Mexiko sieht trotz 6 Prozent höherer Weißmaispreise keinen Grund für teurere Tortillas
Der Preis für Weißmais in Mexiko ist binnen vier Wochen saisonbedingt um 6 Prozent oder 400 Pesos je Tonne gestiegen. Nach Einschätzung der Regierung sichern Lagerbestände und die Ernte Frühjahr-Sommer 2026 die Versorgung der Tortillaindustrie.
Saisonaler Anstieg belastet die Tortillakosten
Der Preis für Weißmais ist in Mexiko binnen vier Wochen aufgrund saisonaler Angebots- und Nachfragefaktoren um 6 Prozent beziehungsweise 400 Pesos je Tonne gestiegen. Dennoch erklärte das Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, die Bestände des Landes reichten zur Versorgung der Tortillaindustrie aus. Es gebe daher keinen Grund, den Preis des Grundnahrungsmittels anzuheben.
Nach Berechnung des Ministeriums verteuert der Aufschlag von 400 Pesos die Herstellung eines Kilogramms Tortillas lediglich um 0,28 Pesos. Ein Anstieg des Maispreises um 100 Pesos je Tonne erhöht die Kosten je Kilogramm Tortillas um rund 0,07 Pesos. Die Regierung bezeichnete den jüngsten Effekt innerhalb der gesamten Betriebsrechnung als marginal, auch wenn Verarbeiter für ihren wichtigsten landwirtschaftlichen Rohstoff mehr bezahlen müssen.
Mais stellt mindestens 34 Prozent der Produktionskosten
Mais macht nach Angaben des Ministeriums mindestens 34 Prozent der Gesamtkosten für ein Kilogramm Tortillas aus. Bei der traditionellen Nixtamalisation entstehen aus einer Tonne Getreide ungefähr 1,8 Tonnen Teig und daraus rund 1,45 Tonnen Tortillas. Für die Herstellung einer Tonne Tortillas werden somit im Durchschnitt etwa 700 Kilogramm Mais benötigt.
Diese Umrechnungswerte erklären die Einschätzung der Regierung, wonach ein Anstieg der Getreidepreise um 6 Prozent nicht in gleicher Höhe an der Ladentheke ankommen sollte. Den größten Teil der übrigen Kosten verursachen Arbeit, Energie, Miete und Vertrieb. Das Ministerium schätzt außerdem, dass ein durchschnittlicher Betrieb mit einer Tagesproduktion von 250 Kilogramm je investiertem Peso einen Gewinn von 0,59 Pesos erzielt. Darauf stützt sich die Annahme, dass Tortillabetriebe den begrenzten Anstieg der Maiskosten zunächst ohne Preisanpassung auffangen können.
Große Unterschiede bei den Endverbraucherpreisen
Daten des Nationalen Systems für Marktinformation und -integration, die Crónica anführt, wiesen zum 21. September in Supermärkten einen durchschnittlichen Tortillapreis von 14,59 Pesos je Kilogramm aus. In traditionellen Tortillerías lagen die Preise vor allem in Xalapa, Veracruz, Puebla und Tlaxcala zwischen 16 und 17 Pesos je Kilogramm. Der landesweite Durchschnitt dieser Verkaufsstellen betrug dagegen 24,52 Pesos. Der Abstand verdeutlicht den Einfluss des Vertriebskanals und der örtlichen Betriebskosten auf den Verbraucherpreis.
Der Beginn der mexikanischen Ernte Frühjahr-Sommer 2026 dürfte die inländische Verfügbarkeit von Weißmais deutlich erhöhen und kurzfristig zur Stabilisierung der Kosten beitragen. Nach dem saisonalen Preisanstieg ist der Zeitpunkt für Mühlen und Tortillahersteller besonders relevant. Bis größere Mengen der neuen Ernte auf den Markt kommen, dienen die vorhandenen Bestände als Puffer.
Regierung will Lieferketten verkürzen
Im Rahmen des Systems „Fairer Preis“ zur Organisation von Weißmaisproduktion und -vermarktung arbeitet das Landwirtschaftsministerium mit der Teig- und Tortillaindustrie zusammen. Ziel sind eine engere Abstimmung in der Wertschöpfungskette und niedrigere Vermittlungskosten. Verarbeiter sollen Getreide direkt aus Lagern in den Anbauregionen beziehen können, um Spekulation zu begrenzen und stabile Verbraucherpreise zu unterstützen.
Das Ministerium registrierte zuletzt 24.972 Erzeugerinnen und Erzeuger in Sinaloa für eine Förderung der Produktion und Vermarktung von Weißmais aus dem Zyklus Herbst-Winter 2025-2026. Dafür stellte die Regierung 2,8 Milliarden Pesos bereit. Die Hilfe soll Produktion und Absatz der Landwirte stärken. Für Verarbeiter könnte die Kombination aus Beständen, neuer Ernte und direktem Einkauf die Folgen kurzfristiger Getreidepreisanstiege dämpfen.