Hormus-Störungen und teurer Schwefel belasten Marokkos OCP, berichtet Le Monde
Der Umsatz des staatlichen marokkanischen Phosphatkonzerns OCP ist im ersten Halbjahr gesunken, vor allem wegen höherer Schwefelpreise, berichtet Le Monde. Die französische Zeitung führt den Druck auf Störungen in der Straße von Hormus zurück, durch die Schwefelladungen aus der Golfregion laufen. Schwefel ist der Rohstoff, der Rohphosphat in Phosphorsäure und damit in DAP- und MAP-Dünger überführt.
Der Umsatz des staatlichen marokkanischen Phosphatkonzerns OCP ist im ersten Halbjahr gefallen, Hauptursache waren höhere Schwefelpreise, berichtet Le Monde. Die französische Zeitung bringt den Druck mit Störungen in der Straße von Hormus in Verbindung – jenem Korridor, über den in der Golfregion geladener Schwefel die Weltmärkte erreicht.
Schwefel bestimmt die Kostenbasis von Phosphatdünger
Schwefel wird in dieser Kette nicht auf den Acker gebracht, sondern verbrannt. Phosphatproduzenten setzen ihn zu Schwefelsäure um, die Säure schließt Rohphosphat auf und liefert Phosphorsäure, das Zwischenprodukt hinter DAP-, MAP- und TSP-Düngern. Weil die Chemie festliegt, verändert sich die je Tonne Fertigprodukt benötigte Schwefelmenge kaum. Bewegt sich der Schwefelpreis, schlägt er unmittelbar auf die Cash-Kosten jeder Tonne verarbeiteten Phosphats durch – ohne Substitut und ohne nennenswerten Spielraum, den Effekt über Effizienzgewinne zu verwässern.
Das erklärt, warum ein Vorprodukt, das kein Landwirt je zu Gesicht bekommt, über ein Halbjahresergebnis entscheiden kann. Die Wettbewerbsposition von OCP beruht seit Langem auf eigenem Rohphosphat bei gleichzeitigem Zukauf des zweiten Schlüsselrohstoffs am freien Markt. Das Gestein stammt aus dem Inland und seine Kosten hat der Konzern weitgehend im Griff; Schwefel wird importiert, international bepreist und verschifft. Diese Asymmetrie hilft OCP bei billigem Schwefel und schadet, wenn sich der Markt anspannt.
Der Faktor Hormus
Der international gehandelte Schwefel ist überwiegend ein Nebenprodukt und kein Bergbaugut. Er fällt an, wenn Raffinerien und Anlagen zur Aufbereitung von Sauergas Schwefelverbindungen aus Rohöl und Erdgas entfernen. Das konzentriert das Angebot in den großen Öl- und Gasregionen am Golf, und die Ladungen aus diesen Terminals passieren die Straße von Hormus. Störungen in diesem Korridor erreichen die Düngemittelrechnung deshalb schnell – so beschreibt Le Monde das erste Halbjahr von OCP.
- Fracht- und Versicherungskosten steigen für Schiffe, die durch die Region oder um sie herum fahren.
- Lieferzeiten verlängern sich, Käufer müssen größere und teurere Lager halten.
- Verkäufer gewinnen Preismacht, weil sich die Ausbringung eines Nebenprodukts nicht nach Bedarf hochfahren lässt.
Was das für Düngerkäufer bedeutet
OCP zählt zu den größten Lieferanten verarbeiteter Phosphate auf dem Weltmarkt, seine Kostenbasis ist damit keine rein marokkanische Angelegenheit. Käufer von DAP und MAP in Südamerika, Südasien, Europa und Afrika hängen an derselben Kette: Schwefel zu Schwefelsäure, Säure zu Phosphorsäure, Phosphorsäure zu granuliertem Dünger. Jedes Glied dieser Kette ist im Betrieb teurer geworden.
Ein Produzent mit teurerem Vorprodukt hat zwei Wege. Er trägt den Anstieg selbst, was die Marge drückt, oder er gibt ihn in die Angebotspreise weiter und verteuert Phosphatdünger für Importeure. Beides kommt auf dem Feld an, denn die Aufwandmengen bei Phosphat reagieren stark auf den Preis: Steigen die Granulatpreise schneller als die Erzeugerpreise, verschieben Käufer Einkäufe oder senken die Dosis.
Eine staatliche Bilanz
OCP gehört dem marokkanischen Staat, wie Le Monde anmerkt. Die Ergebnisse des Konzerns wirken damit nicht nur auf die eigene Bilanz, sondern auch auf die öffentlichen Finanzen. Phosphate und ihre Derivate gehören zu den wichtigsten Exportpositionen Marokkos, und verarbeitete Produkte tragen je Tonne deutlich mehr Wert als Rohgestein. Ein anhaltender Druck auf den Umsatz reicht deshalb über einen Berichtszeitraum hinaus – vom Tempo der Investitionen in Verarbeitungskapazität bis zum Beitrag der Phosphate zur Handelsbilanz des Landes. Die entscheidende Variable liegt außerhalb Marokkos, auf einer Seeroute, die der Konzern nicht kontrolliert.