Methanolkomplex im Fernen Osten Russlands startet Inbetriebnahme mit 1,8 Millionen Tonnen Kapazität
Das Düngemittelwerk Nakhodka in der Region Primorje hat die Inbetriebnahme seiner Methanolanlage mit 1,8 Millionen Tonnen Jahreskapazität begonnen. In das Projekt flossen 220 Milliarden Rubel; geplant sind 1.500 Arbeitsplätze.
Inbetriebnahme am Standort Nakhodka beginnt
Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Inbetriebnahmearbeiten im Düngemittelwerk Nakhodka, kurz NZMU, in der Region Primorje gestartet. Das Vorhaben wurde nach Angaben von Kommersant beim Östlichen Wirtschaftsforum 2026 als eines der von VEB.RF unterstützten Projekte vorgestellt.
Trotz des Firmennamens ist das Kernprodukt der ersten Stufe kein fertiger Mineraldünger, sondern Methanol. Die Anlage soll Erdgas zu Methanol verarbeiten und jährlich 1,8 Millionen Tonnen produzieren. Mit der Inbetriebnahme beginnt der Übergang vom Bau zur Prüfung und Vorbereitung der Produktionssysteme. Ein Termin für den kommerziellen Produktionsstart wurde nicht genannt.
Nach Angaben von NZMU wurde der Komplex innerhalb von drei Jahren errichtet, wobei die Arbeiten in den letzten zwei Jahren beschleunigt wurden. Das Unternehmen bezeichnet ihn als Russlands größten technologisch modernen Methanolkomplex und erwartet, dass die eingesetzte Technik den CO₂-Fußabdruck des Projekts deutlich reduziert.
Investitionen und Erdgasbedarf
Die Gesamtinvestitionen beliefen sich auf 220 Milliarden Rubel. VEB.RF und VTB finanzieren das Projekt zu gleichen Teilen über das russische Programm „Projektfinanzierungsfabrik“. Der Aufsichtsrat von VEB.RF genehmigte die Beteiligung im August 2019.
Im Rahmen dieses Mechanismus erstattet der Staat Zinsaufwendungen in Höhe der Differenz zwischen dem tatsächlichen Leitzins und einem für das jeweilige Projekt festgelegten Höchstwert. Bei einem kapitalintensiven Gasverarbeitungskomplex mit mehrjähriger Bauzeit ist diese Unterstützung für die Finanzierungskosten von Bedeutung.
Kommersant nennt weder den jährlichen Erdgasverbrauch noch den Rohstofflieferanten oder die Lieferbedingungen. Diese Faktoren werden nach dem kommerziellen Start entscheidend für Kosten und Auslastung sein. Eine Methanolkapazität von 1,8 Millionen Tonnen pro Jahr erfordert in jedem Fall eine große, kontinuierliche Gasmenge. Eine verlässliche Versorgung ist deshalb ein zentraler Bestandteil der Projektwirtschaftlichkeit.
VTB erklärte, die Anlage werde nach hohen Umweltstandards gebaut. Die gewählten technischen Lösungen schlössen die Einleitung industrieller Abwässer in die Meeresgebiete der benachbarten Buchten vollständig aus.
Exportrolle und Pläne für die zweite Stufe
Das Projekt soll zum nationalen Ziel beitragen, Russlands nicht rohstoffgebundene und nicht energiebezogene Exporte zu steigern. Nach den von Kommersant veröffentlichten Schätzungen sollen diese Exporte aus Primorje um 50 % wachsen. Der Standort Nakhodka liegt nahe an pazifischen Schifffahrtsrouten und den Märkten des asiatisch-pazifischen Raums.
Vertraglich gebundene Käufer, Zielländer, Exportmengen und Preiskonditionen wurden nicht offengelegt. Der tatsächliche Einfluss auf den regionalen Methanolhandel hängt daher vom Produktionshochlauf, der Logistik und der Kundengewinnung ab. Nach Erreichen einer stabilen Produktion wird die Platzierung dieser zusätzlichen Mengen zu einer zentralen kommerziellen Aufgabe.
NZMU plant außerdem eine zweite Stufe zur Herstellung von Harnstoff. Angaben zu Kapazität, Investitionssumme und Zeitplan fehlen bislang. Das Unternehmen erwartet, dass das Methanolprojekt die Haushaltseinnahmen Primorjes um 10 % erhöht; nach dem Start der Harnstoffstufe sollen es 25 % sein. Zudem sollen in Nakhodka 1.500 hochproduktive Arbeitsplätze entstehen und Infrastruktur sowie verbundene Branchen gestärkt werden.