck auf die Betriebsmargen mit Entscheidungen über die EU-Agrarförderung nach 2027. Für Erzeuger und ihre Organisationen könnte der polnische Plan höhere gemeinsame Förderbeträge und den Erhalt nationaler Hilfen für sensible Branchen bringen. Düngemittelhersteller und Rohstofflieferanten erhielten politische Rückendeckung für zusätzliche EU-Kapazitäten und robustere Bezugsquellen. Entscheidend wird sein, ob andere Mitgliedstaaten mehr nationale Freiheiten unterstützen und zugleich gemeinsame Regeln und Finanzmittel beibehalten wollen.