Teefabriken in Nordbengalen stoppen Blattkäufe wegen Pestizidbedenken
Fremdblattfabriken in Nordbengalen kaufen nach Berichten über Rückstände eines verbotenen Pestizids keine grünen Teeblätter mehr von Kleinbauern. Die Erzeuger fordern staatliche Hilfe und warnen vor Folgen für eine Lieferkette, von der mehr als 3 Millionen Menschen leben.
Fabriken setzen Beschaffung aus
Die Lieferkette der Teeindustrie in Nordbengalen ist unterbrochen, nachdem Fremdblattfabriken den Kauf grüner Teeblätter von Kleinbauern eingestellt haben. Mitglieder der North Bengal Tea Producers Association setzten die Beschaffung aus. Damit fehlt den Erzeugern ihr wichtigster Absatzkanal für frisch gepflückte Blätter, während Verarbeiter, die auf kleinbäuerliche Produktion angewiesen sind, keine sichere Rohstoffversorgung mehr haben.
Die Times of India berichtete, dass die Fabriken ihre Käufe am Montag stoppten, nachdem in einigen Proben Rückstände des verbotenen Pestizids monocil festgestellt worden sein sollen. Der Bericht nannte weder die betroffenen Betriebe noch die Zahl der Fabriken, Erzeuger oder Lieferungen. Ein Termin für die Wiederaufnahme wurde nicht bekannt gegeben.
Fremdblattfabriken sind eigenständige Verarbeiter, die frische Blätter ankaufen, statt ausschließlich eigene Plantagen zu nutzen. Sie verarbeiten die verderbliche Ernte zu fertigem Tee, der über Auktionen oder private Geschäfte verkauft wird. Eine längere Unterbrechung trifft beide Seiten: Die Bauern können frische Blätter nicht lange lagern, und den Fabriken fehlt das Ausgangsmaterial.
Erzeuger verlangen Eingreifen der Regierung
Die Confederation of Indian Small Tea Growers’ Association, kurz CISTA, hat sich laut Times of India an Westbengalens Chief Minister Suvendu Adhikari gewandt. Sie fordert ihn auf, die Fabriken zur Wiederaufnahme der Käufe zu bewegen. Nach Angaben von CISTA könnten bei einer anhaltenden Aussetzung die Lebensgrundlagen von mehr als 3 Millionen Menschen in Nordbengalen betroffen sein.
Das Risiko reicht über die Eigentümer der Teeflächen hinaus. Von der Blattproduktion leben Pflücker, Sammelstellen, Transporteure und Fabrikarbeiter; Störungen treffen zudem Händler und Käufer in den nachgelagerten Stufen. Kleinbauern sind besonders gefährdet, weil sie ihre Blätter regelmäßig ernten und rasch an nahe gelegene Verarbeiter liefern müssen.
CISTA erklärte bereits zuvor, dass Kleinbauern mit durchschnittlich weniger als einem Hektar Anbaufläche fast 70 % der CTC-Teeproduktion Westbengalens liefern. Bei diesem hohen Anteil kann ein Beschaffungskonflikt mit Fremdblattfabriken schnell die gesamte regionale Produktion erfassen.
Compliance-Druck erreicht die Fabriktore
Der Einkaufsstopp fällt in eine Phase schärferer Kontrollen von Pestizidrückständen im indischen Teesektor. Northeast Now berichtete, Hindustan Unilever Limited und Tata Consumer Products Limited hätten Teehandelshäuser am 23. Juli 2026 darüber informiert, nur noch Ware zu kaufen, die den Anforderungen der Food Safety and Standards Authority of India, FSSAI, entspricht. Für Verarbeiter steigt damit das wirtschaftliche Risiko, wenn fertiger Tee die zulässigen Grenzwerte überschreitet.
Auch Erzeugerverbände im benachbarten Assam äußern Bedenken wegen verpflichtender Pestizidtests. Die North East Confederation Small Tea Growers’ Association bat die FSSAI, ihre Richtlinie von 2024 zu überprüfen, da sie die Existenz von fast 150.000 Kleinbauern in Assam gefährden könne. Der Verband verwies außerdem auf FSSAI-Schulungen zu Höchstrückstandsmengen und auf die Förderung von Biopestiziden.
Neustart erfordert Tests und Rückverfolgbarkeit
Nordbengalen braucht nun ein Prüf- und Herkunftssystem, das den weiteren Ankauf regelkonformer Blätter ermöglicht. Ein vollständiger Stopp schützt Fabriken davor, verdächtiges Material zu übernehmen. Zugleich verlagert er die finanziellen Lasten auf Bauern, deren Ware möglicherweise weder getestet noch mit den beanstandeten Proben in Verbindung gebracht wurde.
Das weitere Vorgehen hängt von Gesprächen zwischen Produzentenverbänden, Kleinbauern, Aufsichtsbehörden und der Regierung Westbengalens ab. Bis die Käufe wieder anlaufen, drohen Blattverluste, eine geringere Fabrikauslastung und wachsender Druck auf Erzeuger, denen für die schnell verderbliche Ernte kaum alternative Verarbeitungswege offenstehen.