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Kuba hebt Reispreisdeckel auf und überträgt Preisbefugnis an Finanzministerium

Kuba hat den Einzelhandelshöchstpreis von 155 CUP je Pfund Reis aufgehoben und die künftige Preisfestsetzung dem Finanz- und Preisministerium übertragen. Ein neuer amtlicher Preis liegt noch nicht vor, während die Marktpreise den bisherigen Deckel deutlich übersteigen.

Kuba hebt Reispreisdeckel auf und überträgt Preisbefugnis an Finanzministerium

Kuba streicht die Obergrenze von 155 CUP

Der kubanische Ministerrat hat den seit März 2025 geltenden maximalen Einzelhandelspreis für Reis aufgehoben und damit die staatliche Preisverwaltung für eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel geändert. Das Dekret 156 wurde laut CiberCuba am Donnerstag, dem 16. Juli 2026, im Amtsblatt veröffentlicht.

Das von Ministerpräsident Manuel Marrero Cruz am 29. Juni unterzeichnete Dekret setzt die mit der Vereinbarung 10093 vom 5. März 2025 eingeführte Obergrenze von 155 kubanischen Pesos je Pfund außer Kraft. Die staatliche Preiskontrolle endet damit nicht. Künftig kann der Finanz- und Preisminister oder eine von ihm beauftragte Person die Reispreise per Ministerialbeschluss festlegen, ohne dass der Ministerrat erneut zusammentreten muss.

Zum Zeitpunkt des Berichts von CiberCuba war noch kein Beschluss mit einem neuen amtlichen Reispreis veröffentlicht. Zunächst handelt es sich daher um eine administrative Verlagerung der Preisbefugnis und nicht um eine vollständige Liberalisierung. Das Ministerium unter Vladimir Regueiro Ale kann amtliche Preise nun schneller anpassen.

Marktpreise liegen längst über dem alten Deckel

Die aufgehobene Obergrenze hatte nur wenig mit den Preisen außerhalb regulierter Vertriebskanäle zu tun. CiberCuba berichtete, dass ein 25-Kilogramm-Sack Reis um den 9. Juli auf dem informellen Markt 31.800 CUP kostete. Das Medium errechnete daraus rund 1.272 CUP je Pfund und damit mehr als das Achtfache der früheren amtlichen Obergrenze.

Auf Messen und nicht regulierten Märkten wurde Reis im Juni und Juli 2026 laut den von CiberCuba angeführten Untersuchungsdaten für 250 bis 400 CUP je Pfund gehandelt. Selbst das untere Ende dieser Spanne lag deutlich über dem staatlichen Deckel. Die Differenz zeigt, dass der regulierte Preis dort, wo Haushalte tatsächlich Ware kaufen konnten, nicht mehr als wirksamer Richtwert diente.

Die Bezahlbarkeit bleibt das zentrale Problem. Bei einem durchschnittlichen staatlichen Monatslohn von 7.000 CUP beansprucht ein Pfund Reis zu 250 bis 400 CUP etwa 3,5 % bis 5,7 % des Monatseinkommens eines Beschäftigten. Beim gemeldeten informellen Gegenwert von 1.272 CUP je Pfund wäre die Belastung erheblich höher.

Schwacher Peso erhöht den Druck

Die Änderung erfolgt vor dem Hintergrund einer Abwertung des kubanischen Pesos, die Waren und Betriebsmittel in lokaler Währung verteuert. Laut CiberCuba verschlechterte sich der Kurs von 435 CUP je US-Dollar im Dezember 2025 auf 655 bis 670 CUP im Juli 2026. Auch die Energieknappheit belastet die Haushalte: In Sancti Spíritus kostete Holzkohle im Juni bis zu 4.000 CUP, nachdem manche Einwohner zum Kochen auf Holz oder Kohle ausgewichen waren.

Der Reispreisdeckel gehörte zu einem umfassenderen Kontrollprogramm vom März 2025. Die Vereinbarung 10093 begrenzte Reis auf 155 CUP je Pfund und Bohnen auf 196 bis 285 CUP. Im September 2025 versuchte die Regierung erneut, Preise weiterer Grundgüter zu deckeln. Knappheit und wesentlich höhere informelle Notierungen blieben jedoch bestehen.

Gasentscheidung schafft einen Präzedenzfall

Dasselbe Amtsblatt wandte ein ähnliches Verfahren auf Flüssiggas an. Frühere Vereinbarungen zu den Gaspreisen wurden aufgehoben und unmittelbar durch Ministerialbeschlüsse ersetzt. Der am 1. Juli unterzeichnete Beschluss 155/2026 erhöhte den Preis einer Gasflasche um 55 %, von 225 auf 350 CUP.

Dieser Präzedenzfall deutet darauf hin, dass auf die Aufhebung des Reispreisdeckels ein höherer administrierter Preis folgen könnte und keine freie Marktpreisbildung. Höhe und Zeitpunkt sind noch offen. Für Haushalte, Einzelhändler und Lebensmittellieferanten ist entscheidend, ob der neue amtliche Preis die Lücke zu nicht regulierten Märkten verringert, ohne das Grundnahrungsmittel noch unerschwinglicher zu machen.

Vollständige Marktanalyse

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