Kirgisistan stoppt Treibstoffexporte und sichert 100.000 Tonnen pro Monat aus Russland
Kirgisistan verbietet den Export der meisten Mineralölprodukte, um seinen stark von Russland abhängigen Markt zu schützen. Russland liefert bis Ende 2026 monatlich 100.000 Tonnen; zusätzliche Mengen kommen aus Belarus und China.
Kirgisistan begrenzt den Abfluss von Treibstoff
Kirgisistan hat die Ausfuhr von Rohöl, Benzin, Diesel und weiteren Mineralölprodukten auf Straße und Schiene auf unbestimmte Zeit verboten. Damit will die Regierung die Versorgung des Binnenmarktes sichern. Nach Angaben der Rossijskaja Gaseta bleibt die Beschränkung bestehen, bis der Markt vollständig versorgt ist und ausreichende Reserven aufgebaut wurden oder der gemeinsame Markt der Eurasischen Wirtschaftsunion für Öl und Mineralölprodukte seinen Betrieb aufnimmt.
Naphtha, Heizöl und Brennstoffe für Heizzwecke sind ausgenommen, dürfen aber nur nach einer gesonderten Regierungsentscheidung zur Verarbeitung ins Ausland gebracht werden. Die fertigen Produkte müssen nach Kirgisistan zurückkehren. Zugleich hat die Regierung die Einfuhrverfahren für Treibstoff stark vereinfacht, um die Belieferung der Tankstellen aufrechtzuerhalten.
Russland liefert monatlich 100.000 Tonnen
Russland wird Kirgisistan bis Ende 2026 jeden Monat 100.000 Tonnen Treibstoff zu Börsenpreisen liefern, teilte der Pressedienst der kirgisischen Regierung mit. Die Menge entspricht der bestehenden zwischenstaatlichen Vereinbarung über jährlich 1,2 Millionen Tonnen Kraft- und Schmierstoffe.
Die Zusage ist für die kirgisische Versorgungsbilanz entscheidend. Das Energieministerium beziffert den jährlichen Bedarf an Mineralölprodukten auf 2 Millionen Tonnen, nach 1,6 Millionen Tonnen im Jahr 2025. Laut Rossijskaja Gaseta deckte Russland 93 % des Bedarfs. Die kirgisische Regierung gibt den russischen Anteil an den Lieferungen von Benzin, Diesel und Flugturbinenkraftstoff mit rund 90-95 % an.
Die Versorgung geriet unter Druck, nachdem ukrainische Drohnenangriffe zu Engpässen in Russland beitrugen und Moskau die Ausfuhr von Mineralölprodukten verschärfte. Russland verlängerte sein Exportverbot für Benzin und Diesel bis zum 31. Januar 2027; die neuen Beschränkungen traten am 1. August in Kraft. Der Erste Stellvertretende Ministerpräsident Kirgisistans, Daniyar Amangeldiev, erklärte, Russland habe weitere Lieferungen an die Netze von Gazprom und Rosneft in Kirgisistan zugesichert. Das allgemeine Versorgungsproblem solle innerhalb von zwei bis drei Monaten gelöst werden.
Belarus und China liefern zusätzliche Mengen
Kirgisistan beschafft außerdem Treibstoff aus Belarus, China und weiteren Ländern der Region. Nach Angaben der Rossijskaja Gaseta soll Belarus monatlich 60.000-70.000 Tonnen liefern; Russland hat den Transit über sein Staatsgebiet gestattet. China sagte mehrere Zehntausend Tonnen Flugturbinenkraftstoff und Diesel zu. Nach Angaben der kirgisischen Regierung haben die Lieferungen aus beiden Ländern bereits begonnen.
Weitere Bezugsquellen werden mit Usbekistan, Turkmenistan und Kasachstan erörtert; auch Aserbaidschan wurde geprüft. Der Staat unterstützt die Diversifizierung mit Zuschüssen, die Importeuren die Differenz zwischen den marktüblichen Beschaffungskosten und den festgesetzten Inlandspreisen erstatten sollen.
Preiskontrollen flankieren die Versorgungspolitik
Um starke Preissteigerungen und Spekulation zu begrenzen, hat Kirgisistan die Preise für ausgewählte Mineralölprodukte und Flüssiggas festgesetzt. Das Wirtschafts- und Handelsministerium kontrolliert täglich die Preise an den Tankstellen. Die Kartellbehörde hat zudem mit einheimischen Treibstoffhändlern eine Preisvereinbarung geschlossen.
Die Regierung prüft auch, ob heimische Raffinerien vorhandene Bestände des niedrigoktanigen Benzins AI-80 zu AI-92 verarbeiten können. Für AI-80 bestand bislang kaum Nachfrage im Inland; die Umwandlung in eine stärker nachgefragte Sorte könnte die Importabhängigkeit geringfügig senken. Exportverbot, russische Lieferzusage und alternative Einfuhren schaffen einen kurzfristigen Puffer. Der Markt bleibt jedoch stark von Russlands Produktion und Exportpolitik abhängig.