Nigeria treibt Cassava-Ethanolprojekt für 256 Millionen Euro voran
Eine Absichtserklärung umfasst eine Cassava-Bioethanolanlage auf einem 200 Hektar großen Gelände in Itokin sowie 15.000 Hektar Anbaufläche in vier nigerianischen Bundesstaaten. Für das 256-Millionen-Euro-Projekt fehlen bislang Angaben zu Kapazität, gesicherter Finanzierung und Bauzeitplan.
Anlage bei Lagos wird mit Cassava-Anbau in vier Bundesstaaten verknüpft
Nigeria hat mit einer Absichtserklärung zwischen öffentlichen und privaten Beteiligten die Planung eines Cassava-Bioethanolkomplexes bei Lagos vorangetrieben. Laut Ecofin Agency unterzeichneten NNPC New Energy Limited, eine Tochter des staatlichen Ölkonzerns NNPC, und 3D HighTech Systems am 29. September eine Vereinbarung mit der Ogun-Oshun River Basin Development Authority. The Rio Times bezeichnete das Privatunternehmen als 3D NNPC Biofuels Limited und berichtete, NNPC Limited sei an anderer Stelle als dritter Unterzeichner genannt worden.
Die geplante Anlage soll auf einem 200 Hektar großen Gelände in Itokin im Bundesstaat Lagos entstehen. Die Flussgebietsbehörde will außerdem 15.000 Hektar für den Cassava-Anbau in Lagos, Ogun, Osun und Oyo bereitstellen. Damit soll eine eigene Rohstoffbasis für die Verarbeitung geschaffen werden. Die Behörde soll Land, Wasser und Unterstützung durch die örtlichen Gemeinden einbringen; der private Partner soll Finanzierung, Technologie, technisches Fachwissen und eine Abnahmegarantie liefern.
Die angekündigte Investition beträgt 256 Millionen Euro. The Rio Times rechnete den Betrag in rund 289 Millionen US-Dollar um, während Ecofin Agency etwa 290 Millionen US-Dollar angab. Die Anlage soll Ethanol zur Beimischung in Premium Motor Spirit produzieren, die nigerianische Bezeichnung für Benzin. Produktionskapazität, Investorenliste, Bauzeitplan und Starttermin wurden nicht veröffentlicht.
Rohstoffkonzept soll Verluste senken und Kleinbauern einbinden
Nigeria ist der weltweit größte Cassava-Produzent, doch ein erheblicher Teil der Ernte erreicht die Verarbeiter nicht. Regierungsstellen schätzen die Verluste entlang der Wertschöpfungskette auf etwa 40 %. Da die Wurzeln innerhalb weniger Tage nach der Ernte verderben, könnte eine Verarbeitung nahe den Feldern Verluste verringern und zugleich Nachfrage nach Pflanzgut, Landmaschinen, Transporten und Agrardienstleistungen schaffen.
Das Vorhaben gehört zum Cassava Bioethanol Value Chain Development Project, das der nigerianische Bundesexekutivrat im April 2023 als Konzession genehmigte. Das Ministerium für Haushalt und Wirtschaftsplanung erklärte im Januar 2026, das Gesamtprogramm solle rund 14 Millionen Kleinbauern einbinden. Geplant ist eine Zusammenarbeit von Hochschulen, Wirtschaft und Staat, um ertragreichere Cassava-Sorten zu verteilen und den Zugang zu Technologie und Kapital zu verbessern.
Nach Angaben von The Rio Times rechnen Regierungsvertreter mit mehr als 100.000 direkten und indirekten Arbeitsplätzen in Landwirtschaft, Logistik und Verarbeitung. Diese Schätzung wurde jedoch nicht unabhängig geprüft. Das Gesamtprogramm sieht außerdem die Vermarktung von Stärke, bei der Gärung abgeschiedenem Kohlendioxid und Tierfutter aus Verarbeitungsrückständen vor.
E10-Pilotprojekt könnte die kommerzielle Nachfrage bestimmen
Nigerias nationale Biokraftstoffpolitik von 2007 setzte das Ziel, Benzin bis 2020 zehn Prozent Ethanol beizumischen. Dieses Ziel wurde verfehlt. Ecofin Agency berichtete, dass die nigerianische Regulierungsbehörde für den Midstream- und Downstream-Ölsektor, NNPC Retail und die nigerianische Normungsorganisation im Mai 2026 mit den Vorbereitungen für ein E10-Pilotprogramm an ausgewählten Tankstellen begannen. Getestet werden sollen ein Kraftstoff aus 10 % Bioethanol und 90 % Benzin sowie die technischen, regulatorischen und logistischen Voraussetzungen für eine breitere Einführung.
Laut Regulierungsbehörde lag der inländische Benzinverbrauch im Oktober 2025 bei durchschnittlich 56,74 Millionen Litern pro Tag; knapp 49 % kamen aus Importen. Das Ministerium für Haushalt und Wirtschaftsplanung schätzt, dass die Ethanolbeimischung jährlich mehr als 3 Billionen ₦ an Devisen einsparen könnte. Ecofin Agency bezifferte dies auf rund 2,1 Milliarden US-Dollar, The Rio Times auf etwa 2,3 Milliarden US-Dollar. Keine der beiden Angaben ist ein geprüftes Ergebnis.
Mit der steigenden heimischen Benzinproduktion der Dangote-Raffinerie verändert sich jedoch die Importsubstitutionsrechnung. Laut The Rio Times lieferte die Raffinerie im August mehr Benzin für Nigeria als die Importeure, was das ursprüngliche Argument der Importersparnis teilweise abschwächt. Entscheidend für das Projekt in Itokin sind nun eine gesicherte Finanzierung, veröffentlichte Kapazitätsdaten, verbindliche Bautermine und durchsetzbare Beimischungsregeln, die eine planbare Ethanolnachfrage schaffen.