Nikotinbeutel gewinnen in Polen an Boden und locken mit hohen Margen
Nikotinbeutel verbreiten sich in Polen, während Philip Morris International und British American Tobacco ihr Geschäft mit rauchfreien Alternativen ausbauen. Hohe Margen und globale Wachstumsprognosen stützen die Kategorie, doch Regulierung und Konsumgewohnheiten könnten die Verdrängung von Zigaretten, E-Zigaretten und Tabakerhitzern begrenzen.
Eine rauchfreie Kategorie erreicht den Massenmarkt
Nikotinbeutel gewinnen in Polen an Boden, da internationale Tabakkonzerne nach Produkten suchen, die sinkende Verkäufe herkömmlicher Zigaretten ausgleichen können. Die kleinen Beutel enthalten Nikotin, aber keinen Tabak, und müssen weder verbrannt noch erhitzt werden. Sie erzeugen keinen Rauch oder Dampf und können deshalb an vielen Orten verwendet werden, an denen Zigaretten oder E-Zigaretten verboten sind, berichtet das polnische Handelsmedium dlahandlu.pl.
Philip Morris International und British American Tobacco räumen der Kategorie strategisch mehr Gewicht ein. Reuters berichtet laut dlahandlu.pl, dass rückläufige Zigarettenverkäufe die Tabakkonzerne zu Produkten drängen, die Wachstum und Profitabilität sichern können. Polen gehört neben dem Vereinigten Königreich zu den Märkten, in denen BAT eine steigende Nachfrage nach Nikotinbeuteln beobachtet.
Globale Prognose stärkt das Investitionsargument
BAT erwartet, dass der Wert des weltweiten Marktes für Nikotinbeutel von rund 4 Milliarden £ im Jahr 2025 auf 11 Milliarden £ im Jahr 2030 steigt. Die Zahl der Nutzer soll in diesem Zeitraum 47 Millionen erreichen, während das Segment den Markt für E-Zigaretten überholen dürfte. In Asien, dem Nahen Osten und Afrika verzeichnete BAT zudem ein Absatzplus von fast 28%, wobei diese Märkte weiterhin deutlich kleiner sind als Europa und die Vereinigten Staaten.
Besonders attraktiv ist für die Hersteller die Wirtschaftlichkeit der Kategorie. Philip Morris hatte zuvor mitgeteilt, dass sein US-Geschäft mit Nikotinbeuteln 2024 je 1.000 verkauften Einheiten achtmal mehr Bruttogewinn erzielte als das internationale Zigarettengeschäft. Auch das Tabakerhitzungssystem IQOS war nach dieser Kennzahl weniger profitabel. Analysten beurteilen die Aussichten der größten Tabakkonzerne deshalb zunehmend anhand ihrer Ergebnisse mit Nikotinbeuteln.
Zigaretten dominieren weiterhin die Absatzmengen
Das schnelle Wachstum macht Nikotinbeutel noch nicht zu einem universellen Ersatz für Zigaretten, E-Zigaretten oder erhitzte Tabakprodukte. Orale Produkte machen derzeit lediglich 2,6% des gesamten Absatzvolumens von Philip Morris aus. Zigaretten bleiben die wichtigste Umsatz- und Gewinnquelle des Konzerns. Das verdeutlicht den Abstand zwischen dem Wachstumspotenzial der Kategorie und ihrer gegenwärtigen kommerziellen Größe.
Auch das Konsumverhalten stellt ein Hindernis dar. In vielen Ländern sind Nikotinkonsumenten an die Inhalation und nicht an die orale Aufnahme gewöhnt. Von dlahandlu.pl zitierte Analysten warnen, dass eine fehlende Tradition für orales Nikotin die Expansion deutlich begrenzen könnte. Der Erfolg hängt daher teilweise davon ab, ob die Hersteller außerhalb jener Länder Nachfrage schaffen können, in denen diese Konsumform seit Langem bekannt ist.
Regulierung wird zum zentralen Engpass
Mit steigenden Verkäufen werden die Vorschriften strenger. Die Weltgesundheitsorganisation warnt vor intensiver Vermarktung und dem hohen Nikotingehalt einiger Produkte und fordert schärfere Regeln. Noch im Mai verfügten rund 160 Länder über keine speziellen Vorschriften für Nikotinbeutel. In vielen Staaten galten für sie damit mildere Anforderungen als für E-Zigaretten oder erhitzte Tabakprodukte.
Diese Regulierungslücke schließt sich. Frankreich hat den Verkauf von Nikotinbeuteln verboten, Finnland führte unter anderem standardisierte Verpackungen ein, und das Vereinigte Königreich sowie die Europäische Union bereiten weitere Einschränkungen vor. Philip Morris und BAT erwarten nicht, dass die Beutel sämtliche anderen Nikotinkategorien ersetzen, da erwachsene Konsumenten unterschiedliche Präferenzen haben. Für polnische Hersteller, Händler und Einzelhändler werden Nikotinbeutel zu einem wichtigen Wachstumsfeld, doch ihr künftiger Marktanteil hängt von Regulierung, Preisen und dem Wechsel der Verbraucher von inhalierbaren Produkten ab.