Perlen Papier bringt Pulpex-Faserflaschen auf den italienischen Markt
Perlen Papier führt in Italien geformte Pulpex-Faserflaschen für Wein, Spirituosen, stille Getränke, Öle, Milchprodukte und Körperpflegeprodukte ein. Die recyclingfähigen Behälter sind in drei Größen erhältlich; eine Produktion in der Schweiz wird ab Ende 2027 geprüft.
Faserbasierte Alternative zu Glas und Kunststoff
Der Schweizer Papierhersteller Perlen Papier hat geformte Pulpex-Faserflaschen auf den italienischen Markt gebracht und erweitert damit sein Geschäft von grafischen Papieren auf dreidimensionale Verpackungen. Die vom britischen Unternehmen Pulpex entwickelten Behälter sollen herkömmliche Glas- und Kunststoffflaschen ersetzen können. Sie eignen sich für Wein, Spirituosen, Wasser und andere stille Getränke sowie für Milchprodukte, Öle, Kosmetik und Körperpflegeprodukte.
Perlen Industrieholding und ihre Tochtergesellschaft Perlen Papier besitzen die exklusiven Produktionsrechte für die Pulpex-Technologie in Italien, der Schweiz, Österreich und Süddeutschland. Laut HorecaNews und Italia a Tavola sind die Flaschen bereits erhältlich. Perlen prüft außerdem, sie ab Ende 2027 am Standort Perlen im Schweizer Kanton Luzern herzustellen. Dadurch würde eine geografisch nähere Bezugsquelle für italienische Kunden entstehen.
Drei Größen und mehr als 24 Monate Haltbarkeit
Der Flaschenkörper wird durch Nassformung von Zellulosefasern aus einem Stück gefertigt und anschließend getrocknet. Innen schützt eine dünne, geruchsneutrale und lebensmitteltaugliche Barriereschicht den Inhalt vor Feuchtigkeit und Sauerstoff. Diese Schicht ist kunststofffrei, und bei der Herstellung werden keine Klebstoffe verwendet. Je nach Produkt und Verschlusssystem ermöglicht die Verpackung eine Haltbarkeit von mehr als 24 Monaten. Sie kann zudem im Kühlschrank oder in feuchten Räumen gelagert werden.
Die Standardflaschen sind derzeit mit 300, 500 und 750 Millilitern erhältlich. Perlen plant später eine Erweiterung auf Größen zwischen 200 und 1.000 Millilitern. Das Formverfahren erlaubt kundenspezifische Konturen; die Oberflächen können im digitalen Inline-Druck oder mit Etiketten gestaltet werden. Die Flaschen sind mit Standardabfüllprozessen kompatibel und lassen sich im Allgemeinen in bestehende Anlagen integrieren. Für Wein- und Spirituosenhersteller ist das besonders relevant, weil nicht zwangsläufig ein separates Produktionssystem aufgebaut werden muss.
CO₂-Bilanz und Wettbewerb mit etablierten Verpackungen
Die Fasern können aus zertifizierten, nachhaltig bewirtschafteten Wäldern oder aus Recyclingpapier stammen. Nach der 4evergreen-Testmethode des Verbands der Europäischen Papierindustrie lassen sich die Flaschen ohne separates Sammelsystem über bestehende Papierströme recyceln. Nach Angaben von Perlen Papier liegt ihr CO₂-Fußabdruck von der Rohstoffgewinnung bis zum Werkstor rund 90% unter dem einer vergleichbaren Glasflasche und rund 30% unter dem einer PET-Flasche.
Das geringere Gewicht gegenüber Glas kann zudem den Transportbedarf und die Logistikkosten senken. Das ist besonders beim Weinvertrieb relevant, da die Verpackung das Gewicht entlang der gesamten Lieferkette deutlich beeinflusst. Die Akzeptanz wird jedoch nicht allein von Umweltangaben abhängen. Hersteller und Abfüller werden Produktschutz, Zuverlässigkeit der Abfülllinien, Wirtschaftlichkeit und Verbraucherakzeptanz prüfen. Perlen ist seit mehr als 150 Jahren in der Zentralschweiz tätig und nutzt seine Erfahrung mit Fasern nun für mehrere Anlagen für Formfaserverpackungen, die bereits laufen oder in Betrieb genommen werden. Die Markteinführung in Italien wird zeigen, ob Faserflaschen in Anwendungen Fuß fassen können, die seit Langem von Glas und Kunststoff beherrscht werden.