Kenias COMESA-Zuckerschutzklausel nach 24 Jahren ausgelaufen – Abgeordnete fordern neuen Importschutz
Kenias Schutzklausel für zollfreie Zuckerimporte aus der COMESA lief am 30. November 2025 nach fast 24 Jahren aus und wurde nicht verlängert. The East African berichtete am 16. September 2026, dass Nairobi alternative Schutzmaßnahmen prüft, während Abgeordnete stärkere Vorkehrungen für heimische Zuckerfabriken verlangen. Die Produktion erreichte 2023 815.454 Tonnen bei einem Verbrauch von rund 1,13 Millionen Tonnen.
Kenias Schutzklausel, die zollfreie Zuckerimporte aus dem Gemeinsamen Markt für das Östliche und Südliche Afrika (COMESA) begrenzte, ist am 30. November 2025 nach fast 24 Jahren ausgelaufen. Zehn Monate später prüft Nairobi alternative Schutzmaßnahmen, wie The East African am 16. September 2026 berichtete; The Rio Times fasste den Bericht zusammen. Ein Antrag bei der COMESA liegt nicht vor, eine neue Maßnahme wurde nicht bewilligt.
Druck kommt auch aus dem Parlament. Abgeordnete des Handelsausschusses der Nationalversammlung fordern stärkere Schutzmaßnahmen für heimische Zuckerfabriken gegen unkontrollierte Importe und haben zudem das Abwerben von Zuckerrohr thematisiert.
24 Jahre Ausnahme nach Artikel 61
Artikel 61 des COMESA-Vertrags erlaubt einem Mitgliedstaat, die Einfuhr eines Produkts für einen befristeten Zeitraum zu beschränken, damit sich die heimische Industrie umstrukturieren kann. Kenia erhielt diese Genehmigung für Zucker im Jahr 2001 und behielt sie über wiederholte Verlängerungen fast 24 Jahre lang; die Angaben zur Gesamtzahl gehen auseinander, berichtet werden sieben wie auch acht Verlängerungen. Die ursprüngliche Obergrenze erlaubte 200.000 Tonnen zollfreien Regionalzucker pro Jahr.
Die letzte Verlängerung gewährte der COMESA-Ministerrat am 23. November 2023; sie lief von Dezember 2023 bis zum 30. November 2025 und wurde nicht erneuert. Die COMESA ist eine Freihandelszone mit 21 Mitgliedstaaten von Ägypten bis Eswatini und umfasst Malawi, Eswatini und Sambia – Produzenten, deren Kosten unter denen Kenias liegen.
Produktion gestiegen, Defizit geblieben
Nicholas Gumbo, Vorsitzender des kenianischen Zuckerverbands Kenya Sugar Board, erklärte im Januar 2026, eine Schutzklausel brauche nur, wem die eigenen Kapazitäten fehlten – Kenia brauche sie nicht. Die Erzeugung war tatsächlich kräftig gestiegen: von 472.773 Tonnen im Jahr 2022 auf 815.454 Tonnen im Jahr 2023, während die Anbaufläche für Zuckerrohr im selben Zeitraum von 242.508 Hektar auf 289.631 Hektar wuchs.
Der Verbrauch liegt jedoch bei rund 1,13 Millionen Tonnen jährlich und dürfte laut Prognose auf etwa 1,14 Millionen Tonnen steigen. Selbst auf dem verbesserten Niveau deckt die heimische Produktion die Nachfrage nicht; die Lücke schließen Importe. Für 2025 wurden Einfuhren von mehr als 350.000 Tonnen erwartet – deutlich über der nun entfallenen zollfreien Obergrenze von 200.000 Tonnen.
Drei Instrumente, eines ausgelaufen
Die COMESA-Obergrenze war nur eines von drei Instrumenten für Zuckerimporte nach Kenia. Zucker mit Ursprung außerhalb der COMESA und der Ostafrikanischen Gemeinschaft unterliegt einem Zoll von 100 %, sofern keine Ausnahme gewährt wird. Der Auslandsagrardienst des US-Landwirtschaftsministeriums berichtete im April 2026, dass Kenia Einfuhren weiterhin über Lizenzen steuert. Eine gesonderte Ausnahme für Industriezucker über 208.600 Tonnen zu einem Zollsatz von 10 % galt bis zum 30. Juni 2026. Nach dem Wegfall der Schutzklausel bleiben Lizenzvergabe und Ausnahmesystem.
Was das für Fabriken und Zuckerrohrbauern bedeutet
Der Zuckersektor trägt mehrere hunderttausend landwirtschaftliche Haushalte im Westen Kenias, vor allem rund um Kisumu, Kakamega und Bungoma. Die dortigen Fabriken kaufen Zuckerrohr zu Preisen, die sich an den Kosten importierten Zuckers orientieren. Billigere Regionalware senkt deshalb den Ladenpreis und drückt zugleich den Rohrpreis. Dieser Zielkonflikt zwischen Verbrauchern und Bauern prägt Kenias Zuckerpolitik seit zwei Jahrzehnten.
Worauf zu achten ist:
- Ob Kenia einen förmlichen Antrag beim COMESA-Ministerrat einreicht.
- Die monatlichen Einzelhandelspreise für Zucker des Kenya National Bureau of Statistics.
- Der weitere Weg der Industrieausnahme, die Ende Juni 2026 auslief.
- Schließungen von Fabriken im Westen Kenias, die den politischen Druck für Schutzmaßnahmen rasch erhöhen würden.