Marokko steuert Dattelimporte bei einer Ernte von 160.000 Tonnen
Marokkos Dattelproduktion wird 2025-2026 auf rund 160.000 Tonnen geschätzt, 55 % mehr als in der Vorsaison. Da die Einfuhren 2025 dennoch fast 100.000 Tonnen erreichten, sucht die Branche einen Ausgleich zwischen Erzeugerschutz und Versorgungssicherheit.
Ernte erholt sich nach schwieriger Saison
Marokko muss die kräftige Erholung der heimischen Dattelproduktion mit seiner fortbestehenden Abhängigkeit von ausländischen Lieferungen in Einklang bringen. Das Landwirtschaftsministerium schätzt die Ernte 2025-2026 laut Le360 auf rund 160.000 Tonnen. Das entspricht einem Plus von etwa 55 % gegenüber der Vorsaison. Die Prognose wurde im Oktober 2025 auf der Internationalen Dattelmesse in Erfoud vorgestellt und bleibt bis zur endgültigen Erntebilanz vorläufig.
Der Aufschwung folgt auf Jahre mit Dürre, Wassermangel und zunehmender Belastung der Oasenökosysteme. Le360 zufolge unterstützten günstigeres Wetter und öffentliche Investitionen im Rahmen der Strategie Generation Green die Erholung. Die Lage unterscheidet sich jedoch weiterhin je nach Anbaugebiet. Drâa-Tafilalet liefert den größten Teil der marokkanischen Produktion; Souss-Massa und die Oriental-Region sind weitere wichtige Zentren. In traditionellen Palmenhainen bleiben Wasserknappheit und alternde Bestände ein Problem.
Importe bleiben trotz größerer Ernte hoch
Die bessere Ernte hat Marokkos Importabhängigkeit nicht beseitigt. Nach von Le360 zitierten Daten des Office des Changes führte das Land 2025 fast 100.000 Tonnen Datteln mit einem CIF-Wert von rund 1,3 Milliarden Dirham ein. Die wichtigsten Lieferanten waren Tunesien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien. Die Lieferungen umfassen bekannte Sorten, die besonders während des Ramadan gefragt sind.
Der durchschnittliche Einfuhrpreis lag 2025 laut Le360 je nach Herkunft, Qualität und Lieferzeit zwischen 13 und 15 Dirham je Kilogramm. Während des Ramadan kann der marokkanische Verbrauch nach von LeBrief veröffentlichten Branchenschätzungen 30.000 bis 45.000 Tonnen erreichen. Die heimische Ernte ist im Verhältnis zu dieser saisonalen Spitze groß, doch Gesamtmengen zeigen nicht, ob Angebot und Nachfrage bei Sorten, Qualitätsstufen, Verpackungen und Preisen zusammenpassen. Marokkos Exporte bleiben deutlich unter den Importen und konzentrieren sich auf Nischenmärkte in Europa und Westafrika.
Lizenzen sollen Zeitpunkt und Menge steuern
Seit dem 24. Dezember 2025 benötigen Dattelimporte eine vorherige Genehmigung. Die vom Industrie- und Handelsministerium eingeführte und vom Zoll umgesetzte Regelung soll laut LeBrief die heimische Produktion vor dem Ramadan schützen, ohne ausländische Lieferungen vollständig zu verbieten. Branchenvertreter warnen, dass unkontrollierte Einfuhren während der Ernte- und Vermarktungszeit die Nachfrage nach marokkanischen Datteln schwächen, unverkaufte Bestände entstehen lassen und kleine Oasenbauern Verlusten aussetzen können.
Rachid El Bssita, Präsident des nationalen Branchenverbandes für Datteln, fordert einen Ausgleich zwischen sicherer Marktversorgung und dem Schutz heimischer Produzenten, insbesondere kleiner Betriebe. Der Verband schätzt die Versorgungslücke auf rund 40.000 Tonnen. Diese Zahl und die vorhandenen Lagerbestände sollen den Umfang der Einfuhrlizenzen bestimmen. Statt eines pauschalen Verbots bevorzugt der Verband Entscheidungen auf Basis von Produktion, Beständen und tatsächlichem Verbrauch. Für Erzeuger, Importeure und Händler geht es daher weniger um die Frage, ob Datteln eingeführt werden, sondern um Lieferzeitpunkt und Bedarf. Verlässlichere Bestandsdaten könnten Oaseneinkommen schützen und zugleich Auswahl und Versorgung in der Hochsaison sichern.