Ölpreise steigen wegen US-Iran-Kämpfen und Risiken für Nahost-Energierouten
Brent stieg binnen einer Woche um 7,6 % auf 96,28 $ je Barrel, US-Rohöl um fast 10 % auf 91,48 $. Weniger Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus und ein knappes Dieselangebot erhöhen die Risiken für Energieabnehmer, Transporteure und kraftstoffintensive Branchen.
Rohöl-Benchmarks verzeichnen kräftige Wochengewinne
Die Ölpreise beendeten die Woche deutlich höher, nachdem neue militärische Angriffe zwischen den USA und Iran die Sorgen um Energieversorgung und Transportwege im Nahen Osten verstärkt hatten. Shahrara News zufolge schloss Brent am Freitag bei 96,28 $ je Barrel. Das waren 0,76 $ beziehungsweise 0,8 % mehr als am Vortag. US-Öl der Sorte West Texas Intermediate verteuerte sich um 0,18 $ beziehungsweise 0,2 % auf 91,48 $ je Barrel.
Auf Wochensicht fiel der Anstieg wesentlich stärker aus. Brent gewann 7,6 %, die US-Benchmark fast 10 %. Von Shahrara News zitierte Analysten führten einen erheblichen Teil des Anstiegs auf eine höhere geopolitische Risikoprämie zurück. Preise können damit bereits auf die Möglichkeit künftiger Störungen reagieren, bevor ein deutlicher Rückgang der realen Exporte feststeht. Eine Deeskalation und normalisierte Energietransporte könnten einen Teil dieser Prämie abbauen; eine Ausweitung des Konflikts könnte sie weiter erhöhen.
Verkehr durch die Straße von Hormus wird zum Leitsignal
Im Zentrum steht die Straße von Hormus, eine strategische Route für weltweite Öl- und Gastransporte. Von Shahrara News angeführte Daten von Kpler zeigen, dass am Donnerstag nur vier Frachtschiffe die Wasserstraße passierten. In den vorherigen 10 Tagen lag der Tagesdurchschnitt bei etwa 15 Schiffen. Aus dem starken Rückgang lässt sich allein noch nicht ableiten, wie viel Öl tatsächlich am Markt fehlt. Er verweist jedoch auf größere Vorsicht der Reedereien und ein erhöhtes Verzögerungsrisiko.
Für Produzenten, Händler, Raffinerien und Importeure ist die Unterscheidung zwischen einer erwarteten Störung und einem bestätigten Lieferausfall entscheidend. Weniger Schiffsbewegungen können Lieferzeiten verlängern und die Beschaffung erschweren, auch wenn Exporte weiterlaufen. Eine länger anhaltende Unterbrechung hätte breitere Folgen, weil über die Route sowohl Öl als auch Gas transportiert werden. Kurzfristig bestimmen deshalb vor allem der Tankerverkehr und der Verlauf der Kämpfe zwischen den USA und Iran die Preisentwicklung.
Dieselbelastung reicht über den Rohölmarkt hinaus
Die Folgen erfassen bereits den Markt für Mineralölprodukte. Reuters berichtete laut dem vorliegenden Quellentext, dass der durchschnittliche US-Einzelhandelspreis für Diesel einen Rekord von 5,85 $ je Gallone erreicht habe. Angriffe auf russische Raffinerien und Störungen bei Produktlieferungen haben den globalen Kraftstoffmarkt verknappt. Sinkende US-Lagerbestände und eine stärkere saisonale Nachfrage vor der landwirtschaftlichen Ernte könnten zusätzlichen Druck erzeugen. Diesel ist nicht nur für den Verkehr, sondern auch für Gütertransport, Industrie und Landwirtschaft wesentlich.
Finanzinstitute haben ihre Ölpreisprognosen angesichts der verschärften Risiken angehoben. Citi erhöhte seine Prognose für den durchschnittlichen Brent-Preis im dritten Quartal von 80 $ auf 86 $ je Barrel. Analysten von ANZ setzten ihre kurzfristige Brent-Prognose auf 95 $ je Barrel herauf und halten bei einer Eskalation im Nahen Osten weitere Gewinne für möglich. Höhere Rohöl- und Dieselkosten können Transport, Landwirtschaft und Produktion verteuern und den Inflationsdruck in großen Volkswirtschaften erhöhen. Entscheidend ist nun, ob sich die physischen Energieflüsse verschlechtern oder der Schiffsverkehr wieder normalisiert.