Mexiko investiert über 3,2 Milliarden $ in neue Düngemittelwerke
Fermachem und GPO investieren mehr als 3,2 Milliarden $ in zwei mexikanische Stickstoffdüngerkomplexe. Die Projekte schaffen Kapazitäten für 1 Million Tonnen granulierten Harnstoff und rund 800.000 Tonnen Ammoniak pro Jahr.
Private Investitionen sollen Importabhängigkeit verringern
Fermachem und Gas y Petroquímica de Occidente, kurz GPO, investieren laut Mexico Business mehr als 3,2 Milliarden $ in zwei große Stickstoffdüngerkomplexe in Mexiko. Die Vorhaben sollen die heimische Produktion von granuliertem Harnstoff und Ammoniak ausbauen, die Anfälligkeit gegenüber internationalen Preisschwankungen senken und die Versorgung der mexikanischen Landwirtschaft verbessern.
Mexiko importiert rund 75 % seines gesamten Düngemittelverbrauchs, unter anderem aus den Golfstaaten und Russland. Bei Harnstoff ist die Abhängigkeit noch größer: Mehr als 80 % des Bedarfs werden durch Lieferungen aus den USA, Russland und China gedeckt. Der mexikanische Harnstoffbedarf lag 2025 bei 1,6 Millionen Tonnen, während der Staatskonzern PEMEX lediglich 19 % bereitstellen konnte. Juan Carlos Anaya, Direktor der Grupo Consultor de Mercados Agrícolas, bezeichnete die Düngemittelversorgung als entscheidend für Ernährungssicherheit und Lebensmittelpreisinflation. Nach seinen Angaben stiegen die Weltmarktpreise für Harnstoff infolge geopolitischer Instabilität von 472 $ auf 800 $ je Tonne.
Fermachem plant 1 Million Tonnen Harnstoff
Fermachem investiert 1,6 Milliarden $ in den Industriekomplex „Agro-Nitrogen“ in Lerdo im Bundesstaat Durango. Die Anlage soll jährlich 1 Million Tonnen granulierten Harnstoff produzieren. Der Bau begann im Juni 2026, die Inbetriebnahme ist für 2029 vorgesehen. Bei voller Auslastung könnte das Werk allein etwa 58 % der heutigen mexikanischen Harnstoffimporte ersetzen.
Der Komplex wird kostengünstiges Erdgas aus Texas nutzen, das über Pipelines des Projektpartners Esentia Energy Systems geliefert wird. Vorgesehen sind zudem eine eigene Stromerzeugung und Technik zur CO₂-Abscheidung. Ammoniak dient innerhalb des Prozesses als Zwischenprodukt; das vermarktete Endprodukt ist granulierter Harnstoff. Der Zugang zu Pipelinegas ist für die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Importware entscheidend.
GPO-Ammoniakwerk nähert sich der Fertigstellung
GPO investiert 1,63 Milliarden $ in ein Werk für wasserfreies Ammoniak in Topolobampo im Bundesstaat Sinaloa. Die Kapazität soll 2.220 Tonnen täglich beziehungsweise rund 800.000 Tonnen jährlich betragen. Damit dürfte es das größte kommerzielle Ammoniakwerk Lateinamerikas werden. Das Projekt ist zu etwa 80 % fertiggestellt; der kommerzielle Betrieb soll 2027 beginnen.
GPO ist eine Tochtergesellschaft des Schweizer Energiekonzerns Proman und verfügt über langfristige Gaslieferverträge mit dem Staatsunternehmen CFEenergía. Das Werk soll die bedeutende Agrarregion im Nordwesten Mexikos versorgen und die Abhängigkeit des Landes von Ammoniakimporten voraussichtlich um 70 % senken. Der Standort an der Pazifikküste liegt zudem nahe bei den Düngemittelverbrauchern in Sinaloa und den benachbarten Anbaugebieten.
Staatliche Projekte könnten Harnstoffdefizit beseitigen
Auch die mexikanische Bundesregierung investiert in heimische Petrochemiekapazitäten. Im Juni 2026 kündigten PEMEX und das Energieministerium SENER ein Programm über 93 Milliarden mexikanische Pesos zur Wiederbelebung der Petrochemie an. Dazu gehört ein Ammoniak- und Harnstoffwerk in Poza Rica im Bundesstaat Veracruz für 25 Milliarden Pesos. Der Bau begann 2025; die geplante Jahreskapazität beträgt 708.000 Tonnen granulierten Harnstoff.
Nach Erreichen der Nennleistung würden das Werk in Poza Rica und die Anlage von Fermachem zusammen jährlich 1,708 Millionen Tonnen Harnstoff produzieren. Gemessen am ausgewiesenen Bedarf von 1,6 Millionen Tonnen im Jahr 2025 würde dies rechnerisch ausreichen, um das Defizit bis 2029 zu beseitigen und Mengen für Exporte in benachbarte lateinamerikanische Märkte bereitzustellen. Wie schnell die Importe tatsächlich sinken, hängt von der Bauausführung, der Gasversorgung und einer termingerechten Inbetriebnahme ab.