Nestlé hebt Ukraine-Investitionen 2026 auf 10 Milliarden Hrywnja an, Umsatz wächst schneller als der Markt
Nestlé will seine Investitionen in der Ukraine bis Ende 2026 auf rund 10 Milliarden Hrywnja anheben, berichtet Delo.ua unter Berufung auf den lokalen Chef. Der Umsatz im Land stieg im ersten Halbjahr wertmäßig um 19,3 % und mengenmäßig um 10 %.
Investitionen sollen 10 Milliarden Hrywnja erreichen
Nestlé will seine Investitionen in der Ukraine bis Ende 2026 auf rund 10 Milliarden Hrywnja anheben, berichtet Delo.ua unter Berufung auf Roman Janowytsch, den Chef von Nestlé in der Ukraine und Moldau. Im ersten Halbjahr investierte das Unternehmen 5 Milliarden Hrywnja, davon 200 Millionen Hrywnja in den Ausbau der Fabriken und 4,8 Milliarden Hrywnja in die Entwicklung von Produktkategorien. Die direkten Investitionen in Fabriken sollen im Gesamtjahr 1 Milliarde Hrywnja erreichen, womit der Großteil der geplanten Ausgaben in Marken und Kategorien fließt und nicht in Kapazität.
Die Zusage fällt in eine Phase kräftiger kommerzieller Dynamik. Nestlé zufolge stieg der Umsatz in der Ukraine im ersten Halbjahr 2026 wertmäßig um 19,3 % und mengenmäßig um 10 %. Im selben Zeitraum wuchs der ukrainische FMCG-Markt in den Kategorien des Unternehmens wertmäßig um 15 % und mengenmäßig um 6 %, sodass Nestlé den Gesamtmarkt übertraf. Der weltweite Konzernumsatz legte im Halbjahr um 3,6 % zu, so Janowytsch, womit das Ukraine-Geschäft deutlich über dem globalen Durchschnitt liegt.
Absatzstruktur und Marktanteile
In den sechs Monaten verkaufte Nestlé in der Ukraine 56.000 Tonnen Produkte. Am schnellsten wuchs das Segment Kapselkaffee, dessen Umsatz wertmäßig um 30 % und mengenmäßig um 16 % zulegte. Nach eigenen Angaben hält das Unternehmen mit der Marke Torchin rund die Hälfte des ukrainischen Ketchup-Markts und mit Nesquik etwa die Hälfte des Kakaomarkts sowie mit Torchin rund ein Drittel des Saucenmarkts.
Das Sortiment an Kochprodukten, das derzeit mehr als 100 Artikel umfasst, soll in diesem Jahr um etwa 20 % erweitert werden. Am schnellsten wächst die Asia-Linie mit 20-25 %, während die Kategorie Instant-Nudeln im Becher laut Unternehmen dreistellig zulegt.
Operative Belastungen
Janowytsch nannte die Logistik als eine der wichtigsten operativen Herausforderungen. Nach russischen Angriffen auf Lager richtete Nestlé ein Ersatz-Liefersystem ein, das Waren direkt an Supermarktketten liefert und deren Verteilzentren umgeht. Ein zweiter Engpass ist der Personalmangel: In einem Werk hob das Unternehmen die Löhne um 30 % an, um Mitarbeiter zu halten. Nestlé erwog den Einsatz ausländischer Arbeitskräfte, versucht den Bedarf aber vorerst mit ukrainischen Beschäftigten zu decken.
Ausbau im Krieg
Nestlé ist seit 1994 in der Ukraine tätig, mit Präsenz in den Bereichen Kaffee und Getränke, Süßwaren, Kochprodukte, Baby- und Spezialnahrung, Frühstückscerealien und Tiernahrung. Während des Krieges investierte das Unternehmen 43 Millionen Euro in eine Fabrik in Smolyhiw in der Region Wolyn. Das Werk zur Nudelproduktion wurde im April 2025 eröffnet, und Nestlé will die Investition bis Ende 2027 auf 70 Millionen Euro erhöhen.