Öl steigt um 2 Prozent wegen neuer Nahost-Risiken und Spannungen in Europa
Brent stieg um 2,1 % auf 89,70 $ je Barrel, WTI um 1,6 % auf 83,53 $, nachdem die Hoffnung auf neue Gespräche zwischen den USA und Iran schwand. Der eingeschränkte Verkehr durch die Straße von Hormus und wachsende Spannungen zwischen Russland und dem Westen halten die geopolitische Risikoprämie hoch.
Brent nähert sich wieder 90 $
Die Ölpreise erholten sich nach drei Verlusttagen in Folge, weil Händler mögliche Ausfälle bei Lieferungen aus dem Nahen Osten wieder einpreisten. Brent-Futures schlossen am Donnerstag, dem 27. August 2026, um 2,1 % beziehungsweise 1,86 $ höher bei 89,70 $ je Barrel. US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate verteuerte sich um 1,6 % beziehungsweise 1,30 $ auf 83,53 $ je Barrel.
Fortune Indonesia berichtete unter Berufung auf Reuters, der Anstieg sei auf Signale gefolgt, wonach die Regierung von US-Präsident Donald Trump kein Interesse an einer Wiederbelebung der im Juni mit Iran vereinbarten Bestimmungen habe. Washington bestätigte zudem, keine direkten Gespräche mit Teheran zu führen. Trump erklärte, seine Regierung strebe auch kein Treffen an.
Der verlorene diplomatische Schwung dämpfte die Erwartung, dass mehr Öl aus dem Nahen Osten auf den Markt gelangen könnte. UBS-Analyst Giovanni Staunovo führte die Neubewertung auf geringe Fortschritte bei den Gesprächen und weiterhin eingeschränkte Lieferströme zurück. Washington hält am wirtschaftlichen Druck auf Iran fest und droht Ländern, die Geschäfte mit dem Land tätigen, mit Sanktionen.
Hormus-Verkehr bleibt unter dem Durchschnitt
Die Straße von Hormus bleibt das zentrale physische Risiko für den Energiemarkt. Vor Beginn des Konflikts Ende Februar passierte laut dem vorliegenden Quellenmaterial täglich rund ein Fünftel des weltweiten Angebots an Öl und Flüssigerdgas diese Wasserstraße.
Der Schiffsverkehr hat sich vom Tiefpunkt erholt, liegt aber noch unter dem jüngsten Normalniveau. Daten von Kpler zufolge durchquerten am Mittwoch 10 Frachtschiffe die Meerenge, verglichen mit einem Zehn-Tage-Durchschnitt von 15. Darunter waren Treibstoff- und Asphalt-Tanker sowie Massengutfrachter. Gespräche zwischen Iran und Oman über einen vorübergehenden Korridor hatten zunächst Hoffnungen auf eine Normalisierung geweckt, doch die Erwartungen an eine Wiederöffnung sind inzwischen gesunken.
Die diplomatische Vermittlung dauert an. Katars Ministerpräsident besuchte Teheran am Donnerstag, kurz vor dem sechsten Monat seit Beginn des Konflikts zwischen den USA, Israel und Iran. Der iranische Sicherheitsvertreter Mohsen Rezaei warnte jedoch, Teheran könne militärische und wirtschaftliche Interessen der USA angreifen, falls Washington während der Gespräche mit katarischen Vertretern feindselig handle.
Erholung in Kuwait gleicht einen Teil des Risikos aus
Ein Teil der regionalen Verarbeitungskapazität kehrt zurück. Kuwait Integrated Petroleum Industries Co. hat drei Rohölverarbeitungsanlagen in der Raffinerie Al-Zour wieder in Betrieb genommen. Die Raffinerie mit einer Kapazität von 615.000 Barrel pro Tag war im Mai Ziel eines iranischen Drohnenangriffs. Laut der Beratungsgesellschaft IIR liefen alle drei Anlagen am 19. August mit rund 60 % ihrer Kapazität. Der Neustart stützt die Kraftstoffproduktion am Golf teilweise, beseitigt aber nicht das übergeordnete Transportrisiko rund um Hormus.
Europa brachte eine zweite Quelle der Unsicherheit hinzu. Moskau warnte vor möglichen Angriffen auf britische Militärziele innerhalb oder außerhalb der Ukraine, nachdem die Ukraine von Großbritannien gelieferte Langstrecken-Marschflugkörper gegen russisches Gebiet eingesetzt hatte. Trump sagte, der russische Präsident Vladimir Putin werde kein NATO-Mitglied angreifen, und wies Sorgen über einen möglichen Angriff auf Großbritannien zurück. The Wall Street Journal berichtete, dass Öl zulegte, als sich der Marktfokus auf die verschärften Spannungen zwischen Russland und der Ukraine verlagerte. Da Brent wieder auf 90 $ zuläuft, hängt die Preisvolatilität sowohl vom eingeschränkten Schiffsverkehr am Golf als auch vom fehlenden Fortschritt zwischen Washington und Teheran ab.