Kasachstan strebt 128,9 Millionen Tonnen Kohle an und erhöht die Investitionen
Kasachstan will die Kohleförderung von 115,9 Millionen Tonnen im Jahr 2025 auf 128,9 Millionen Tonnen 2026 steigern. Die Investitionen sollen 553 Milliarden Tenge erreichen, doch Grubensicherheit, Bahnlogistik und die Modernisierung der Kohleverstromung bleiben entscheidend.
Förder- und Investitionsziele steigen
Kasachstan förderte 2025 nach Angaben von np.kz 115,9 Millionen Tonnen Kohle, 7 % mehr als im Vorjahr. Rund 30 Millionen Tonnen gingen in den Export. Das Energieministerium erwartet für 2026 eine Produktion von 128,9 Millionen Tonnen. Damit bleibt Kohle ein tragender Rohstoff für Stromversorgung, Fernwärme und die metallurgische Wertschöpfungskette des Landes.
Die Investitionen im Rahmen der Arbeitsprogramme für Kohleverträge beliefen sich 2025 auf rund 305 Milliarden Tenge und sollen 2026 auf etwa 553 Milliarden Tenge steigen. Derzeit fördern rund 40 Unternehmen Kohle. Zusätzlich will die Regierung Abbaurechte für zehn Kohlevorkommen versteigern. Die Zahlen zeigen, dass Kasachstan neues Kapital in den Sektor lenken und sich nicht allein auf bestehende Bergwerke und Anlagen stützen will.
Die Verwendung des Kapitals entscheidet darüber, ob höhere Mengen die Wirtschaftlichkeit und Widerstandsfähigkeit der Branche verbessern. Benötigt werden Bergbaumaschinen, Automatisierung, Entgasungs- und Lüftungssysteme, Maßnahmen zur Qualitätssteigerung sowie Bahninfrastruktur. Qarmet erhält seit 2026 neue Vortriebstechnik. In der Schachtinskaja-Mine wird eine ferngesteuerte Teilschnittmaschine getestet; die Kohlesparte soll im Jahresverlauf acht solcher Maschinen bekommen.
Sicherheit und Löhne bleiben kritische Themen
Seit dem Tod von 46 Bergleuten in der Kostenko-Mine im Oktober 2023 lässt sich Modernisierung nicht von der Grubensicherheit trennen. Die Ursachen der Katastrophe sind weiterhin Gegenstand eines Gerichtsverfahrens und öffentlicher Aufmerksamkeit. Automatisierung kann Beschäftigte aus gefährlichen Arbeitsbereichen heraushalten: Im Tagebau Wostotschny wurde etwa ein autonomer Muldenkipper eingeführt. Ferngesteuerte Maschinen, Methansensoren, digitale Überwachung und Prognosesysteme verändern zugleich die Qualifikationsanforderungen.
Die Lohndaten verdeutlichen die sozialen Spannungen. Im November 2025 bezifferte der Gouverneur des Gebiets Karaganda den durchschnittlichen Bergarbeiterlohn auf etwa 700.000 Tenge und nannte rund 14.000 Beschäftigte. Arbeiter selbst sprachen öffentlich von eher 400.000 Tenge. Laut nationaler Statistik lag der durchschnittliche nominale Monatslohn im Bergbau im zweiten Quartal bei 888.900 Tenge. Diese Kennzahl teilt jedoch die gesamte Lohnsumme durch die Beschäftigtenzahl. Im Vorjahr betrug der nominale Durchschnitt 866.500 Tenge, während der häufigste Lohn bei 372.600 Tenge oder 43 % des Nominalwerts lag.
Exporte hängen von Korridoren und Frachtkosten ab
Kasachstan liefert Kohle unter anderem nach Russland, Polen, Usbekistan, in die Türkei, nach Indien und Malaysia. Die Ausfuhren in die Türkei sollen sich im ersten Halbjahr 2026 auf 1,6 Millionen Tonnen verdoppelt haben. Kohle ist jedoch ein massenhaft transportierter Rohstoff mit relativ geringem Warenwert. Bahntarife und der Zugang zu Exportkorridoren sind deshalb ebenso wichtig wie Preis und Qualität. Für weiteres Wachstum müssen Produzenten bei den Kosten bis zum Kunden konkurrieren, nicht nur beim Preis am Bergwerk.
China förderte 2025 mehr als 4,6 Milliarden Tonnen und damit über die Hälfte der weltweiten Menge. Das zeigt, dass die internationale Kohlenachfrage nicht kurzfristig verschwinden wird, zugleich aber sehr große Produzenten den Wettbewerb prägen. Ohne höhere Produktivität, bessere Qualität und effizientere Logistik wären zusätzliche kasachische Mengen besonders anfällig für Frachtkosten und schwankende Auslandsnachfrage.
Der heimische Strombedarf stützt den Sektor
Die Regierung will die Stromerzeugung 2026 auf 126,5 Milliarden kWh erhöhen. Zudem wird ein nationales Entwicklungsprojekt für die Kohleverstromung vorbereitet, das Vorhaben mit insgesamt rund 7,6 GW umfassen soll. Strom- und Wärmeerzeugung im Inland bleiben damit bedeutende Nachfragetreiber, auch wenn Kasachstan erneuerbare Energien ausbaut.
Förderziel, Investitionsprogramm und geplante Kraftwerksleistung bieten die Chance, die gesamte Kohlekette zu modernisieren. Sie erhöhen aber auch die Kosten von Fehlentscheidungen. Neue Förderkapazitäten benötigen sichere Betriebe, verlässliche Bahnverbindungen und effizientere Kraftwerke, wenn sie die Energiesicherheit stärken und nicht nur alte Infrastruktur verlängern sollen. Für Bergwerke, Ausrüster, Versorger und Exporteure zählt daher, welcher Anteil der 553 Milliarden Tenge tatsächlich Risiken und Lieferkosten senkt.