KI-Investitionen verlagern die Nachfrage nach High-End-Routern in Rechenzentren
Dell’Oro Group erwartet, dass der Markt für High-End-Router und Aggregations-Switches bis 2030 ein Volumen von 19 Milliarden $ erreicht. KI-Infrastruktur, Cloud-Anbindung und Rechenzentrumsverbindungen lösen Telekominvestitionen als wichtigste Wachstumstreiber ab.
Marktprognose steigt mit dem Ausbau der KI-Kapazitäten
Die weltweiten Investitionen in Infrastruktur für künstliche Intelligenz verändern den Markt für High-End-Router und Aggregations-Switches. Die Nachfrage hängt weniger von klassischen Telekommunikationsnetzen ab und verlagert sich zu Hochleistungsverbindungen für Rechenzentren, Cloudplattformen und KI-Rechencluster.
Dell’Oro Group erwartet laut Cretalive, dass der Markt für High-End-Router und Aggregations-Switches bis 2030 ein Volumen von 19 Milliarden $ erreicht. Das Marktforschungsunternehmen hob seine Fünfjahresprognose an, weil Betreiber von Recheninfrastruktur höhere Netzkapazitäten, leistungsfähigere Cloudanbindungen und zusätzliche Verbindungen zwischen großen Rechenzentren benötigen.
Die neue Prognose zeigt, dass die Rechenzentrumskonnektivität die Routernachfrage in den kommenden fünf Jahren zunehmend bestimmen wird. Ausgaben für herkömmliche Telekommunikationsinfrastruktur verlieren dagegen relativ an Bedeutung. Für Ausrüster verändert sich damit der Kundenmix, während sich die Produktentwicklung stärker an den Anforderungen von Cloud- und KI-Arbeitslasten orientiert.
Datenverkehr stärkt Kern- und Edge-Systeme
Die stärkste Prognoseanhebung betrifft Core-Router. Diese Systeme sind ein zentraler Bestandteil von Data Center Interconnect, kurz DCI, und transportieren Daten zwischen großen Standorten, die KI-Anwendungen unterstützen. Wenn Rechenkapazität auf mehrere Standorte verteilt wird, müssen große Datenmengen schnell und zuverlässig übertragen werden.
Dell’Oro erhöhte auch die Erwartungen für Edge-Router. Die breitere Nutzung von KI-Anwendungen steigert den Datentransfer und den Nutzerzugriff auf Recheninfrastruktur. Nachfrage entsteht deshalb nicht nur in den internen Netzen einzelner Rechenzentren, sondern auch an den Verbindungspunkten zwischen Nutzern, Clouddiensten und verteilten Rechenressourcen.
Cloudanbieter dürften die stärkste Wachstumsquelle sein. Ihre Ausgaben für High-End-Router sollen bis 2030 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 16 % steigen. Nordamerika führt die Expansion an, weil dort die größten Hyperscaler und die überwältigende Mehrheit der neuen Rechenzentrumsprojekte angesiedelt sind. Dell’Oro erwartet jedoch in nahezu allen Regionen eine steigende KI-bedingte Routernachfrage.
Telekomnachfrage wartet auf einen möglichen 6G-Zyklus
Schwächer fällt der Ausblick für Geräte aus, die mit dem Ausbau von Mobilfunknetzen verbunden sind. Die Umsätze mit Edge-Routern und Aggregations-Switches für den mobilen Backhaul sollen in den kommenden vier Jahren weitgehend stagnieren, weil der 5G-Ausbau eine reife Phase erreicht. Damit verliert ein Wachstumstreiber an Kraft, der die Netzwerkinvestitionen im vergangenen Jahrzehnt geprägt hatte.
Dell’Oro erwartet gegen Ende des Jahrzehnts eine Veränderung, wenn die Investitionen in 6G-Netze beginnen sollen. Kommunikationsanbieter müssten dann ihre Netze erneut aufrüsten und neue Funktechnik installieren, um höhere Geschwindigkeiten und fortschrittlichere digitale Dienste anzubieten. Bis sich dieser Zyklus entwickelt, werden Rechenzentrumsbau und KI-Infrastruktur einen größeren Teil der Nachfrage nach High-End-Routern bestimmen.
Für Netzwerkausrüster erhöht die Verschiebung die wirtschaftliche Bedeutung von Hyperscalern, Cloudanbietern und Rechenzentrumsbetreibern. Der Wettbewerb wird stärker von Core-Routing-Kapazität, DCI und der Fähigkeit abhängen, den schnell wachsenden KI-Datenverkehr zu bewältigen. Telekommunikationsbetreiber bleiben wichtige Kunden, doch ihr kurzfristiger Beschaffungszyklus dürfte nicht mit dem Tempo der Cloudinvestitionen mithalten.