Kasachstan investiert 120,1 Milliarden Tenge in Zuckerindustrie bei 70,4% Importanteil
Kasachstan plant in der Region Schambyl eine neue Zuckerproduktion und die Modernisierung einer bestehenden Fabrik für zusammen 120,1 Milliarden Tenge. Die Projekte können die heimische Produktion ab 2027 erhöhen, doch weniger Importabhängigkeit setzt mehr Zuckerrüben aus heimischem Anbau voraus.
Zwei Zuckerprojekte sollen 2027 anlaufen
Kasachstan will 120,1 Milliarden Tenge in die Zuckerproduktion in der Region Schambyl investieren, um die starke Abhängigkeit von ausländischen Lieferungen zu verringern. Laut Steppe News und Total.kz umfasst das Programm eine neue Produktionsanlage für 110 Milliarden Tenge und die Modernisierung einer bestehenden Zuckerfabrik für 10,1 Milliarden Tenge. Beide Projekte sollen 2027 den Betrieb aufnehmen.
Die Investitionen betreffen einen Markt, auf dem Importe derzeit 70,4% des Angebots decken, während 29,6% auf die Produktion in Kasachstan entfallen. Das staatliche Konzept zur Entwicklung der Landwirtschaft sieht den Berichten zufolge bis 2030 einen Selbstversorgungsgrad bei Zucker von 83% vor. Dieses Ziel hängt jedoch nicht allein von der installierten Verarbeitungstechnik ab.
Inländische Verarbeitung kann weiter Importrohstoff benötigen
Saida Tleulenova, Finanzexpertin beim Qazaq Expert Club, erklärte gegenüber den Publikationen, dass eine höhere inländische Zuckerproduktion nicht mit einem höheren Anteil heimischer Rohstoffe gleichzusetzen sei. Kasachstan könnte in den neuen Anlagen importierten Rohzucker verarbeiten. Damit würde zwar mehr Fertigzucker als inländische Produktion erfasst, die Abhängigkeit der Branche von Lieferungen aus dem Ausland aber nicht wesentlich sinken.
Wächst der heimische Zuckerrübenanbau nicht im gleichen Tempo wie die Verarbeitungskapazität, können die Fabriken die Lücke mit importiertem Rohstoff schließen. Dadurch ließen sich Einfuhren von Fertigzucker teilweise ersetzen, doch die Importabhängigkeit würde lediglich auf eine frühere Stufe der Wertschöpfungskette verlagert. Der Markt bliebe trotz zusätzlicher Verarbeitung im Inland anfällig für Weltmarktpreise und Störungen der internationalen Logistik.
Das wirtschaftlich sinnvolle Verhältnis zwischen heimischen Rüben und importiertem Rohstoff wird Tleulenova zufolge von Produktionskosten, Erträgen, Wasserverfügbarkeit, Logistik und staatlicher Unterstützung bestimmt. Importe können zudem den Wettbewerb fördern und Engpässe nach einer schlechten Ernte oder bei steigender Nachfrage ausgleichen. Ein strategisch bedeutender Teil des Verbrauchs sollte aus heimischer Produktion stammen, allerdings nicht um jeden Preis.
Rübenangebot muss mit den Fabrikkapazitäten wachsen
Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit ist deshalb, die landwirtschaftliche Rohstoffbasis schon vor 2027 vorzubereiten. Landwirte benötigen neben ausreichender Anbaufläche Zugang zu Wasser, hochwertigem Saatgut, moderner Technik und Finanzierung. Der Rübenanbau muss für sie zugleich rentabel sein. Verarbeiter brauchen planbare Rohstoffmengen, während der produzierte Zucker einen stabilen Absatzmarkt benötigt. Schwächen an einer Stelle dieser Kette könnten zur Unterauslastung der neuen Anlagen oder zum überwiegenden Einsatz von importiertem Rohzucker führen.
Der Erfolg der Investitionen von 120,1 Milliarden Tenge sollte nach Tleulenovas Einschätzung an drei Ergebnissen gemessen werden: dem Wachstum der Fertigzuckerproduktion in Kasachstan, dem Anteil heimischer Rüben am Rohstoffeinsatz und der Auslastung der neuen Kapazitäten. Der Bau der Anlagen allein belegt noch keinen Rückgang der Importabhängigkeit. Verbessern sich Rübenfläche, Wasserversorgung und Wirtschaftlichkeit für die Landwirte parallel zur Verarbeitung, kann Kasachstan seine heimische Zuckerkette stärken. Andernfalls wird das Land zwar mehr Zucker vor Ort herstellen, aber weiterhin umfangreich ausländische Rohstoffe benötigen.
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