Forum Kohle 2026 bewertet geringe Marktreaktion auf die Krise in der Straße von Hormus
Die Krise in der Straße von Hormus stützte die weltweiten Kohlepreise nur begrenzt; Kraftwerkskohle in Newcastle kostete in den ersten fünf Monaten 2026 im Mittel 127 $ je Tonne. Das Moskauer Forum Kohle 2026 behandelt Preise, russische Exporte, Ostverbindungen und Maßnahmen zur Wiederherstellung der Rentabilität.
Newcastle-Preis bleibt weit unter dem Niveau von 2022
Die Krise in der Straße von Hormus hat den weltweiten Kohlemärkten keinen erheblichen Auftrieb gegeben. Laut Rambler Finance stieg der Durchschnittspreis für Kraftwerkskohle im australischen Newcastle, einem der größten Handelsplätze im asiatisch-pazifischen Raum, in den ersten fünf Monaten 2026 lediglich um 19% auf 127 $ je Tonne. Damit lag er fast um das Dreifache unter dem Durchschnitt von 2022.
Der begrenzte Anstieg zeigt, dass die Risiken möglicher Störungen auf einer wichtigen Schifffahrtsroute im Nahen Osten den allgemeinen Druck auf Kohle nicht aufwiegen. Russische Anbieter sind zusätzlich benachteiligt: Preisabschläge drückten ihre tatsächlichen Verkaufspreise unter die Newcastle-Benchmark. Normalisierte Weltmarktpreise und Rabatte schränken die Margen russischer Produzenten und Exporteure weiter ein.
Transportkosten und asiatische Förderung verändern den Markt
Mehrere interne und internationale Faktoren verschärfen die Lage. Höhere Tarife der Russischen Eisenbahnen verteuern den Transport von den Bergwerken zu den Häfen. China hat seine Abhängigkeit von Kohleimporten verringert, während die steigende Förderung in China und Indien Zweifel am zusätzlichen Bedarf des Seehandels weckt. Für russische Unternehmen, die mehr Mengen nach Asien lenken wollen, sind diese Entwicklungen besonders relevant.
Russland hat zudem die Kohleexportquoten für sämtliche Förderregionen außer dem Kusnezker Becken aufgehoben. Die Branche prüft nun, ob östliche Bergwerke und Transportkorridore einen profitableren Angebotsmix ermöglichen. Die Kapazität der Transsibirischen Eisenbahn und der Baikal-Amur-Magistrale bleibt entscheidend, denn der Zugang zu den fernöstlichen Häfen bestimmt die möglichen Liefermengen an asiatische Kunden.
Kokskohle und östliche Regionen sorgen für Wachstum
Dennoch gibt es Wachstumsfelder. Russlands Kokskohleförderung stieg in den ersten vier Monaten 2026 um 2% auf 35,5 Millionen Tonnen. Die Erschließung der Elga-Lagerstätte trug dazu bei; ihr Betreiber erzielte im April einen Monatsrekord bei den Lieferungen an fernöstliche Häfen. Die Daten sprechen für bessere Aussichten bei margenstärkeren Sorten als bei gewöhnlicher Kraftwerkskohle.
Auch die Region Nowosibirsk entwickelte sich unerwartet zu einem Wachstumszentrum der Branche. Dort gingen höhere Fördermengen mit mehr Beschäftigung und steigenden Löhnen einher. Sachalin verfügt ebenfalls über Ausbaupotenzial, weil die Insel nahe an Exportmärkten liegt und kurze Landtransportwege bietet. Diese Entwicklungen könnten die russische Förderung weiter nach Osten verschieben und den Anteil margenstärkerer Sorten erhöhen.
Moskauer Forum stellt Rentabilität in den Mittelpunkt
Die Themen stehen auf der Agenda des Forums Kohle 2026, das am 24. September 2026 in Moskau stattfindet. Diskutiert werden die Förderbilanz des ersten Halbjahres, das Potenzial zusätzlicher Auslandsnachfrage, russische Exportabschläge und die Folgen des Nahostkonflikts. Zudem wollen die Teilnehmer bewerten, was die steigende Produktion in China und Indien für den globalen Kohlehandel bedeutet.
Ein weiterer Schwerpunkt sind russische Politik und Infrastruktur. Das Forum befasst sich mit dem Ausbau der Transsibirischen Eisenbahn und der Baikal-Amur-Magistrale, Bahntarifen, Zahlungsaufschüben bei der Rohstofffördersteuer und den Sozialbeiträgen sowie dem Antikrisenprogramm. Für Produzenten, Händler und Investoren ist entscheidend, ob bessere Logistik, gezielte Hilfen und ein höherer Kokskohleanteil die Rentabilität wiederherstellen können, solange die Weltmarktpreise deutlich unter ihrem Hoch von 2022 liegen.