Polen besteuert Flaschenwasser mit 23%, bestimmte Saftgetränke mit 5%
Natürliches Flaschenwasser unterliegt in Polen grundsätzlich 23% Mehrwertsteuer, bestimmte Getränke mit mindestens 20% Saftanteil dagegen nur 5%. EY sieht darin einen Einfluss auf Konsumentscheidungen und Wettbewerb: Wasser führt beim Volumen, kohlensäurehaltige Getränke beim Umsatz.
Konkurrierende Getränke werden unterschiedlich besteuert
Die steuerliche Behandlung von Flaschenwasser in Polen stößt bei Steuerberatern auf Kritik. Ihrer Einschätzung nach begünstigt das System bestimmte gesüßte und aromatisierte Alternativen. Natürliches Flaschenwasser unterliegt grundsätzlich dem regulären Mehrwertsteuersatz von 23%, während bestimmte Frucht- und Gemüsegetränke mit mindestens 20% Saftanteil für den ermäßigten Satz von 5% infrage kommen.
Das Finanzministerium bestätigte diese Regelung laut Infor im März 2025. Milchgetränke, pflanzliche Getränke und bestimmte Frucht- und Gemüsegetränke können mit 5% besteuert werden. Über Leitungsnetze, Tankwagen oder andere Transportmittel geliefertes Wasser unterliegt dagegen 8%. Diese Unterscheidung gilt, obwohl das Gesundheitsministerium natürliches Wasser als gesündeste Wahl empfiehlt.
Dorota Pokrop, Partnerin bei EY Tax Advisory und Mitautorin eines Berichts zur Mehrwertsteuer auf Getränke, sagte PAP Biznes, dass ein fast vollständig aus Wasser bestehendes aromatisiertes Getränk die Schwelle durch Saftkonzentrat erreichen könne. Qualifizierte alkoholfreie Getränke behalten den Satz von 5%, unabhängig von Kohlensäure oder zugesetztem Zucker, Süßungsmitteln, Aromen, Koffein oder Taurin.
Wasser führt beim Volumen, nicht beim Marktwert
Die jüngsten von Infor angeführten Zahlen beziffern den polnischen Markt für kohlensäurehaltige Getränke auf 21 Milliarden Złoty. Auf stilles Wasser entfielen 9,9 Milliarden Złoty, auf Säfte, Nektare und Getränke ohne Kohlensäure 8,9 Milliarden Złoty, auf Energydrinks 3,9 Milliarden Złoty und auf aromatisiertes Wasser 1,55 Milliarden Złoty.
Der Absatz von stillem Wasser im Einzelhandel und im HoReCa-Kanal erreichte 2023 insgesamt 4,26 Milliarden Liter. Bei kohlensäurehaltigen Getränken waren es 2,06 Milliarden Liter. 2015 lagen die entsprechenden Mengen bei 3,4 Milliarden beziehungsweise 2,17 Milliarden Litern. Wasser legte somit mengenmäßig zu, während der Konsum kohlensäurehaltiger Getränke leicht zurückging. Dennoch erzielte diese Kategorie weiterhin deutlich höhere Erlöse.
Die EY-Analyse stuft Wasser als besonders preissensibel ein. Anhand polnischer Marktdaten von 2015 bis 2023 schätzte das Unternehmen, dass ein Preisanstieg bei Wasser um 1% den Konsum anderer Getränke um 0,83% erhöht. Laut Pokrop weichen Verbraucher vor allem auf nahe Ersatzprodukte wie aromatisiertes Wasser und Getränke ohne Kohlensäure aus.
Reformvarianten haben unterschiedliche Haushaltsfolgen
Das Wettbewerbsgefälle reicht über die Mehrwertsteuersätze hinaus. Pokrop zufolge sind Getränke mit Saftzusatz seit Jahren weitgehend von der polnischen Zuckersteuer ausgenommen. Nach Auslegung der Pfandregeln durch das Finanzministerium werden nicht zurückgegebene Flaschen mit dem Satz ihres Inhalts besteuert: 23% bei einer Wasserflasche und 5% bei einer qualifizierten Flasche mit aromatisiertem Wasser.
EY schätzt, dass eine Angleichung der Mehrwertsteuer auf stilles Wasser und Getränke mit mindestens 20% Saftanteil beim ermäßigten Satz von 5% die jährlichen Einnahmen bis 2028 um 1,82 Milliarden Złoty beziehungsweise 0,039% des Bruttoinlandsprodukts senken würde. Der höhere Wasserkonsum würde den Einnahmeverlust nur teilweise ausgleichen. Ein einheitlicher Satz von 23% würde die jährlichen Einnahmen bis 2028 dagegen um geschätzte 2,04 Milliarden Złoty oder 0,043% des Bruttoinlandsprodukts erhöhen, obwohl der Konsum der verteuerten Getränke zurückginge.
Pokrop zufolge fand EY kein anderes Land der Europäischen Union, in dem natürliches Wasser höher besteuert wird als direkte Ersatzprodukte. Auch die Interessen der Hersteller unterscheiden sich: Reine Wasserabfüller können die Saftschwelle nicht nutzen, während diversifizierte Produzenten ihre Rezepturen für den ermäßigten Satz anpassen können. Jede Reform würde daher Kosten und Wettbewerbsvorteile zwischen Abfüllern, Getränkeherstellern, Händlern und Verbrauchern neu verteilen.
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