Kasachstans Zuckerproduktion sinkt um 35,2 %, Importanteil steigt auf 70,4 %
Kasachstan produzierte von Januar bis Juni 2026 nur 78.000 Tonnen Zucker, 35,2 % weniger als im Vorjahr. Wegen begrenzter Rübenverarbeitung und verfehlter Branchenziele deckten Importe 2025 bereits 70,4 % des Inlandsverbrauchs.
Halbjahresproduktion fällt auf 78.000 Tonnen
Kasachstans Zuckerfabriken produzierten von Januar bis Juni 2026 insgesamt 78.000 Tonnen Zucker. Das waren 35,2 % weniger als im entsprechenden Zeitraum 2025, wie aus Daten des nationalen Statistikamtes hervorgeht, über die DKNews.kz und Zhaik.su berichteten. Der Zuckerabsatz im Inland sank im Jahresvergleich um 13,7 %, während Exporte und Reexporte um 29 % zurückgingen.
Der erneute Rückgang folgt auf mehrere Jahre mit stark schwankender Produktion. 2022 erreichte die Erzeugung den Rekordwert von 281.800 Tonnen, bevor sie 2023 um 22 % und 2024 um weitere 25 % sank. 2025 nahm die Produktion lediglich um 5,6 % auf 174.200 Tonnen zu. Der Rückgang im ersten Halbjahr 2026 zeigt, dass diese Erholung nicht von Dauer war.
Importe übernehmen einen größeren Teil des Marktes
Ausländische Lieferanten haben ihre Position parallel zur schwächeren Inlandsproduktion ausgebaut. Nach Angaben der kasachischen Wettbewerbsbehörde entfielen 2022 noch 50,2 % des Inlandsabsatzes auf heimischen Zucker und 49,8 % auf Importware. Bis 2025 stieg der Importanteil auf 70,4 %, während der Anteil kasachischer Hersteller um 20,6 Prozentpunkte auf 29,6 % fiel.
Auch die staatlichen Ziele für 2025 wurden deutlich verfehlt. Statt der angestrebten 250.000 Tonnen wurden 174.200 Tonnen Zucker produziert. Die Anbaufläche für Zuckerrüben schrumpfte auf 17.700 Hektar, obwohl eine Ausweitung auf 38.000 Hektar vorgesehen war. Die Ernte erreichte 734.700 Tonnen statt der geplanten 1,8 Millionen Tonnen. Auch das Ziel einer Selbstversorgung mit Zucker von 68 % wurde nicht erreicht.
Rübenernte und Verarbeitungskapazität passen nicht zusammen
Die Wettbewerbsbehörde sieht das Missverhältnis zwischen Rübenproduktion und Verarbeitungskapazität als ein zentrales Hindernis. 2024 ernteten die Landwirte die Rekordmenge von 1,3 Millionen Tonnen Zuckerrüben, doch die heimischen Fabriken nahmen nur rund 700.000 Tonnen an. Die Absatzprobleme führten danach zu einer kleineren Anbaufläche; die Rübenernte sank um 42,1 % auf 734.700 Tonnen. Hinzu kommen veraltete Landtechnik, knappes Betriebskapital, schwache Saatgutqualität, Defizite bei den Anbaumethoden und ein Mangel an qualifiziertem Personal.
Die Verarbeiter kämpfen mit verschlissenen Anlagen, Finanzierungsmangel und billigerem Importzucker. Die Anlagen zur Verarbeitung von Rübenzucker waren 2025 zu 89,5 % ausgelastet, während die Kapazitäten für importierten Rohrohrzucker nur zu 26,3 % genutzt wurden. Die Wettbewerbsbehörde empfiehlt weitere Modernisierungen und eine stärkere Ausrichtung der Fabriken auf heimische Rüben. Zudem sollen langfristige Verträge vor der Aussaat Mengen, Qualitätsanforderungen und Preisformeln festlegen, wie es in Frankreich, Deutschland und Polen üblich ist. Vorgeschlagen wird außerdem eine engere Überwachung von Produktion, Verbrauch und Reexporten nach dem Vorbild der Europäischen Union und Indiens.
Vollständige Marktanalyse