Kroatiens Transformator-Exporte seit 2021 um das 2,6-Fache gestiegen, Branche warnt vor EU-Schutzmaßnahmen
Kroatiens Exporte von Elektromotoren, Generatoren und Transformatoren sind laut dem kroatischen Arbeitgeberverband HUP zwischen 2021 und 2025 um das 2,6-Fache auf 923 Millionen Euro gestiegen. HUP warnt, dass neue EU-Schutzmaßnahmen bei Importen von Elektroblech die Kosten erhöhen und mehr als 80 europäische Hersteller sowie über 20.000 Arbeitsplätze in der Branche gefährden könnten.
Exporte binnen vier Jahren um das 2,6-Fache gestiegen
Kroatien hat sich laut dem kroatischen Arbeitgeberverband HUP zu einem der weltweit führenden Produzenten von Transformatoren pro Kopf und zu einem zentralen europäischen Fertigungsstandort für Elektromotoren, Generatoren und Transformatoren entwickelt. In seiner jüngsten wöchentlichen Wirtschaftsanalyse erklärte HUP-Chefökonom Hrvoje Stojić, die Exporte des Sektors seien zwischen 2021 und 2025 um das 2,6-Fache auf 923 Millionen Euro gestiegen — das entspricht sechs Prozent der gesamten kroatischen Industrieexporte und macht die Branche zu einem der fünf wichtigsten Exportsektoren des Landes.
Mehr als 70 Prozent der Einnahmen des Sektors stammen laut HUP aus dem Export. Größter Absatzmarkt ist mit 26 Prozent Deutschland, gefolgt von Österreich (10 Prozent), Italien (9 Prozent) und den USA (7 Prozent), wie seebiz.eu berichtet. Laut HUP übertreffen die jährlichen Wachstumsraten der kroatischen Elektroindustrie sowohl das Wachstum der Investitionsgüterproduktion als auch die durchschnittliche Industrieproduktion deutlich.
Stromnachfrage soll bis 2030 stark zulegen
HUP rechnet mit einem starken Anstieg der Stromnachfrage bis 2030, getrieben durch den Ausbau von künstlicher Intelligenz und Rechenzentren, Investitionen in erneuerbare Energien, die Elektrifizierung der Industrie, Elektrofahrzeuge und weitere neue Verbraucher. Die Nachfrage nach Leistungstransformatoren soll laut Branchenangaben bis 2030 durchschnittlich um etwa 6,5 Prozent pro Jahr steigen, die Nachfrage nach Generatoren nur wenig langsamer. Zugleich hat sich die EU das Ziel gesetzt, den Anteil von Strom am Endenergieverbrauch von derzeit 22,9 Prozent bis 2050 auf rund 60 Prozent zu erhöhen — aus Sicht von HUP ein weiterer Beleg für die strategische Bedeutung der Transformator- und Generatorenproduktion für die Energiewende in Europa.
EU-Schutzmaßnahmen für Stahl bergen ein Risiko
Trotz der günstigen Nachfrageaussichten warnt HUP, dass zusätzliche EU-Schutzmaßnahmen bei Importen von kornorientiertem Elektroblech (GOES), auch als Transformatorenblech bekannt, ein ernstes Risiko für die europäische Transformatorenindustrie darstellen würden. GOES sei ein entscheidender Rohstoff für Transformatorkerne, während die europäische Produktion die wachsende Nachfrage und alle benötigten Materialqualitäten derzeit nicht abdecken könne, so HUP.
Auf GOES-Importe werden seit 2015 EU-Antidumpingmaßnahmen angewendet, ab Januar 2026 fallen sie zusätzlich unter den CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) der EU, der die CO2-Kosten von heimischen und importierten Produkten angleicht. Die Europäische Kommission hat laut seebiz.eu im Rahmen einer umfassenderen Neuausrichtung der EU-Stahlschutzmaßnahmen zudem eine gesonderte Untersuchung zu GOES-Importen eingeleitet. Neue Beschränkungen zusätzlich zu den bestehenden Maßnahmen würden laut HUP die Produktionskosten für Transformatoren erhöhen, Investitionen in die Stromnetzinfrastruktur verlangsamen und die Wettbewerbsfähigkeit einer Branche schwächen, die laut dem Branchenverband T&D Europe mehr als 80 Produktionsstätten und über 20.000 Beschäftigte in der gesamten EU umfasst. Das berge das Risiko einer wachsenden Abhängigkeit Europas von importierten Fertigtransformatoren aus Drittländern, warnt HUP.
Branche fordert Ansatz entlang der gesamten Wertschöpfungskette
HUP nennt folgende Voraussetzungen für die weitere Entwicklung der europäischen Transformatorenproduktion:
- Maximale Nutzung der bestehenden europäischen Kapazitäten durch stärkere Investitionsanreize für die Produktion von Transformatorenblech, skalierbare Fertigungstechnologien und Innovationen sowie eine gestärkte Wettbewerbsfähigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
- Ein stabiler, verlässlicher Regulierungsrahmen, der eine sichere Versorgung mit zentralen Rohstoffen wie Transformatorenblech gewährleistet und gleichzeitig den Zugang zu globalen Bezugsquellen erhält, bis die europäische Produktion die wachsende Nachfrage decken kann, verbunden mit einer Abstimmung handelspolitischer Schutzinstrumente auf den CBAM.
Stojić erklärte, neue Handelsmaßnahmen müssten konsequent entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Transformatorenindustrie ansetzen. „Eine Schutzmaßnahme, die nur den Rohstoff GOES erfasst, nicht aber Halbfertigprodukte, Kerne, Laminate und fertige Transformatoren aus Drittländern, würde gleiche Wettbewerbsbedingungen untergraben“, sagte er laut index.hr. Eine solche Maßnahme benachteilige EU-Hersteller, die GOES weiterverarbeiten, während Importeure fertiger und teilverarbeiteter Produkte ihren Wettbewerbsvorteil behielten — was das Risiko einer Verlagerung der Produktion aus der EU erhöhe.
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