Libyen strebt trotz instabilem Ölsektor zwei Millionen Barrel Tagesförderung an
Libyen will seine Ölförderung von rund 1,5 Millionen auf zwei Millionen Barrel pro Tag steigern. Wiederholte Feldschließungen, illegale Rohölverkäufe und Angriffe auf Energieanlagen gefährden jedoch die Verlässlichkeit der Produktion.
Regierung setzt höheres Förderziel
Libyen will seine Ölförderung von rund 1,5 Millionen auf zwei Millionen Barrel pro Tag steigern, berichtet Al Jazeera. Das Land ist Afrikas zweitgrößter Ölproduzent, doch wiederkehrende Unruhen haben mehrfach zur Schließung von Feldern geführt und die nationale Förderung unberechenbarer gemacht.
Um das Ziel zu erreichen, müsste Libyen die von dem Sender genannte Fördermenge um rund 500.000 Barrel pro Tag erhöhen. Das ist eine beträchtliche Aufgabe für einen Sektor, der mit politischer Spaltung, Sicherheitsvorfällen und Streit über die Kontrolle staatlicher Institutionen konfrontiert ist. Für Produzenten und Dienstleister geht es nicht nur um zusätzliche Kapazitäten, sondern auch um den zuverlässigen Betrieb bestehender Bohrungen, Pipelines und Terminals.
Angriffe erhöhen das Betriebsrisiko
Der libysche Präsidialrat teilte am Sonntag mit, er habe den Internationalen Strafgerichtshof um Unterstützung bei der Untersuchung von Angriffen mit sprengstoffbeladenen Drohnen gebeten. Nach Angaben von Al Jazeera richteten sich die Angriffe gegen Öl- und Stromanlagen in der Hauptstadt Tripolis sowie in Sawija im Westen Libyens.
Die Regierung der Nationalen Einheit erklärte außerdem, sie habe eine Sabotagezelle zerschlagen und 5 Personen festgenommen. Sie stehen im Verdacht, an Drohnenangriffen auf die Öl- und Strominfrastruktur beteiligt gewesen zu sein. Die Festnahmen verdeutlichen den direkten Zusammenhang zwischen der allgemeinen Sicherheitslage und der Verlässlichkeit des libyschen Energiesektors.
Ölanlagen benötigen eine stabile Stromversorgung, sichere Transportwege und kontinuierlichen Zugang für Beschäftigte und Auftragnehmer. Eine Unterbrechung in einem dieser Bereiche kann die Förderung beeinträchtigen, selbst wenn Lagerstätten und installierte Kapazitäten verfügbar bleiben. Wiederholte Stillstände erschweren zudem die Planung von Händlern, Raffinerien und Reedereien, die libysches Rohöl abwickeln.
Politische Einigung bleibt Voraussetzung für stabile Förderung
Libyens politische Lager verhandeln zugleich über einen Weg zu Präsidentschafts- und Parlamentswahlen. Ein in Tripolis unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen unterzeichneter Vereinbarungsentwurf sieht Wahlen innerhalb von 24 Monaten unter einer einheitlichen Führung vor. Die Vereinten Nationen gaben dem Repräsentantenhaus und dem Hohen Staatsrat einen Monat Zeit, die vom kleineren Dialogausschuss „4+4“ ausgehandelte Vereinbarung zu billigen.
Der Ausschuss unterzeichnete den Entwurf der endgültigen Vereinbarung am 30. August nach 7 Gesprächsrunden, die in Rom begonnen hatten. Die von Abdul Hamid Dbeibah geführte Regierung der Nationalen Einheit und der Befehlshaber im Osten Libyens, Khalifa Haftar, begrüßten laut Al Jazeera die Vereinbarung. Der Präsidialrat und der Hohe Rat äußerten Vorbehalte.
Für die Ölindustrie könnten einheitliche Institutionen klären, wer Förderpolitik, Einnahmen und die Sicherheit strategischer Anlagen kontrolliert. Solange diese Frage offenbleibt, ist das Ziel von zwei Millionen Barrel pro Tag durch Stillstände und nicht genehmigte Rohölverkäufe gefährdet. Libyens große nachgewiesene Reserven schaffen die Rohstoffbasis für Wachstum, doch eine verlässliche Förderung hängt davon ab, ob politische und sicherheitspolitische Regelungen den Betrieb dauerhaft schützen können.