Polen könnte trotz steigender Förderung große Kohleimporte für den Winter benötigen
Polens Kohleförderung steigt, doch die heimischen Bergwerke liefern nur 2,5-3 Millionen Tonnen Stückkohle bei einem Jahresbedarf von rund 6 Millionen Tonnen. Gewerkschaftschef Bogusław Ziętek warnt vor hohen Importen für Haushalte und zusätzlichem Bedarf der Kraftwerke.
Höhere Förderung bleibt hinter dem Bedarf zurück
Polen könnte vor dem kommenden Winter erhebliche Mengen Heizkohle importieren müssen, obwohl die heimische Förderung zunimmt. Bogusław Ziętek, Vorsitzender der Gewerkschaft Sierpień 80, sagte WNP, die polnische Kohleproduktion steige erstmals seit vielen Jahren, dennoch drohten Versorgungsengpässe.
Der Druck betrifft nicht nur Kraftwerkskohle. Nach Angaben von Ziętek könnten auch Privathaushalte, Landwirtschaft und kommunale Betriebe mit knappen Lieferungen konfrontiert werden. Kunden, die Kohle bei Polska Grupa Górnicza, dem größten polnischen Bergbauunternehmen, kaufen wollen, müssen sich laut WNP bereits in eine Warteschlange einreihen.
Der durchschnittliche polnische Jahresbedarf an der üblicherweise zum Heizen verwendeten Stückkohle lag zuletzt bei rund 6 Millionen Tonnen. Ziętek hält diese Zahl für zu niedrig, weil ein Teil der Haushalte, besonders im Südosten Polens, stattdessen Holz verbrennt.
Polnische Bergwerke decken weniger als die Hälfte
Die heimischen Bergwerke können jährlich nur 2,5-3 Millionen Tonnen Stückkohle produzieren, während der geschätzte Bedarf 6 Millionen Tonnen erreicht. Ohne Lagerbestände, alternative Brennstoffe oder Verbrauchsänderungen ergibt sich daraus eine rechnerische Lücke von 3-3,5 Millionen Tonnen.
Polska Grupa Górnicza stellt mit jährlich 2-2,2 Millionen Tonnen den größten Anteil der polnischen Stückkohle bereit. Selbst eine steigende Förderung reicht damit nicht aus, um Haushalte, Landwirtschaft und kommunale Abnehmer vollständig zu versorgen. Ziętek erwartet deshalb im nächsten Winter aus seiner Sicht enorme Heizkohleimporte. WNP nannte allerdings weder eine konkrete Importprognose noch mögliche Lieferländer.
Bei Kraftwerkskohle besteht ein ähnliches Risiko. Ziętek zufolge wird auch die professionelle Stromerzeugung zusätzliche Importe benötigen, weil ein schneller Ausstieg aus der konventionellen Energieerzeugung nicht realisierbar sei. Für Versorger und Kohlekäufer wird die Brennstoffverfügbarkeit damit ebenso dringlich wie die langfristige Kraftwerkspolitik.
Globaler Wettbewerb und staatliche Preisbegrenzung
Die Importbeschaffung könnte in einem festen Weltmarkt stattfinden. Nach Angaben von WNP steigt die globale Kohlenachfrage, weil die USA auf diesen Brennstoff setzen und asiatische Länder, darunter Indien und China, ihre kohlebasierten Kapazitäten weiter ausbauen. Wiederkehrende Energiekrisen und Konflikte, die Lieferwege unterbrechen, erhöhen die Unsicherheit für Importkunden.
Die stärkere Nachfrage hat laut Ziętek nicht zu einem entsprechenden Anstieg der polnischen Kohlepreise geführt. Er führt dies auf staatliche Eingriffe zurück, die Preiserhöhungen sowohl für Haushalte als auch bei Lieferungen an Kraftwerke begrenzen. Für die Bergwerke schwächen regulierte Verkaufspreise den wirtschaftlichen Nutzen der höheren Nachfrage. Für Verbraucher und Energieunternehmen ist entscheidend, ob vor dem Winter genügend physische Mengen beschafft werden können.