Neue Kämpfe im Nahen Osten verschärfen die Lage an den Öl- und Kraftstoffmärkten
Das Ende der Waffenruhe zwischen Iran und den USA erhöht erneut die Risiken für Lieferungen durch die Straße von Hormus. Sinkende Rohölbestände und Russlands Exportverbot für Kraftstoffe halten zugleich die Produktmärkte knapp; in Griechenland kostet Benzin trotz Rohölpreisen von 77 $ je Barrel weiterhin 1,97 € je Liter.
Ein Monat Entspannung ist beendet
Mit der Wiederaufnahme des Krieges im Nahen Osten und dem Ende der Waffenruhe zwischen Iran und den USA sind die Versorgungsrisiken an die globalen Öl- und Kraftstoffmärkte zurückgekehrt. Nach Angaben von Newsit.gr konnten während der Feuerpause mehrere Ölladungen die Straße von Hormus passieren und den Energiemarkt vorübergehend entlasten. Nun droht eine stärkere Verknappung, die vor allem raffinierte Produkte betrifft.
Brent reagierte mit einem begrenzten Anstieg und erreichte am Montag 77 $ je Barrel. Das liegt deutlich unter früheren Marktniveaus von bis zu 120 $ je Barrel. Der vergleichsweise moderate Rohölpreis bildet den Druck auf Importeure von Benzin, Diesel und anderen Raffinerieprodukten jedoch nur unvollständig ab.
Bestände sinken, russische Exporte fallen aus
Die weltweiten Rohölvorräte an Land, darunter strategische und kommerzielle Bestände, gehen laut Newsit.gr inzwischen zurück. Während der einmonatigen Waffenruhe wurden sie nicht wieder aufgefüllt. Damit trifft ein niedrigerer Rohölpreis auf dünnere Reserven. Weitere Transportstörungen könnten physische Käufer deshalb schneller erreichen als in Phasen hoher Lagerbestände.
Zusätzlichen Druck erzeugt Russlands Verbot von Kraftstoffexporten. Russland ist ein bedeutender Anbieter in diesem Marktsegment, während ukrainische Drohnenangriffe Probleme in russischen Raffinerien verursacht haben. Das geringere russische Angebot überträgt die Belastung auf andere Volkswirtschaften und verschärft den Wettbewerb um alternative Benzin- und Dieselladungen.
Europäische Raffinerien laufen mit hoher Auslastung, um die Nachfrage zu decken, und Käufer bemühen sich um Lieferungen aus anderen Weltregionen. Eine EU-Arbeitsgruppe zur Beobachtung der Energiekrise erklärte am Freitag, derzeit sei kein Engpass bei Flugkraftstoff erkennbar. Kerosin bleibt dennoch ein zentrales Thema für Europa, weshalb die Raffinerieleistung und der Zugang zu Ersatzimporten für Fluggesellschaften und Kraftstoffhändler entscheidend sind.
Griechische Kraftstoffpreise entkoppeln sich vom Rohöl
Die Knappheit zeigt sich bereits bei den Preisen in Griechenland, auch wenn kein tatsächlicher Versorgungsmangel gemeldet wird. Benzin kostete am Montag 1,97 € je Liter, Diesel 1,84 €. Am 9. Juni, kurz vor der Waffenruhe, lag Rohöl bei 92 $ je Barrel und griechisches Benzin bei 2,01 € je Liter. Seitdem ist Rohöl auf 77 $ gefallen, Benzin aber lediglich um 0,04 € je Liter.
Newsit.gr führt diese Abweichung auf die knappen Benzin- und Dieselmärkte in Europa und weltweit zurück. Die griechische Regierung gewährt Verbrauchern bis Ende August Rabatte von 0,10 € auf Benzin und 0,05 € auf Diesel. Das kann die Kosten an der Zapfsäule dämpfen, behebt aber nicht den Mangel an handelbaren Kraftstoffmengen.
Katarisches LNG bleibt knapp
Schwieriger ist die Lage beim Erdgas. Selbst während der Waffenruhe waren LNG-Ladungen aus Katar minimal, und das staatliche Unternehmen des Landes hat seine Regelungen wegen höherer Gewalt gegenüber Kunden verlängert. Für europäische Importeure ist daher keine schnelle Entlastung durch Katar absehbar.
Die EU hält ihr Ziel weiterhin für erreichbar, die europäischen Gasspeicher vor dem Winter zu 90 % zu füllen. Der Aufbau verläuft jedoch langsam: Vom 20. Juni bis zum 12. Juli stieg der Füllstand von 46,1 % auf 51,8 %, laut Bericht lediglich um 5,5 Prozentpunkte. Bei höheren Versorgungsrisiken im Nahen Osten muss Europa um alternatives LNG konkurrieren, zugleich seine Speicher füllen und die hohe Raffinerieauslastung aufrechterhalten.