Kohle bleibt trotz volatiler Preise ein wichtiger Brennstoff für Russlands Zementwerke
Kohle verursacht 10 % bis 20 % der Kosten russischer Zementwerke, wobei Qualität und Transportentfernung den Bezugspreis maßgeblich bestimmen. Investitionen, technische Umbauten und Genehmigungen stehen einer schnellen Brennstoffumstellung entgegen.
Inlandspreise folgen den Exportnotierungen nicht automatisch
Russische Zementhersteller dürften trotz volatiler Exportpreise und steigender Kosten wichtige Abnehmer von Kraftwerkskohle bleiben. Vladimir Guz, geschäftsführender Partner der Beratungsgesellschaft SMPRO, sagte der Zeitung Kommersant, dass Kohle kaum schnell und vollständig aus der Zementproduktion verdrängt werde. Ein Brennstoffwechsel erfordert Investitionen, technische Modernisierungen, Umweltgenehmigungen und eine verlässliche alternative Versorgung.
Die Exportpreise für russische Kraftwerkskohle stiegen 2026 auf einzelnen Absatzrouten, waren laut Guz jedoch stark volatil und zeigten keinen stabilen Aufwärtstrend. Exportnotierungen werden zudem nicht automatisch auf die Preise russischer Zementwerke übertragen.
Der Inlandspreis hängt vom Standort des Werks, von Kohlesorte und Heizwert, vom Lieferanten, von der Transportstrecke und von den Vertragsbedingungen ab. Anbieter können Preiserhöhungen mit höheren Förderkosten, Löhnen, Ausgaben für Anlagen und Ersatzteile, Bahntarifen sowie Finanzierungskosten begründen. Dadurch kann sich die Brennstoffkostenstruktur vergleichbarer Werke je nach Standort und Liefervertrag deutlich unterscheiden.
Kohle verursacht bis zu einem Fünftel der Kosten
Nach Angaben von Kommersant kann Kohle abhängig von Marktpreis und Lieferkosten zwischen 10 % und 20 % der Kosten eines Zementherstellers ausmachen. Ein Werk nahe einem Tagebau dürfte den Brennstoff günstiger beziehen als ein Standort, der auf lange Bahntransporte angewiesen ist.
Die Belieferung wird in der Regel durch Rahmen- oder Jahresverträge geregelt. Der Preis kann für einen bestimmten Zeitraum festgeschrieben oder nach einer vereinbarten Formel berechnet werden. Anpassungen sind monatlich, vierteljährlich oder bei Veränderungen wesentlicher Kostenfaktoren wie der Bahntarife möglich. Eine einseitige Änderung nach Mitteilung ist nur zulässig, wenn der Vertrag diesen Mechanismus bereits vorsieht. Eine einheitliche Praxis für alle Lieferanten und Werke gibt es nicht.
Hersteller können den spezifischen Wärmeverbrauch senken, den Ofenbetrieb anpassen und die Kohleaufbereitung verbessern. Bei der Auswahl von Lieferanten und Brennstoffen können sie Preis, Heizwert, Feuchtigkeit und Aschegehalt vergleichen, Vorräte anlegen oder längerfristige Verträge abschließen. Diese Maßnahmen wirken unmittelbar auf die Wettbewerbsfähigkeit, da Brennstoff ein zentraler Bestandteil der Zementkosten ist.
Lokale Versorgungsrisiken erschweren den Wechsel
Die weitere Stilllegung von Bergwerken und Tagebauen könnte lokale Engpässe verursachen, auch wenn landesweit kein physischer Mangel entsteht. Zementöfen benötigen Kohle mit bestimmten wärmetechnischen Eigenschaften. Fällt ein konkreter Lieferant aus oder wird der Bahnverkehr gestört, kann das die Auswahl einschränken und die Frachtkosten erhöhen.
Werke können ihren Brennstoffmix diversifizieren und alternative Brennstoffe einsetzen, sofern ihre Anlagen dies zulassen. Eine Umstellung kann jedoch modernisierte Brenner, neue Lager- und Zuführungssysteme, Kapital sowie Umweltgenehmigungen erfordern. Zudem muss eine zuverlässige Quelle für den Ersatzbrennstoff vorhanden sein. Der Wechsel dürfte deshalb punktuell und über längere Zeit erfolgen, nicht schnell und branchenweit.
Zementunternehmen können versuchen, einen Teil der höheren Brennstoffkosten auf ihre Verkaufspreise aufzuschlagen. Wie viel davon am Markt durchsetzbar ist, hängt jedoch von Nachfrage, Kapazitätsauslastung, Wettbewerb und dem Angebot importierter Produkte ab. Der Kohlepreis beeinflusst damit nicht nur die Margen, sondern auch die regionale Wettbewerbsfähigkeit und die Beschaffung im russischen Zementmarkt.