Kroatien mit stärkstem Agrarpreisanstieg in der EU – 20 Mitgliedstaaten verzeichnen Rückgänge
Nach Eurostat-Daten für das zweite Quartal sind die Agrarpreise in 20 EU-Mitgliedstaaten im Jahresvergleich gesunken, am deutlichsten in Dänemark und Irland. Kroatien verzeichnete zusammen mit Malta den größten Preisanstieg und den ausgeprägtesten Anstieg der Betriebsmittelkosten. Das kroatische Portal totalinfo.hr führt das auf Flächenzersplitterung, schwache Verarbeitung und fehlende Lager- und Bewässerungsinfrastruktur zurück.
Kroatien hat im zweiten Quartal einen der stärksten Agrarpreisanstiege in der Europäischen Union verzeichnet und bewegt sich damit gegen den Trend, denn in den meisten Mitgliedstaaten sind die Preise gefallen. Das berichtet das kroatische Portal totalinfo.hr unter Berufung auf den jüngsten Eurostat-Bericht.
Die Abweichung fällt in eine Phase, in der die wichtigsten Kostenpositionen der europäischen Landwirtschaft – Dünger, Kraftstoff und Futtermittel – für die meisten Erzeuger auf dem Kontinent billiger werden, für die kroatischen jedoch nicht.
In 20 Mitgliedstaaten fielen die Preise
Dem von totalinfo.hr zitierten Eurostat-Bericht für das zweite Quartal zufolge verzeichneten 20 EU-Mitgliedstaaten einen Rückgang der Agrarpreise gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Am ausgeprägtesten fiel der Rückgang in entwickelten Agrarländern wie Dänemark und Irland aus.
Kroatien steht am anderen Ende der Rangliste. Gemeinsam mit Malta – einem Inselstaat mit bescheidener Agrarkapazität – verbuchte das Land den größten Preisanstieg und den deutlichsten Zuwachs bei den landwirtschaftlichen Betriebsmittelkosten. Der Vergleich ist unbequem: Maltas Platzierung erklärt sich aus den strukturellen Grenzen einer kleinen Inselwirtschaft, während Kroatien über die Ebenen Slawoniens, der Baranja und Syrmiens, reiche Wasserressourcen und eine lange Agrartradition verfügt.
Betriebsmittelkosten laufen gegen den EU-Trend
Während in anderen Mitgliedstaaten die Kosten für Dünger, Kraftstoff und Futtermittel sinken, stehen kroatische Landwirte unter umgekehrtem Druck, berichtet totalinfo.hr. Steigende Vorleistungskosten zehren den Vorteil höherer Erzeugerpreise auf – die Spitzenposition in der Preistabelle bedeutet damit keine besseren Betriebsergebnisse.
Der Eurostat-Vergleich erfasst Preise auf Erzeugerebene, nicht Ladenpreise, und stellt das zweite Quartal dem Vorjahreszeitraum gegenüber. Für Abnehmer kroatischer Rohware – Verarbeiter, Händler und Futtermittelhersteller – signalisiert das eine Kostenbasis, die sich vom europäischen Niveau löst, genau während sie bei Wettbewerbern in Dänemark, Irland und anderen Erzeugerländern sinkt.
Billige Rohware im Export, teure Verarbeitung im Import
Das Portal beschreibt dieses Muster als „kroatisches Paradox“: Das Land exportiert billige Rohware und importiert teure Fertigprodukte. Ohne starke heimische Verarbeitung und die Zusammenlegung zersplitterter Flächen könne Slawonien keine Lebensmittel günstiger anbieten als die Importware.
Die Ebenen Slawoniens, der Baranja und Syrmiens bieten ausgezeichnete natürliche Voraussetzungen für Ackerbau wie Viehhaltung, doch die kroatische Landwirtschaft leidet seit Jahrzehnten unter strukturellen Problemen, die ihre Wettbewerbsfähigkeit auf dem europäischen Markt verhindern. Das Ergebnis: Der Sektor liefert Rohstoffmengen mit niedriger Marge, während die Stufen mit hoher Wertschöpfung im Ausland liegen.
Welche Politikänderungen gefordert werden
Um nicht Rekordhalter bei Preissteigerungen zu bleiben, sei eine systematische Wende in der Agrarpolitik nötig, argumentiert totalinfo.hr: weg von Flächenprämien, hin zu Maßnahmen, die tatsächliche Produktion und Verarbeitungskapazität erhöhen. Genannt werden:
- Verlagerung der Förderung von Direktzahlungen je Hektar auf produktionsgebundene Anreize
- Zusammenlegung zersplitterter Grundstücke
- Bau von Kühlhäusern und Distributionszentren
- Beschleunigte Investitionen in Bewässerungssysteme
- Zusammenschluss kleiner Erzeuger in Genossenschaften und Ausrichtung auf Produkte mit höherer Wertschöpfung
Ohne stärkere genossenschaftliche Strukturen und diesen Schritt in der Wertschöpfungskette nach oben bleibe die kroatische Landwirtschaft Marktschocks ausgesetzt und von Importtrends abhängig, während die Bürgerinnen und Bürger weiterhin zu den höchsten Agrarpreisen Europas zahlten, so das Portal.
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