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Kroatien erwägt tägliche Kraftstoffpreise – Diesel auf Rekordwert von 1,91 Euro je Liter

Die kroatische Regierung hat den Dieselpreis auf den Rekordwert von 1,91 Euro je Liter festgesetzt und die Verbrauchsteuer um weitere drei Cent gesenkt – damit liegt sie zehn Cent unter dem EU-Mindestsatz. Wirtschaftsminister Ante Šušnjar bereitet den Wechsel von wöchentlicher auf tägliche Preisbildung vor, Finanzminister Tomislav Ćorić schließt eine Mehrwertsteuersenkung aus.

Kroatien erwägt tägliche Kraftstoffpreise – Diesel auf Rekordwert von 1,91 Euro je Liter

Die kroatische Regierung hat neue Höchstpreise für Kraftstoffe für die kommenden sieben Tage festgelegt und bereitet einen Wechsel von der wöchentlichen zur täglichen Preisbildung vor. Das sagte Wirtschaftsminister Ante Šušnjar am Montag, während die Dieselnotierungen an den europäischen Börsen historische Höchststände erreichten.

Diesel erreicht Rekordwert von 1,91 Euro je Liter

In ihrer 206. Sitzung, die telefonisch abgehalten wurde, verabschiedete die Regierung Verordnungen, mit denen sie die Kraftstoffpreise weiter reguliert, heißt es in einer Mitteilung auf vlada.gov.hr. Ab Dienstag kostet ein Liter Diesel 1,91 Euro, sechs Cent mehr als bisher und damit der höchste jemals in Kroatien verzeichnete Einzelhandelspreis für Diesel, berichtet dnevno.hr.

Benzin verteuert sich um einen Cent auf 1,74 Euro je Liter. Am stärksten steigt der Preis für den sogenannten blauen Diesel, den verbrauchsteuerfreien Kraftstoff für Landwirte und Fischer: um zehn Cent auf 1,50 Euro je Liter. Flüssiggas für Tanks kostet künftig 1,41 Euro je Kilogramm, Flaschengas 1,99 Euro je Kilogramm.

Šušnjar erklärte, Kroatien habe nach wie vor den erschwinglichsten Diesel in der Region. „Wir erleben heute den höchsten Dieselpreis, seit Börsen beobachtet werden und seit Diesel verkauft wird“, sagte der Minister und erinnerte daran, dass Eurodiesel 2010 und 2011 rund 1,35 Euro je Liter kostete.

Verbrauchsteuer bereits zehn Cent unter dem EU-Minimum

Um den Anstieg abzufedern, senkte die Regierung die Verbrauchsteuer auf Diesel um weitere drei Cent je Liter. Mit diesem Schritt und mit Zustimmung der Europäischen Kommission liegt die kroatische Dieselverbrauchsteuer nach Regierungsangaben nun insgesamt zehn Cent je Liter unter dem in der EU-Richtlinie vorgeschriebenen Mindestsatz.

Beim blauen Diesel falle überhaupt keine Verbrauchsteuer an, so Šušnjar, während die Lieferanten wegen der aktuellen Prämie bereits Verluste verbuchten. Rechne man die Hilfen aus dem elften Maßnahmenpaket der Regierung ein, sei Eurodiesel erschwinglicher, als der Einzelhandelspreis vermuten lasse. Die Ökonomin Marijana Ivanov sagte gegenüber Index, dem Staat bleibe immer weniger Spielraum, weitere Preissteigerungen abzufedern.

Hormus und Pipeline-Angriff treiben die Mittelmeernotierungen

Marijan Krpan, Vorstandsvorsitzender der Agentur für Kohlenwasserstoffe, sagte in der HRT-Sendung „U mreži Prvog“, die Knappheit gehe auf die Straße von Hormus zurück, wo die Zahl der Öltanker gesunken sei, sowie auf einen Angriff der Huthi auf eine Ölpipeline in Saudi-Arabien. Dadurch fehlten dem Weltmarkt bestimmte Dieselmengen.

Mittelmeerdiesel, der Referenzwert für die kroatische Preisbildung, überschritt vergangene Woche 1.650 US-Dollar je Tonne – ein Rekord. Am Folgetag seien die Preise um 50 US-Dollar gefallen, was an der Zapfsäule 5 bis 6 Cent entspreche, sagte Krpan. In Kroatien werde fast fünfmal so viel Diesel wie Benzin verbraucht, fügte er hinzu.

Der Ökonom Ljubo Jurčić führte einen Teil des Anstiegs auf Spekulation zurück: Als die Straße von Hormus geschlossen wurde, sei Öl auf 120 US-Dollar je Barrel gestiegen, dann auf 110 und schließlich auf 100 zurückgefallen, im Durchschnitt rund 100 US-Dollar.

Tägliche Preisbildung geprüft, Mehrwertsteuersenkung ausgeschlossen

Bei einem Besuch im Werk von FACC Solutions Croatia in Jakovlje sagte Šušnjar, man arbeite an einem Modell, das tägliche Bewegungen an den Energiebörsen in die Kraftstoffpreise einbezieht. „Angesichts der aktuellen Preisentwicklung arbeiten wir an einem Modell, möglicherweise auf eine tägliche Preisbildung umzustellen, damit die Schocks so gering wie möglich ausfallen“, sagte er. Jurčić nannte die Idee politische Rhetorik: Bei fallenden Preisen könne sie Verbrauchern nützen, bei steigenden ihnen schaden. Šušnjar warnte, übermäßige Eingriffe in die Preise könnten die Versorgungssicherheit gefährden; die Raffinerie in Rijeka laufe mit voller Leistung, die staatlichen Öl- und Produktreserven lägen über dem europäischen Minimum.

Vizepremier und Finanzminister Tomislav Ćorić sagte am Montag, eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf Kraftstoffe werde derzeit nicht erwogen, berichtet jutarnji.hr. Zum Gas erklärte Dalibor Pudić, Vorsitzender des kroatischen Gasfachverbands, die Haushaltspreise für Mai bis Juli stünden bereits fest, mit einem geschätzten Anstieg von etwa vier Euro je Megawattstunde. Für einen durchschnittlichen Haushalt mit einem Verbrauch von 10 Megawattstunden, also rund 1.000 Kubikmetern, bedeute das rund 40 Euro im Jahr oder etwa 3 Euro im Monat – ein Plus von 7 bis 8 Prozent.

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