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Libanon sucht Märkte für 100.000 Tonnen zusätzliche Tafeltrauben

4 Millionen bis 5 Millionen neu gepflanzte Rebstöcke könnten die bestehende Tafeltraubenproduktion im Libanon jährlich um rund 100.000 Tonnen erhöhen. Die Golfstaaten bleiben wichtige Abnehmer, doch die Branche benötigt zusätzliche Absatzmärkte in Asien, Afrika und Kanada.

Libanon sucht Märkte für 100.000 Tonnen zusätzliche Tafeltrauben

Neue Weinberge verschärfen die Absatzfrage

Die libanesische Tafeltraubenbranche bereitet sich auf einen deutlichen Produktionsanstieg vor. In den vergangenen vier Jahren wurden etwa 4 Millionen bis 5 Millionen neue Rebstöcke gepflanzt. Sobald sie den vollen Ertrag erreichen, dürften sie die bisherige Jahresproduktion um rund 100.000 Tonnen erhöhen, berichtet El Shark.

Die Schätzung stammt von Mahdi Awda, einem Mitglied des libanesischen Verbands der Tafeltraubenerzeuger, der sich in einem Schreiben an Landwirtschaftsminister Nizar Hani wandte. Awda forderte offizielle Produktionsprognosen, bevor die Ernte in die Lesephase eintritt. Verlässliche Zahlen würden Erzeugern, Verpackungsbetrieben und Exporteuren ermöglichen, die Nachfrage einzuschätzen, Logistikkapazitäten zu reservieren und potenzielle Käufer rechtzeitig anzusprechen.

Golfstaaten können den Zuwachs nicht allein aufnehmen

Die arabischen Golfstaaten sind bereits zentrale Märkte für libanesische Trauben. Nach Einschätzung Awdas werden sie jedoch nicht ausreichen, um die erwartete Zusatzproduktion vollständig aufzunehmen. Bei den 100.000 Tonnen handelt es sich um einen Zuwachs gegenüber dem heutigen Angebot und nicht um eine Schätzung der gesamten libanesischen Ernte. Mit zunehmender Reife der neuen Rebstöcke werden zusätzliche Absatzkanäle daher immer wichtiger.

Die Abhängigkeit von wenigen Zielländern macht die Erzeuger verwundbar, falls Nachfrage, Logistik oder Marktzugang während der Erntezeit nachlassen. Eine größere Ernte erhöht zudem die Belastung für Packstationen, Kühllager und Transporteure. Trauben müssen rasch verkauft oder in eine funktionierende Kühlkette überführt werden. Verzögerungen bei der Käufersuche können deshalb Qualität und Vermarktbarkeit unmittelbar beeinträchtigen.

Exportqualität und breitere Marktaufstellung

El Shark zufolge besitzt der Libanon gute Chancen, seine Traubenexporte ebenso wie die Ausfuhren anderer Kulturen, darunter Avocados, auszuweiten. Exportfähige Sorten lassen sich lagern und über weite Strecken transportieren, sofern die Erzeuger die Anforderungen an Anbau und Verpackung erfüllen und die Kühlkette sichern. Die Erschließung neuer Märkte ist damit sowohl eine kaufmännische als auch eine technische Aufgabe: Entfernte Käufer helfen nur, wenn die Früchte in akzeptabler Qualität und mit ausreichender Haltbarkeit ankommen.

Awda nannte Kanada, Südafrika, Indonesien, Thailand, Bangladesch und Indien sowie weitere Märkte als mögliche Ziele. Die geografische Streuung könnte die Abhängigkeit von einem einzelnen Nachfragezentrum verringern. Der Bericht nennt jedoch weder bestätigte Kaufverträge noch vereinbarte Liefermengen oder Marktzulassungen. Diese Länder sind daher als zu entwickelnde Märkte und nicht als gesicherte Abnehmer der erwarteten Ernte zu betrachten.

Planung muss vor dem Vollertrag beginnen

Entscheidend ist nun der Zeitplan. Die in den vergangenen vier Jahren gepflanzten Rebstöcke werden ihre Erträge schrittweise steigern. Damit bleibt der Branche ein Vorbereitungsfenster, bevor der gesamte erwartete Zuwachs von 100.000 Tonnen auf den Markt kommt. Offizielle Prognosen könnten zeigen, wann die zusätzlichen Mengen verfügbar werden und welche Kapazitäten Exporteure für Sortierung, Verpackung, Kühlung und Transport benötigen.

Für die Erzeuger eröffnet die Expansion zusätzliche Absatzmöglichkeiten, birgt bei einem zu langsamen Aufbau der Exportkanäle aber auch ein Überangebotsrisiko. Verpacker und Händler können mit mehr Geschäft rechnen, sofern Qualitätsvorgaben und Kühlkettenanforderungen zuverlässig eingehalten werden. Entscheidend wird sein, ob der Libanon die genannten Zielländer in belastbare Handelskanäle verwandeln kann, bevor die neuen Weinberge ihren vollen Ertrag erreichen.

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