Nigeria will die Cashewproduktion bis 2036 auf 1 Million Tonnen steigern
Nigeria will seine Cashewproduktion bis 2036 auf 1 Million Tonnen und damit auf fast das Dreifache der Ernte von 2025 erhöhen. Der nationale Fahrplan soll zudem die heimische Verarbeitung von 15 % auf 50 % steigern, doch überalterte Plantagen, schwache Qualitätskontrollen und ein früher verfehltes Ziel bergen Risiken.
Fahrplan sieht nahezu eine Verdreifachung vor
Nigerias Cashewbranche strebt bis 2036 eine Produktion von 1 Million Tonnen an. Das wäre fast das Dreifache der Ernte von 340.000 Tonnen im Jahr 2025. La Tribune berichtete, dass der nationale Cashewverband NCAN das Ziel am 28. Juli bei der Vorstellung eines nationalen Branchenfahrplans bekannt gab.
Der Plan soll staatliche und private Maßnahmen koordinieren, Investoren gewinnen und die Wertschöpfungskette besser organisieren. Vorgesehen sind die Stärkung der Erzeuger, ein besserer Zugang zu Betriebsmitteln, höhere Erträge und Investitionen in Schäl- und Verarbeitungsanlagen. Künftig sollen 50 % der nigerianischen Cashewernte im Land verarbeitet werden.
Cashews zählen neben Kakao und Sesam weiterhin zu Nigerias strategischen Agrarexporten. Laut La Tribune war Nigeria 2025 hinter Côte d’Ivoire der zweitgrößte Produzent weltweit. Der regionale Marktführer hat bereits mehr als 1,5 Millionen Tonnen erreicht und setzt damit sowohl bei der Rohwarenversorgung als auch bei der Verarbeitung einen hohen Maßstab.
Die heimische Verarbeitung ist die zweite Bewährungsprobe
Derzeit werden lediglich 15 % der nigerianischen Ernte im Inland verarbeitet. Ein Anstieg auf 50 % würde erheblich mehr Nüsse in heimische Schäl- und Verarbeitungsbetriebe lenken und könnte Industrieerlöse sowie Beschäftigung erhöhen. Dafür müssen die Fabriken im gleichen Tempo wie die landwirtschaftliche Produktion wachsen, damit zusätzliche Mengen nicht überwiegend als Rohware verkauft werden.
Zu den jüngsten Investitionen gehört ein geplantes Werk des in Singapur ansässigen Agrarrohstoffhändlers Robust International im Bundesstaat Ogun. Das Unternehmen kündigte das Projekt im Februar an. Nach der Inbetriebnahme soll die gesamte Verarbeitungskapazität von Robust International von derzeit 100 auf 220 Tonnen pro Tag steigen.
Nigeria verfügt über eine breite Produktionsbasis: Cashews werden in 27 Bundesstaaten und im Bundeshauptstadtterritorium angebaut. Der Erfolg des Fahrplans hängt daher von der Zusammenarbeit zwischen den Regierungen der Bundesstaaten, Genossenschaften und Privatunternehmen sowie von der Mobilisierung räumlich verteilter Erzeuger ab.
Früheres Ziel zeigt Umsetzungsrisiken
Dem neuen Vorhaben ging bereits ein nicht erreichtes Produktionsziel voraus. 2017 hatte NCAN bis 2020 eine Menge von 500.000 Tonnen angestrebt. La Tribune nennt überalterte Plantagen, eine höhere Krankheitsanfälligkeit, den begrenzten Zugang zu verbesserten Sorten und Schädlingsdruck als Hemmnisse für die Erzeuger.
Auch die Qualitätskontrolle ist eine kommerzielle Schwachstelle. Das Fehlen eines wirksamen Systems führt zu Preisabschlägen für nigerianische Cashews auf dem Weltmarkt und belastet den Ruf des Produkts. Zugleich konzentriert sich die Branchensteuerung auf NCAN, bislang den einzigen Dachverband mit Regulierungsaufgaben, obwohl die Probleme die gesamte Wertschöpfungskette betreffen.
Von La Tribune zitierte Analysten verweisen auf Côte d’Ivoire und Ghana als mögliche institutionelle Vorbilder. Côte d’Ivoire gründete den Baumwoll- und Cashewrats zur Überwachung, Regulierung und Entwicklung der Branche. Ghana verfügt über einen Cashew-Rat und die Behörde für die Entwicklung von Baumkulturen. Für 1 Million Tonnen braucht Nigeria daher mehr als neue Pflanzungen und Fabrikankündigungen: Entscheidend sind erneuerte Plantagen, bessere Betriebsmittel, durchsetzbare Qualitätsstandards und eine dauerhafte staatliche Koordination.