Lombardischer Kosmetikcluster beliefert globale Beauty-Marken
Auftragshersteller zwischen Mailand, Bergamo, Pavia und Crema übernehmen für internationale Beauty-Marken Rezepturentwicklung, Produktion und Verpackung. Italiens Kosmetikindustrie erzielte 2025 einen Umsatz von 18 Milliarden Euro; 70 % der Branchenexporte kamen aus dem lombardischen Cluster.
Ein Produktionscluster mit Komplettservice
Viele Hautpflege-, Körperpflege- und Make-up-Produkte internationaler Marken werden von spezialisierten Unternehmen zwischen Mailand, Bergamo, Pavia und Crema hergestellt. Il Post bezeichnet dieses lombardische Cluster als Italiens „Kosmetikviereck“. Die meist wenig bekannten Auftragshersteller erscheinen gewöhnlich nicht auf der Verpackung, obwohl sie einen Großteil der Arbeit hinter einer Produkteinführung übernehmen.
In Crema, dem Zentrum des Clusters, arbeiten die Anbieter mit einem in der Branche als Full Service bezeichneten Modell. Kunden wie L’Oréal, Estée Lauder, Dior und Chanel finden im Umkreis weniger Kilometer Partner für Rezepturentwicklung, Produktentwicklung, Fertigung, Verpackung und die Begleitung der Markteinführung. Das Sortiment reicht von Foundation, Concealer und Rouge bis zu Mascara, Eyeliner, Lippenstift und Lipgloss.
Exporte tragen das anhaltende Wachstum
Nach Angaben von Il Post erzielte Italiens Kosmetikindustrie 2025 einen Umsatz von 18 Milliarden Euro. In den vorangegangenen zehn Jahren stieg der Absatz im Durchschnitt um 6 % pro Jahr; 70 % der Branchenexporte stammten aus dem lombardischen Cluster. Damit ist die Region sowohl nationales Produktionszentrum als auch wichtiger Lieferant der internationalen Beauty-Industrie.
Die Aufgabenverteilung ist für beide Seiten wirtschaftlich attraktiv. Für eine Mascara, die je nach Marke im Geschäft 40 bis 100 Euro kostet, kann der Hersteller in Crema 1 Euro erhalten. Der Auftragsproduzent akzeptiert seinen begrenzten Anteil am Endwert, weil er kein Verbrauchermarktrisiko trägt und einen Abnehmer für die vereinbarte Menge hat. Die Marken senken im Gegenzug ihre Fixkosten in der Produktion und können mehr Mittel in Marketing und Werbung lenken.
Von Intercos zur integrierten Lieferkette
Die Entwicklung des Clusters begann mit Intercos, das 1972 in Agrate Brianza gegründet wurde, und einem Lidschattenauftrag von Estée Lauder. Intercos wuchs später zu einem multinationalen Unternehmen, betreibt aber weiterhin Werke in Dovera und Romanengo in der Provinz Cremona. In den 1980er- und 1990er-Jahren gründeten ehemalige Fachkräfte eigene Firmen und Zulieferer wurden selbst zu Herstellern. So entstand ein dichtes industrielles Netzwerk. Intercos gibt an, heute rund 700 Marken zu beliefern.
Weitere Auftragshersteller sind Ancorotti, Regi, Omnicos und Gamma Croma, das inzwischen zu Chromavis gehört. Parallel entstand eine Verpackungsindustrie. Durch diese Konzentration können Kunden ihre Idee in derselben Region bis zur industriellen Fertigung entwickeln lassen, während die Hersteller auf spezialisierte Arbeitskräfte, Maschinen, Labore und Zulieferer zugreifen können.
Forschung, Regulierung und kürzere Produktzyklen
Die Entwickler arbeiten mit rund 3.000 Rohstoffen, darunter Wasser, Wachse, Öle, Emulgatoren, Konservierungsstoffe, Pigmente und Wirkstoffe. Viele stammen aus Indien, China, Korea und anderen asiatischen Ländern. Die Unternehmen kaufen sie jedoch teilweise über italienische oder französische Händler, um Qualitätskontrolle und Rückverfolgbarkeit zu stärken. Rezepturen werden auf Wirksamkeit, Stabilität und Verpackungsverträglichkeit geprüft; ihre Freigabe kann sechs Monate dauern. Bei Ancorotti kontrollieren sieben Beschäftigte ausschließlich die Einhaltung europäischer Vorschriften, nationaler Anforderungen, Kundenvorgaben und von rund 90 unterschiedlichen Stoffausschlusslisten.
Einige Unternehmen im Cluster investieren mehr als 5 % ihres Umsatzes in Forschung und Innovation. Das zeigt, wie viel Entwicklungsarbeit die Marken inzwischen auslagern. Laut Ancorotti stehen Aufträge von Influencern, Content-Produzenten, Sportlern und anderen bekannten Persönlichkeiten bereits für rund 30 % des Geschäfts. Gleichzeitig verschmelzen Make-up und Hautpflege zu Hybridprodukten, die Optik, Pflege und Komfort verbinden. Auch die Produktlebenszyklen werden kürzer: Statt fünf bis sieben Jahre bleiben Artikel heute oft nur zwei bis drei Jahre am Markt, sodass die Hersteller neue Rezepturen schneller entwickeln und produzieren müssen.