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Léko: Verpackungs-EPR-Kosten steigen schneller als die Recyclingleistung – ab 2027 auch Gewerbeverpackungen

Marion Halby, Geschäftsführerin der französischen Rücknahmeorganisation Léko, sagte decision-achats.fr, die Beiträge zur erweiterten Herstellerverantwortung stiegen schneller als die Recyclingleistung. Léko bündelt mehr als 80.000 Mitgliedsunternehmen und unterstützte 2025 das Recycling von knapp 110.000 Tonnen Verpackungen und Papier; ab 2027 kommen Gewerbeverpackungen hinzu. Allein das mechanische Verpackungsrecycling in Frankreich hat ein geschätztes Potenzial von 7 Milliarden Euro pro Jahr.

Léko: Verpackungs-EPR-Kosten steigen schneller als die Recyclingleistung – ab 2027 auch Gewerbeverpackungen

Verpackungs-Compliance wandert von der Nachhaltigkeitsabteilung in den Einkauf: Die Beiträge zur erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) steigen, und die EU-Verpackungsvorgaben werden schärfer. Im Interview mit decision-achats.fr sagte Marion Halby, Geschäftsführerin der französischen Rücknahmeorganisation Léko, die wirtschaftlichen Folgen von Verpackungsentscheidungen müssten vorab in die Ausschreibungsunterlagen der Einkäufer einfließen statt im Nachhinein bearbeitet zu werden.

Léko ist vom französischen Staat zugelassen und unterstützt Unternehmen bei ihren EPR-Pflichten für Verpackungen und Papier. Die Organisation bündelt mehr als 80.000 Mitgliedsunternehmen und unterstützte laut decision-achats.fr 2025 das Recycling von knapp 110.000 Tonnen Verpackungen und Papier. Ab 2027 weitet sie ihre Tätigkeit auf Gewerbe- und Industrieverpackungen aus und holt damit eine neue Gruppe von Beitragszahlern in das System.

Beiträge wachsen schneller als die Recyclingleistung

Léko misst das System laut Halby über die EPR-Kosten je Tonne recycelter Haushaltsverpackungen – und die Beiträge steigen schneller als die Leistung. Darin sieht sie eine Entkopplung zwischen der Rolle der Rücknahmeorganisation und der konkreten operativen Leistung für das Unternehmen, das die Ware in Verkehr bringt.

Die Verpackungspflichten erreichen inzwischen erhebliche Beträge und können die Kosten verpackt verkaufter Produkte spürbar belasten; für Unternehmen sind sie damit ein echtes wirtschaftliches Thema. Die Höhe hängt stark von der Ökodesign-Strategie ab – Vermeidung, Materialreduktion an der Quelle oder bessere Recyclingfähigkeit. Genau deshalb, argumentiert Halby, müssen Einkaufsabteilungen Verpackungsentscheidungen früh durchrechnen.

Ein Recyclingmarkt von 7 Milliarden Euro pro Jahr

Allein das mechanische Verpackungsrecycling in Frankreich hat laut Halby ein geschätztes Potenzial von 7 Milliarden Euro pro Jahr. Da die neuen europäischen Anforderungen die Nachfrage nach Rezyklaten stark erhöhen werden, beschreibt sie den Aufbau heimischer Recyclingkapazitäten zugleich als ökologische Pflicht und industrielle Chance: neue Infrastruktur, Arbeitsplätze im Land, neue Wertschöpfungsketten und geringere Abhängigkeit von importierten Primär- und Sekundärrohstoffen.

Tragen müssten die Investitionen Entsorgungsunternehmen, Regenerierer und die Kunststoffindustrie, flankiert möglicherweise von Förderinstrumenten der Rücknahmeorganisationen oder der Umweltagentur Ademe. Der Engpass sei nicht die Finanzierung, sagte Halby, sondern die gesicherte Nachfrage: Die Industrie brauche genug Planungssicherheit, damit die nötigen Investitionen fließen und Recyclingkapazitäten tatsächlich entstehen.

Für wettbewerbsfähige Rezyklate nennt sie drei Bedingungen: bessere Qualität, um den Anforderungen der Industrie und der einzelnen Märkte zu genügen; Skaleneffekte durch höhere Recyclingmengen und strukturierte Wertschöpfungsketten; sowie einen wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmen, der die Einfuhr von Sekundärrohstoffen – insbesondere aus Asien – ebenso adressiert wie den Einkauf von Neukunststoff. Einkäufern, die ihre künftige Versorgung schon heute sichern wollen, empfiehlt Halby, sich auf ihre Rücknahmeorganisation zu stützen, direkt mit Recyclern zu arbeiten und ihre Materiallastenhefte frühzeitig anzupassen.

Mehrweg rechnet sich erst über die Menge

Die Preislücke zwischen Mehrweg und Einweg müsse weiterhin ausgeglichen werden, damit Mehrweg für Hersteller attraktiv genug sei, so Halby; mit wachsendem Mehrwegeinsatz werde sie sich aber verringern. Mehrweg ist vor allem ein Logistikgeschäft: Die Kosten umfassen Sammlung, Sortierung, Transport, Waschen, Rückführung in den Markt und die Kommunikation des Programms.

Eine allgemeingültige Schwelle, ab der ein Mehrwegkreislauf wirtschaftlich sinnvoll wird, gibt es nicht; in manchen Fällen ist Mehrweg bereits günstiger als Einweg. Jede Stufe der Kette – Sammlung, Transport, Sortierung, Waschen, Redistribution – kostet einige Cent. Einzeln wirkt das begrenzt, in Summe belastet es die Wettbewerbsfähigkeit von Mehrweg. Frankreich verfügt bereits über ein ausreichend entwickeltes Netz an Waschanlagen, das jedoch verstärkt und optimiert werden muss, um steigende Mengen aufzunehmen.

Bis zum wirtschaftlichen Gleichgewicht, das bei rund 150 Millionen wiederverwendeten Flaschen pro Jahr veranschlagt wird, finanziert Léko einen Teil der Mehrkosten. Der Versuch ist bislang auf Léko-Mitglieder beschränkt; die Förderung müsse harmonisiert und auf alle Betreiber und Inverkehrbringer ausgeweitet werden, sagte Halby. Auch die Rücklaufquote müsse deutlich steigen, um die nötigen Kreislaufmengen zu sichern. Standardisierte Formate würden die Logistikkosten für Sortierung und Waschen erheblich senken – ohne Markenvereinheitlichung: Wie Konservendosen und Getränkedosen zeigen, bleibt über Etikett und Grafikdesign genug Spielraum für Markenidentität.

Neue Pflichten ab 2027

Unternehmen, die unter die EPR für Gewerbeverpackungen fallen, müssen eine Rücknahmeorganisation wählen und ihren Einkauf in den Vergleich der zugelassenen Anbieter einbinden. Sie müssen ihre Beitragskosten abschätzen, mögliche Einsparungen bei der Abfallentsorgung gegenrechnen und genau bestimmen, welche Verpackungen in den neuen Geltungsbereich fallen.

Halby räumt ein, dass dies eine neue Belastung für Inverkehrbringer ist; ob die Kosten Teil der Verhandlungen werden, entscheide sich in den jeweiligen Geschäftsbeziehungen.

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