Maersk testet 100 Prozent Ethanol auf Dual-Fuel-Containerschiffen
Maersk hat nach Versuchen mit Ethanol-Methanol-Gemischen erfolgreich 100 Prozent Ethanol auf Dual-Fuel-Containerschiffen getestet. Die kommerzielle Nutzung hängt jedoch von Kosten, Verfügbarkeit, Lebenszyklusemissionen und Regulierung ab.
Von Kraftstoffgemischen zu 100 Prozent Ethanol
A.P. Moller - Maersk hat im ersten Quartal 2026 erfolgreich 100 Prozent Ethanol auf einem Dual-Fuel-Schiff getestet, berichtet Post Today. Der dänische Schifffahrts- und Logistikkonzern prüft Ethanol als zusätzlichen Kraftstoff für Schiffe, deren Dual-Fuel-Motoren ursprünglich für Methanol ausgelegt wurden.
Das Programm begann mit einem Ethanol-Methanol-Gemisch, das 10 Prozent Ethanol enthielt. Im Dezember 2025 erhöhte Maersk den Anteil an Bord der 2.100-TEU-Laura Mærsk auf 50 Prozent Ethanol und 50 Prozent Methanol. 2026 folgte der Betrieb mit 100 Prozent Ethanol. Das stufenweise Vorgehen ermöglichte Prüfungen von Motorleistung, Kraftstoffmanagement und Sicherheit unter zunehmend kommerziellen Bedingungen.
Ethanol und Methanol gehören beide zu den Alkoholkraftstoffen und weisen bei Handhabung und Verbrennung einige Gemeinsamkeiten auf. Methanol-Dual-Fuel-Schiffe könnten daher für Ethanol angepasst werden, ohne das gesamte Antriebssystem zu ersetzen. Erforderlich bleiben Änderungen an den Systemeinstellungen und eine Prüfung der zugehörigen Ausrüstung.
Bunkertests erreichen ein größeres Schiff
Im Juni 2026 wurde die Laura Mærsk im Hafen Rotterdam von einem Bunkerschiff mit 100 Prozent Ethanol versorgt. Dabei wurden Betankung und Kraftstoffmanagement unter praxisnahen Bedingungen erprobt. Im Juli bunkerte Maersk im Hafen Barcelona 100 Prozent Ethanol für das größere Dual-Fuel-Containerschiff Antonia Mærsk und weitete das Programm damit über das ursprüngliche Schiff mit 2.100 TEU hinaus aus.
Ende des ersten Quartals 2026 betrieb Maersk 21 Dual-Fuel-Schiffe; weitere 33 standen laut Post Today im Auftragsbuch. Eine Flotte mit mehreren Kraftstoffoptionen kann ihre Beschaffung stärker nach Preis, Verfügbarkeit und Umweltauflagen auf einzelnen Routen ausrichten. Zugleich sinkt die Abhängigkeit von einem einzigen alternativen Kraftstoff.
Ethanol verfügt bereits in mehreren Ländern über etablierte Lieferketten, insbesondere in den großen Erzeugerländern USA und Brasilien. Diese Basis könnte einen Markt für Schiffskraftstoff tragen, sofern Anbieter und Reedereien ausreichende Mengen sowie belastbare Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstandards schaffen. Entlang der bedienten Routen werden zudem Hafenlager, Bunkerkapazitäten und zuverlässige Lieferungen benötigt.
Kosten und Lebenszyklusemissionen bleiben ausschlaggebend
Erfolgreiche Motor- und Bunkertests belegen noch keine kommerzielle Wettbewerbsfähigkeit. Kosten, Rohstoffverfügbarkeit und gesamte Treibhausgasemissionen hängen vom jeweiligen Herstellungsverfahren ab. Bei der Bewertung der Rohstoffe muss die Branche außerdem Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion, Flächennutzung und weitere Nachhaltigkeitsrisiken berücksichtigen.
Auch die Regulierung wird die Nachfrage bestimmen. Ethanol wird im Rahmen für alternative Kraftstoffe der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation berücksichtigt, während regionale Dekarbonisierungsvorschriften insbesondere in der Europäischen Union voneinander abweichen. Das kann die wirtschaftlichen Anreize auf Europa-Routen verändern. Die Tests von Maersk bedeuten daher keine schnelle Ablösung von Methanol oder fossilen Kraftstoffen. Sie zeigen, dass Ethanol die Optionen einer wachsenden Dual-Fuel-Flotte erweitern kann, wenn Versorgung, Preis, Zertifizierung und regulatorische Anerkennung einen industriellen Einsatz ermöglichen.