Lebensmittel- und Biodieselnachfrage stützt die Rapspreise
Die weltweite Pflanzenölnachfrage ist im vergangenen Jahrzehnt durchschnittlich um 5,66 Millionen Tonnen pro Jahr gestiegen und stützt die Preise für Rapsöl und Rapssaat. In Europa dürften 56,6 % der Rapsölproduktion 2026-2027 in die Biodieselherstellung fließen.
Pflanzenölmarkt löst sich von der Getreideentwicklung
Der steigende Verbrauch von Pflanzenölen für Lebensmittel und Biokraftstoffe stützt die Rapspreise und verändert die Bilanz des europäischen Ölsaatenmarktes. Sébastien Poncelet, Entwicklungsdirektor bei Argus Media France, erklärte bei einem Pressegespräch am 27. August 2026, der kontinuierliche Anstieg der globalen Nachfrage sei an den Preisen klar abzulesen.
Nach Angaben von La France Agricole haben sich die Preise am europäischen Markt in Rotterdam gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2016-2020 nahezu verdoppelt. Poncelet bezeichnete die Marktentwicklung von 2015 bis 2020 als eher verhalten, bevor die Preise 2020 infolge der Covid-Pandemie und anschließend des Krieges in der Ukraine sprunghaft stiegen. Die Getreidepreise gaben später nach und blieben niedriger, Pflanzenöle folgten dieser Entwicklung jedoch nicht, weil der Verbrauch im Lebensmittel- und Biokraftstoffsektor weiter zunahm.
Globaler Verbrauch wächst jährlich um 5,66 Millionen Tonnen
Argus Media schätzt, dass die weltweite Nachfrage nach Pflanzenöl im vergangenen Jahrzehnt durchschnittlich um 5,66 Millionen Tonnen pro Jahr gewachsen ist. Davon entfielen jährlich 2,24 Millionen Tonnen auf die zusätzliche industrielle Nachfrage, überwiegend für Biokraftstoffe, und 2,82 Millionen Tonnen auf den Lebensmittelbereich. Beide Absatzkanäle schaffen eine breitere Nachfragebasis als die Abhängigkeit von nur einer Endverwendung.
Die Zahlen erklären auch, warum sich Pflanzenöle behauptet haben, nachdem einige der außergewöhnlichen Belastungen durch Pandemie und Ukraine-Krieg nachließen. Für Rapsverarbeiter erhöht eine stärkere Ölnachfrage den Wert des wichtigsten Erzeugnisses aus der Verarbeitung. Landwirte und Händler profitieren über höhere Saatpreise, wobei Verarbeitungsmargen, konkurrierende Öle und das regionale Angebot bestimmen, wie schnell und wie stark sich der Impuls überträgt.
Biodiesel dominiert den europäischen Rapsölverbrauch
Biodiesel ist in Europa der größte Absatzkanal für Rapsöl. Argus Media erwartet, dass in der Saison 2026-2027 insgesamt 56,6 % der europäischen Rapsölproduktion in Biodiesel fließen werden, und bezeichnet dieses Segment als wachsend. Diese Konzentration macht die Kraftstoffnachfrage und die Biokraftstoffregulierung besonders wichtig für Ölmühlen, Biodieselhersteller und Ölsaatenhändler.
Der statistische Zusammenhang zwischen den Produkten ist nahe der Verarbeitung am stärksten. Poncelet bezifferte die Korrelation zwischen den Preisen für Rapsöl und Rapssaat in den vergangenen Jahren auf 83 %, was die Bedeutung des Öls als wichtigstem Absatzprodukt der Kultur widerspiegelt. Zwischen Rapsöl und Rapsbiodiesel liegt die Preiskorrelation bei 80 %. Zwischen Biodiesel und Rapssaat sinkt sie dagegen auf 50 %.
Verarbeitung und Regulierung schwächen die Preisübertragung
Der schwächere direkte Zusammenhang zwischen Saat und Biodiesel ergibt sich aus zwei aufeinanderfolgenden industriellen Verarbeitungsschritten und konkurrierenden Produkten auf beiden Stufen. Beim fertigen Kraftstoff gewinnen weitere Faktoren an Gewicht, insbesondere die Biokraftstoffregulierung. Eine Änderung der Biodieselpolitik kann deshalb den Wert des Endprodukts bewegen, ohne dass die Rapspreise sofort oder im gleichen Umfang reagieren.
Zudem erhält der Markt ein neues Instrument zur Risikoabsicherung. Die CME Group hat einen Rapsöl-Terminkontrakt eingeführt, der in Euro je Tonne notiert und auf der Preisreferenz „rapeseed oil FOB Dutch Mill“ von Argus Media basiert. Poncelet zufolge soll der Kontrakt die Preistransparenz verbessern und eine zusätzliche Absicherungsmöglichkeit in einem äußerst volatilen Markt schaffen. Für Verarbeiter und Händler könnte er eine Absicherung bieten, die enger an den europäischen physischen Ölmarkt gekoppelt ist.
Vollständige Marktanalyse