OPEC senkt Prognose für Ölnachfrage 2026 zum fünften Mal in Folge
Die OPEC hat ihre Prognose für das Wachstum der weltweiten Ölnachfrage 2026 auf 380.000 Barrel pro Tag gesenkt, 34 % weniger als im August. Gleichzeitig hob sie die Prognose für 2027 an, während Brent wegen geopolitischer Risiken auf mehr als 105 $ je Barrel stieg.
Fünf Kürzungen verändern den Ausblick für 2026
Die OPEC hat ihre Prognose für das Wachstum der weltweiten Ölnachfrage 2026 den fünften Monat in Folge gesenkt. Sie erwartet nun gegenüber dem Vorjahr einen Zuwachs von rund 380.000 Barrel pro Tag. Laut VietnamPlus wurde die neue Schätzung am 10. September im jüngsten monatlichen Ölmarktbericht der OPEC veröffentlicht und liegt 34 % unter der August-Prognose.
Die Abfolge der Revisionen zeigt, wie schnell sich der kurzfristige Ausblick der Organisation eingetrübt hat. Im Mai erwartete die OPEC noch ein Wachstum von 1,17 Millionen Barrel pro Tag. Im Juni waren es 970.000, im Juli 780.000 und im August 580.000 Barrel pro Tag. Die jüngste Schätzung beträgt damit weniger als ein Drittel der Mai-Prognose. Der Markt würde folglich deutlich weniger zusätzliches Angebot benötigen, um den erwarteten Mehrverbrauch zu decken.
Wirtschaftliche Unsicherheit belastet den Verbrauch
VietnamPlus zufolge berücksichtigt die revidierte Prognose aktuelle Wirtschaftstrends und Risiken. Dazu gehören die wirtschaftlichen Folgen geopolitischer Spannungen, erneut zunehmender Inflationsdruck und die anhaltende Unsicherheit über die US-Handelspolitik und deren Zölle. Diese Faktoren können Industrieproduktion, Güterverkehr und Konsumausgaben dämpfen und damit den Verbrauch von Ölprodukten in Industrie- und Schwellenländern begrenzen.
Die Korrektur macht zudem die ungewöhnlich große Differenz zwischen den Nachfrageprognosen deutlich. VietnamPlus berichtet, dass die Internationale Energieagentur für 2026 mit einem Rückgang der weltweiten Ölnachfrage um 1,6 Millionen Barrel pro Tag rechnet, während die OPEC weiterhin Wachstum erwartet. Für Produzenten, Raffinerien und Händler ist dieser Abstand erheblich, weil beide Szenarien völlig unterschiedliche Entscheidungen über Lagerbestände, Raffinerieauslastung und Investitionen in die Förderung erfordern.
Für 2027 erwartet die OPEC eine kräftige Erholung
Trotz der Senkung für 2026 hat die OPEC ihre Prognose für 2027 angehoben. Sie rechnet nun mit einem weltweiten Nachfragewachstum von rund 2,4 Millionen Barrel pro Tag gegenüber dem Vorjahr. Im August hatte die Schätzung noch bei 2,2 Millionen Barrel gelegen. Als Grund nannte der Bericht einen erwarteten Nachfrageanstieg sowohl in OECD-Ländern als auch außerhalb der OECD.
Der starke Gegensatz zwischen den beiden Jahren erschwert die Planung: Auf ein begrenztes Wachstum 2026 soll 2027 ein wesentlich größerer Zuwachs folgen. Produzenten müssen entscheiden, ob sie freie Kapazitäten erhalten oder sich früh auf die erwartete Erholung vorbereiten. Raffinerien und Rohölkäufer müssen zugleich einschätzen, wann und in welchen Regionen der zusätzliche Verbrauch tatsächlich entsteht.
Förderpolitik bleibt trotz steigender Preise unverändert
Bei einem Treffen am 6. September teilten die OPEC und ihre Partner in der OPEC+-Allianz mit, dass sie ihre Förderpolitik für Oktober unverändert lassen werden. Die Gruppe erklärte, vor weiteren Entscheidungen müssten neue Förderquoten vereinbart werden. Die unveränderte Politik verschafft den Mitgliedern Zeit, um zu beurteilen, ob das schwächere Nachfragewachstum oder Versorgungsstörungen den größeren Einfluss auf die Marktbilanz haben werden.
Geopolitische Risiken stützen bereits die Preise. Laut VietnamPlus stieg Brent auf mehr als 105 $ je Barrel, nachdem der Konflikt im Nahen Osten Ölexporte durch die Straße von Hormus beeinträchtigt hatte. Am 10. September legten die Ölpreise im Handel um mehr als 6 % zu, da Angriffe auf die Schifffahrt die Sorge vor weiteren Lieferausfällen verstärkten. Für Importeure können höhere Preise die Energieinflation trotz der gesenkten Nachfrageprognose verschärfen. Exporteure profitieren kurzfristig von höheren Einnahmen, doch die wiederholten Prognosekürzungen sprechen dagegen, dass der grundlegende Verbrauch den Markt während des gesamten Jahres 2026 ähnlich angespannt halten wird.