Milchknappheit in Kenia treibt die Preise und zwingt Supermärkte zur Rationierung
Die Anlieferung an kenianische Molkereien sank von 88,89 Millionen Litern im Mai auf 81,3 Millionen im Juli, weil späte Regenfälle, magere Weiden und teures Futter die Milchleistung drücken. Offene Frischmilch in Nairobi kostet statt 70 nun 90 Schilling je Liter, einzelne Supermärkte begrenzen die Abgabemenge. Landwirtschaftsminister Mutahi Kagwe nennt schlechte Weidebedingungen und Zwischenhändler als Ursachen.
Einzelhandelspreise steigen, Regale leeren sich
Die seit Monaten wachsende Milchknappheit in Kenia schlägt inzwischen auf Einzelhandelspreise und Supermarktregale durch. Soko Directory berichtet, dass mehrere Marken knapp sind oder ganz fehlen und einzelne Märkte die Zahl der Packungen je Kunde begrenzen. Die Kosten verteilen sich über die gesamte Kette: auf Erzeuger, Molkereien, Handel und Verbraucher.
Nach Angaben der Verbraucherföderation Kenias (COFEK) ist offene Frischmilch im Waithaka Dairy Centre in Nairobi von 70 auf 90 Kenia-Schilling je Liter gestiegen. Der Handel hat 5 bis 10 Schilling auf den Packungspreis aufgeschlagen; in einzelnen Geschäften kostet eine 500-ml-Packung, die früher rund 60 Schilling kostete, inzwischen 90 Schilling. Die genauen Werte unterscheiden sich nach Standort und Marke, die Richtung ist marktweit dieselbe.
Magere Weiden und teures Futter senken die Leistung
Unmittelbare Ursache ist die Trockenheit. Der Regen kam zu spät, die Weiden sind mager, kommerzielles Mischfutter ist teurer geworden. Am härtesten trifft das die Kleinbauern, die rund 80 Prozent der kenianischen Milch erzeugen. Laut COFEK ist die Tagesleistung je Kuh bei einem Teil der Betriebe von 7 bis 9 Litern auf nur noch 4 bis 5 Liter gefallen. Den Erzeugern bleibt die Wahl zwischen höheren Preisen für die verbliebene Menge und einer Verkleinerung der Herde.
Landwirtschaftsminister Mutahi Kagwe nennt zwei Ursachen für die Lücken in den Supermärkten der großen Städte: schlechte Weidebedingungen und Zwischenhändler, die Molkereien bei der Rohmilch überbieten. Er forderte die Genossenschaften auf, den Bauern mehr zu zahlen.
Anlieferung sinkt den dritten Monat in Folge
Die an die Molkereien gelieferten Mengen sind zur Jahresmitte Monat für Monat gefallen:
- Mai: 88,89 Millionen Liter
- Juni: 84,44 Millionen Liter
- Juli: 81,3 Millionen Liter
Der Rückgang von Juni auf Juli beträgt rund 3,7 Prozent, die Julimenge lag etwa 8,5 Prozent unter dem Mai-Niveau. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass der August kaum Entlastung brachte. Am stärksten betroffen ist pasteurisierte Frischmilch, weil sie von täglichen Anlieferungen abhängt und nicht auf Lagerbestände zurückgreifen kann; haltbare Produkte halten sich vergleichsweise besser.
Kosten summieren sich entlang der Kette
Die Bauern zahlen mehr Futter für Tiere, die weniger geben. Den Molkereien stehen kleinere Mengen zur Verfügung. Der Handel trägt höhere Beschaffungs- und Transportkosten, verschärft durch steigende Kraftstoffpreise. Besonders betroffen sind die Betreiber von Milchautomaten, deren Geschäft auf häufigem Nachfüllen beruht. Die Differenz zahlen die Verbraucher an der Kasse; COFEK fordert die Regierung auf, den Markt zu stabilisieren, bevor sich die Lage weiter verschlechtert.
Das Kenya Dairy Board bezeichnet die Entwicklung als saisonale Schwankung und nicht als dauerhafte Krise und verweist auf die Regenfälle von Oktober bis Dezember als wahrscheinlichen Wendepunkt für Weide und Futterbau. Schnell wird die Erholung nicht gehen: Kühe, die monatelang unterversorgt waren, brauchen Zeit bis zur vollen Leistung, sodass die Preise auch nach Einsetzen des Regens erhöht bleiben dürften. Die längerfristige Frage ist, ob sich Kenias Milchwirtschaft so aufstellen lässt, dass Kleinbauern als Rückgrat der Erzeugung auch in normalen Jahren davon leben können.
Vollständige Marktanalyse