Polnische Regulierungsbehörde fordert rasche Eigentumsreform bei Gasspeichern
Polens Energieregulierungsbehörde sieht in der Eigentümerstruktur der Untergrundspeicher ein Investitionshindernis. Zudem soll die Pflicht zur Gasbevorratung von Importeuren auf eine spezialisierte staatlich kontrollierte Stelle übergehen.
URE sieht Eigentumsstruktur als Investitionshemmnis
Die polnische Energieregulierungsbehörde URE fordert dringende Änderungen am Gasspeichersystem des Landes. Nach ihrer Einschätzung begrenzt die derzeitige Trennung von Eigentum und Betrieb Investitionen in neue Kapazitäten. Die Empfehlung steht im Bericht der Behörde über den polnischen Brennstoffmarkt 2025, über den money.pl berichtet.
Polens Untergrundspeicher verfügen zusammen über 3,31 Milliarden Kubikmeter Kapazität. Sie dienen als Reserve bei Störungen ausländischer Lieferungen und gleichen kurzfristige Nachfrageschwankungen aus. URE will den Ausbau zu einer der wichtigsten energiepolitischen Prioritäten des Staates machen, zumal der maximale tägliche Gasverbrauch seit mehreren Jahren steigt.
Betreiber besitzt die Speicheranlagen nicht
Das System wird von Gas Storage Poland betrieben, einer Tochter des Fernleitungsnetzbetreibers Gaz-System. Die Anlagen selbst gehören jedoch weiterhin Orlen. Gespeichert wird in durch Salz-Auslaugung geschaffenen Kavernen sowie in ehemaligen Gaslagerstätten.
URE zufolge fehlen dem Betreiber durch diese Trennung zentrale Instrumente für Investitionen. Gas Storage Poland besitzt weder die Anlagen noch die Genehmigungen für die Untergrundspeicherung und ist auch keine Partei der betreffenden bergrechtlichen Nutzungsverträge. Die Behörde empfiehlt deshalb, Eigentum, Genehmigungen und Verträge auf den Speicherbetreiber zu übertragen, damit dieser seine gesetzlichen Aufgaben erfüllen und zusätzliche Kapazitäten entwickeln kann.
Pflichtreserven könnten von Importeuren wegfallen
URE schlägt außerdem eine neue Zuständigkeit für Polens verpflichtende Gasreserven vor. Derzeit liegt diese Pflicht bei Unternehmen, die Gas nach Polen einführen. Künftig soll sie eine einzige spezialisierte Einrichtung unter Kontrolle des Staatsschatzes übernehmen.
Nach Auffassung der Behörde würde eine zentrale Bevorratung die Geschäftsbedingungen der Energieunternehmen verbessern und zugleich die nationale Sicherheit stärken. Für Importeure könnte damit eine regulatorische und finanzielle Belastung entfallen. Die konkrete Wirkung hängt von Aufbau, Finanzierung und Zugangsregeln der geplanten staatlich kontrollierten Stelle ab.
Gasabsatz steigt, Industrie führt den Verbrauch an
Der über das Netz an Endkunden verkaufte Gasabsatz stieg 2025 gegenüber dem Vorjahr um fast 7 %, wie aus dem URE-Bericht hervorgeht. Die energieintensive Industrie blieb mit fast 30 % des Volumens die größte Verbrauchergruppe. Auf Haushalte entfielen 28 %, auf die Strom- und Wärmeerzeugung 22 %.
Der Bericht enthält auch Zahlen zum Absatz von Flüssigerdgas. Die leichte und mittlere Industrie kaufte mehr als die Hälfte des LNG in diesem Segment. Industrielle Abnehmer sind damit besonders stark von Versorgungssicherheit, verfügbarer Speicherkapazität und dem kurzfristigen Marktausgleich abhängig.
Trotz ihrer Kritik am Investitionsmodell bewertete URE den polnischen Gasmarkt 2025 als vollständig stabil. Die Betreiber erbrachten ihre Leistungen vorschriftsgemäß, und der Infrastrukturzugang verlief ohne Störungen. Die Reform zielt daher vor allem auf künftigen Kapazitätsausbau und höhere Widerstandsfähigkeit, nicht auf die Behebung eines aktuellen Betriebsproblems.