Kasachstan steigert Anbaufläche 2026 auf Rekordwert von 20,805 Millionen Hektar
Kasachstans Anbaufläche für Getreide, Hülsenfrüchte und Ölsaaten erreichte 2026 mit 20,805 Millionen Hektar einen Rekord und stieg um 4,8 %. Landwirte reduzierten Weizen zugunsten von Ölsaaten, Gerste und Körnermais.
Gesamtfläche erreicht historischen Höchststand
Kasachstan bestellte 2026 eine Rekordfläche von 20,805 Millionen Hektar mit Getreide, Hülsenfrüchten und Ölsaaten. Das geht aus endgültigen Daten des nationalen Statistikamtes hervor, die Zol.ru veröffentlichte. Die Fläche lag um 949.000 Hektar oder 4,8 % über dem Vorjahreswert und erreichte den höchsten Stand seit Beginn der Erfassung.
Jewgeni Karabanow, Leiter des Analyseausschusses der Getreideunion Kasachstans, verwies auf eine deutliche Verschiebung im Anbaumix. Die Getreidefläche sank um 1,8 % auf 14,855 Millionen Hektar, die Fläche für Hülsenfrüchte um 0,8 % auf 770.800 Hektar. Ölsaaten legten dagegen um 31,1 % auf den Rekordwert von 5,179 Millionen Hektar zu.
Weizen weicht profitableren Kulturen
Die Fläche für Weich- und Hartweizen verringerte sich um 796.000 Hektar oder 5,9 % auf 11,399 Millionen Hektar und damit auf den niedrigsten Stand seit sechs Jahren. Karabanow begründete dies mit dem Wechsel zu rentableren Ölsaaten. Die Rekordfläche insgesamt bedeutet daher nicht automatisch eine größere Weizenernte, denn auch Erträge und Wetterbedingungen entscheiden über die Produktion.
Gerste gewann 415.000 Hektar oder 18,2 % hinzu und erreichte fast 2,7 Millionen Hektar, den höchsten Wert seit fünf Jahren. Gute Margen und ein Preis nahe dem Weizenpreis stützten den Anbau. Die Körnermaisfläche stieg um 105.000 Hektar oder 59,6 % auf 280.600 Hektar und damit auf ein Achtjahreshoch.
Karabanow führte den Maiszuwachs auf hohe Preise, Rentabilität und die Binnennachfrage eines kürzlich in Schu eröffneten Tiefverarbeitungswerks von Fufeng Group Kazakhstan zurück. Das Projekt zeigt, wie neue Verarbeitungskapazitäten durch einen lokalen Absatzkanal unmittelbar die Anbauentscheidungen beeinflussen können.
Ölsaaten treiben das Wachstum
Raps verzeichnete unter den Ölsaaten den stärksten prozentualen Zuwachs. Die Fläche nahm um 52,6 % auf den historischen Höchstwert von 493.000 Hektar zu. Nachfrage, hohe Preise und attraktive Margen förderten die Expansion. Öllein gewann 557.000 Hektar oder 41,3 % hinzu und erreichte den Rekordwert von 1,904 Millionen Hektar. Laut Karabanow liegt Kasachstan damit weltweit an erster Stelle bei der Ölleinfläche.
Die Sonnenblumenfläche wuchs um 425.000 Hektar oder 23,9 % auf den Rekordwert von 2,202 Millionen Hektar. Auch hier nannte Karabanow Nachfrage und Rentabilität als Gründe. Lein, Sonnenblumen und Raps tragen einen großen Teil der Verlagerung zu Ölsaaten und könnten den Bedarf an Trocknung, Lagerung, Umschlag und Verarbeitung nach der Ernte erhöhen.
Die breitere Diversifizierung begünstigt außerdem Saflor, Mais und Gerste, während Weizen, Reis, Sojabohnen und Linsen Fläche verlieren. Für Erzeuger verteilt dies das Risiko auf mehr Kulturen, erhöht aber zugleich die Anforderungen an kulturspezifische Logistik, Qualitätsmanagement und den Zugang zu Abnehmern.
Karabanow warnte, Kasachstan müsse neue Annahmestellen, Silos und betriebliche Aufbereitungsanlagen errichten sowie bestehende Kapazitäten modernisieren. Ohne zusätzliche Infrastruktur werde ein weiterer Ausbau der Ölsaatenfläche schwierig. Das Produktions- und Exportpotenzial hängt noch von Erträgen und Erntebedingungen ab, doch die Flächenentwicklung signalisiert bereits eine größere Bedeutung von Ölsaaten in der kasachischen Agrarlieferkette.