Knappes Angebot und schwächere Ernteaussichten verteuern Europas Futtermittel
Störungen der Schwarzmeerexporte, begrenzte Verfügbarkeit und schwächere Ernteaussichten ließen Europas Preise für Getreide, Soja- und Rapsschrot steigen. Der stärkere Euro bremste den Anstieg bei Sojaschrot, während höhere Frachtkosten einige faserreiche Komponenten zusätzlich verteuerten.
Schwarzmeer-Störungen erhöhen die Risikoprämie
Die europäischen Preise für Futtermittelkomponenten stiegen im Wochenverlauf, angeführt von Getreide, Soja- und Rapsschrot. Varkensbedrijf berichtete, dass auch Sonnenblumenschrot, Mais-DDGS und mehrere faserreiche Rohstoffe unter Preisdruck stehen. Laut ForFarmers treiben geopolitische Spannungen, enttäuschende Ernteaussichten und eine begrenzte Verfügbarkeit den Markt, während der stärkere Euro den Preisanstieg bei Sojaschrot in Europa dämpft.
Die Getreidepreise setzten ihren Anstieg fort, nachdem Angriffe auf russische und ukrainische Hafenanlagen die Exportströme gestört hatten. ForFarmers zufolge lagen Russlands Weizenexporte im August auf dem niedrigsten Stand seit 2010. Die ukrainischen Getreideexporte könnten zugleich auf den tiefsten Stand seit April 2022 fallen. Wegen der unsicheren Schwarzmeerversorgung prüfen Importeure und Händler alternative Herkünfte wie Frankreich, Rumänien und die baltischen Staaten.
ForFarmers erwartet, dass die Risikoprämie in den Getreidepreisen bleibt, bis sich die Schwarzmeerexporte normalisieren. Zusätzliche Preisstützung kommt vom Ausblick für die US-Maisernte. Die Ergebnisse der Pro Farmer Crop Tour lagen erneut unter der aktuellen Ertragserwartung des USDA, wodurch der Getreidemarkt anfällig für weitere Preissteigerungen bleibt.
Soja- und Rapsschrot werden teurer
Sojaschrot für kurzfristige Lieferungen verteuerte sich laut ForFarmers um etwa 15-20 € je Tonne. Bei späteren Terminen betrug der Anstieg rund 10 € je Tonne. Erste Ergebnisse der Bestandsprüfung in sieben US-Bundesstaaten deuteten auf niedrigere Sojaerträge als bislang vom USDA erwartet hin, mit weniger Bohnen je Pflanze und einem schlechteren Zustand der Kulturen.
Die US-Sojaernte dürfte weiterhin groß ausfallen. Eine geringere Ernte als erwartet würde jedoch den Spielraum einschränken, gleichzeitig erhebliche Mengen für Biodiesel zu verarbeiten und zusätzliche Sojabohnen nach China zu verkaufen. Die Prämien für südamerikanische Sojabohnen sind wegen des knapperen Angebots gestiegen. Für europäische Käufer brachte der Devisenmarkt etwas Entlastung: Der Euro-Dollar-Kurs stieg von 1,1530 auf 1,1694.
Auch die Preise für Rapsschrot legten wegen der eingeschränkten Verfügbarkeit weiter zu. Die Wasserstände sind in den vergangenen Tagen gestiegen, reichen laut ForFarmers jedoch noch nicht aus, um die normalen Rapslieferungen an Ölmühlen wiederherzustellen. Die Versorgung der Verarbeiter mit genügend Saat dürfte daher in den kommenden Wochen schwierig bleiben und die Knappheit weiter auf die Schrotpreise durchschlagen.
Wetter und Fracht belasten weitere Komponenten
Trockenes und warmes Wetter führte in Frankreich zu einem früheren Beginn der Sonnenblumenernte, zugleich wurden die erwarteten Erträge gesenkt. Der Krieg verhindert außerdem, dass hochwertige ukrainische Sonnenblumenkerne den europäischen Markt erreichen. Die Preise für Mais-DDGS folgten dem breiten Anstieg bei Getreide und Proteinträgern.
Weizenkleie wurde im Einklang mit Weizen etwas teurer, blieb aber gut verfügbar. Die Preise für Palmkernschrot am Ursprung und die Frachtkosten stiegen weiter. Wegen der begrenzten Nachfrage aus Europa und China ist der Anstieg jedoch noch nicht vollständig auf dem europäischen Markt angekommen. Sojaschalen bleiben kurzfristig knapp; neue Lieferungen werden im kommenden Monat erwartet.
Auch Zuckerrübenschnitzel verteuerten sich, nachdem heißes, trockenes Wetter die Erträge gedrückt und die Verkaufsbereitschaft der Produzenten verringert hatte. Neue Erntedaten, internationale Handelsströme und das Wetter in wichtigen Anbauregionen werden die Preise in den kommenden Wochen bestimmen. Tierhalter und Mischfutterhersteller sind damit gleichzeitig höheren Getreideprämien, teureren Proteinträgern und logistischen Engpässen ausgesetzt.