Neptun Deep: Erstes Gas soll im ersten Halbjahr 2027 in Rumäniens Netz fließen
OMV Petrom und Romgaz haben bestätigt, dass das Schwarzmeerprojekt Neptun Deep im ersten Halbjahr 2027 erstes Gas in das rumänische Fernleitungsnetz liefern wird. Die Plateauproduktion wird auf rund 8 Milliarden Kubikmeter pro Jahr bezogen auf 100 Prozent des Projekts geschätzt, bei Investitionen von etwa 4 Milliarden Euro. Die Internationale Energieagentur erwartet, dass die Mengen die Gasbilanz Mittel- und Osteuropas verschieben.
Das rumänische Offshore-Projekt Neptun Deep soll im ersten Halbjahr 2027 erstes Erdgas in das nationale Fernleitungssystem einspeisen. Das haben die Betreiber OMV Petrom und Romgaz erneut bestätigt. Im Plateau soll das Schwarzmeerprojekt bezogen auf 100 Prozent des Projekts rund 8 Milliarden Kubikmeter pro Jahr fördern – mehr als der heutige rumänische Verbrauch und damit die Grundlage für dauerhafte Exporte.
Kapazität, Reserven und Investitionen
Neptun Deep gehört OMV Petrom und Romgaz zu je 50 Prozent, berichtet money.ro. Die förderbaren Mengen werden mit etwa 100 Milliarden Kubikmetern angegeben, während newsweek.ro geschätzte Gesamtreserven von mehr als 100 Milliarden Kubikmetern nennt. Die Entwicklungsinvestition liegt bei rund 4 Milliarden Euro, die Plateauförderung von etwa 8 Milliarden Kubikmetern pro Jahr soll nahezu ein Jahrzehnt gehalten werden.
Laut profit.ro erwarten beide Unternehmen das erste Gas im Fernleitungssystem im ersten Halbjahr 2027, wobei der Plateauwert auf Basis von 100 Prozent angegeben ist – auf jeden Partner entfällt die Hälfte. newsweek.ro bezeichnet das Feld als Rumäniens wichtigstes strategisches Energieprojekt seit 1989 und schreibt, die Förderung werde den Inlandsverbrauch vollständig decken und große Mengen für den Export in die Nachbarmärkte freisetzen, darunter die Republik Moldau, die Ukraine, Ungarn und Bulgarien. Auf dieser Grundlage würde Rumänien zum größten Gasproduzenten der Europäischen Union.
Baustand und Weg zum Markt
Derzeit laufen die Bohrung der Produktionssonden und die Installation der Tiefwasser-Unterwasserinfrastruktur, die direkt an die von Transgaz errichtete Leitung Tuzla–Podișor angebunden ist. Über diese dedizierte Leitung gelangt das Schwarzmeergas in das nationale Fernleitungssystem und weiter in den BRUA-Korridor, was den regionalen Transit erleichtert, so newsweek.ro.
Die Einschätzung der IEA zu Mittel- und Osteuropa
Dennis Hesseling, Leiter der Abteilung für Gas-, Kohle- und Strommärkte bei der Internationalen Energieagentur, sprach in Bukarest auf der Eurogas Annual Regional Conference 2026, die Eurogas gemeinsam mit dem rumänischen Energie-Arbeitgeberverband (FPE) ausrichtete. „Das Projekt Neptun Deep wird die regionale Dynamik verändern, weil es eine größere Gasmenge aus heimischer Produktion verfügbar macht, auch für den Export. Das wird selbstverständlich die gesamte regionale Gasbilanz beeinflussen“, sagte er laut money.ro.
Hesseling erklärte, die direkte Pipeline-Versorgung Mittel- und Osteuropas sei 2022 und 2023 deutlich zurückgegangen, und die Lücke sei vor allem durch umgeleitete Mengen aus Westeuropa geschlossen worden, nicht durch neue Direktflüsse in die Region. Westeuropa verfügt über mehr Importterminals sowie über bereits entwickelte Handels- und Transportinfrastruktur; ein Teil dieser Mengen wurde anschließend nach Osten gelenkt. Eine wesentliche Rolle bei der Absicherung der Versorgung spielte Baltic Pipe, über die norwegisches Gas via Dänemark nach Polen fließt.
Der regionale Gasverbrauch liegt weiterhin deutlich unter dem Niveau vor der Energiekrise. Dennoch sieht die IEA einen Unterschied zu anderen europäischen Regionen, für die ein struktureller Nachfragerückgang erwartet wird: Die schrittweise Ablösung von Kohle durch Erdgas in der Stromerzeugung könnte den Verbrauch anheben und einen zusätzlichen Markt für rumänisches Gas schaffen.
Der Ausstieg aus russischem Pipelinegas erfordere zudem zusätzliche Mengen an Flüssigerdgas, ergänzte Hesseling. Mittel- und Osteuropa hat beim Abschluss von LNG-Verträgen weniger Erfahrung als andere europäische Regionen, seit 2025 nimmt die Aktivität jedoch zu. Ladungen können über Infrastruktur in Kroatien, Griechenland oder Polen in die Region gelangen; nicht alle Routen sind gleich direkt oder günstig, sie bleiben aber wichtige Alternativen.
Staatseinnahmen und Handelsströme
Die Einnahmen für den Staatshaushalt aus Förderabgaben, Steuern auf Zusatzerträge und weiteren Abgaben über mehr als 20 Jahre Förderung werden auf über 20 Milliarden Euro geschätzt, berichtet newsweek.ro und spricht von einer langfristigen Stütze der öffentlichen Finanzen. money.ro weist darauf hin, dass Rumänien vom Markt, der seine eigene Versorgung absichern muss, zum Produzenten werden könnte, der andere Märkte mitversorgt – und damit die Richtung der regionalen Handelsströme verändert. Rumänien allein könne nicht alle weggefallenen russischen Mengen ersetzen, doch rund 8 Milliarden Kubikmeter pro Jahr seien groß genug, um in der regionalen Gleichung ins Gewicht zu fallen. Das bulgarische Medium money.bg, zitiert von newsweek.ro, schreibt, Rumänien werde zum wichtigsten Garanten der Energiesicherheit in Südosteuropa, während die EU ihre Entkopplung von russischen Ressourcen abschließt.