Kroatiens Maisernte könnte nach Dürre unter eine Million Tonnen fallen
Kroatiens Maisernte könnte 2026 erstmals unter eine Million Tonnen sinken, nachdem die Dürre schätzungsweise 50 % der Ernte vernichtet hat. Das Land dürfte Selbstversorger bleiben, könnte nach Ausfuhren von fast 910.000 Tonnen im Vorjahr aber kein Exportangebot mehr haben.
Dürre deutet auf historisches Erntetief hin
Kroatiens Maisernte könnte 2026 erstmals unter eine Million Tonnen fallen, weil die Dürre die Bestände schädigt und die Erträge drückt. Die derzeitige Prognose beruht auf Schätzungen, wonach die Trockenheit 50 % der Ernte vernichtet hat, berichtet Glas Slavonije.
Gegenüber den vergangenen Jahren wäre der Rückgang besonders stark. Kroatien erntete im Vorjahr 1,7 Millionen Tonnen Mais, 2024 waren es 2,06 Millionen Tonnen und 2023 fast zwei Millionen Tonnen. Selbst das bisherige Tief von 1,6 Millionen Tonnen aus dem Jahr 2017 liegt deutlich über der aktuellen Prognose. 2020 erreichte die Produktion fast 2,5 Millionen Tonnen und damit den höchsten im Bericht genannten Wert.
Erträge und Anbaufläche gehen zurück
Die Dürre belastet nicht nur die Gesamtproduktion, sondern auch die Flächenerträge. Im vergangenen Jahr wurden durchschnittlich 6,4 Tonnen je Hektar erzielt, nach jeweils 7,5 Tonnen in den Jahren 2024 und 2023. In den günstigeren Jahren 2018 und 2019 lagen die Erträge bei etwa 8,5 Tonnen je Hektar. Nada Barišić, Direktorin des kroatischen Getreideverbands Žitozajednica, erklärte, der längerfristige Rückgang von fast neun auf rund 6,5 Tonnen je Hektar zeige die starke Abhängigkeit des Maises vom Niederschlag.
Auch die Anbaufläche schrumpft. Nach ersten Schätzungen wurden im Frühjahr 260.000 Hektar mit Mais bestellt, 0,8 % weniger als 2025. Die Quelle nennt 267.000 Hektar für das Vorjahr und 273.000 Hektar für das Jahr davor. Zugleich weisen vorläufige Zahlen zur Frühjahrsaussaat 2026 ein Plus von 36,8 % bei Raps und von 20 % bei Sonnenblumen aus. Die Landwirte weichen damit offenbar auf trockenheitsverträglichere Kulturen aus.
Selbstversorgung bleibt, Exporte könnten entfallen
Auch bei einer Produktion von weniger als einer Million Tonnen dürfte Kroatien seinen heimischen Maisbedarf decken können, sagte Barišić. Für den Export werde jedoch voraussichtlich kein Überschuss bleiben. Das wäre ein deutlicher Bruch zum Vorjahr, als das Land fast 910.000 Tonnen und damit mehr als die Hälfte seiner Ernte von 1,7 Millionen Tonnen ausführte.
Italien war der wichtigste Abnehmer von kroatischem Mais, gefolgt von Slowenien, Österreich sowie Bosnien und Herzegowina. Der Ausfall des kroatischen Angebots würde deshalb vor allem Käufer in benachbarten europäischen Märkten treffen. Heimische Verarbeiter und Tierhalter hätten vorrangigen Zugriff auf die kleinere Ernte, während Landwirte und Getreidehändler wesentlich weniger Ware im Ausland vermarkten könnten.
Preise bleiben trotz schwacher Prognosen stabil
Žita Osijek notierte Mais am 7. August an allen Ankaufstellen für die Lieferung im September und Oktober mit 170 € je Tonne; der Preis für Juli und August war auf Anfrage erhältlich. Laut Barišić lag Mais für spätere Termine an der MATIF bei etwa 218 € je Tonne und stieg danach noch etwas. Je nach Terminkontrakt bewegten sich die Preise an den Weltbörsen zwischen 175 € und rund 220 € je Tonne.
Der kroatische Jahresdurchschnittspreis für Mais betrug laut nationalem Statistikamt im Vorjahr 178 € je Tonne, nach 167 € im vorangegangenen Zeitraum. Barišić bezeichnete die Preise trotz schlechter Maisprognosen in ganz Europa als stabil. Für die kroatischen Marktteilnehmer steht jedoch die Warenverfügbarkeit im Vordergrund: Eine Ernte von weniger als einer Million Tonnen würde die Selbstversorgung sichern, aber einen beträchtlichen regionalen Exportstrom beseitigen.