Transit kasachischer Kohle über russische Ostsee- und Südhäfen steigt um 26 %
Russische Ostsee- und Südhäfen schlugen von Januar bis Juli 2026 insgesamt 7,9 Millionen Tonnen kasachische Kohle um, 26 % mehr als im Vorjahr. Der Zuwachs glich den Rückgang russischer Kohle um 1 % aus, doch Sicherheitsrisiken störten im August die Transporte über das Schwarze Meer.
Kasachischer Transit trägt das Wachstum der Terminals
Der Umschlag kasachischer Kohle über russische Ostsee- und Südhäfen erreichte von Januar bis Juli 2026 nach Angaben von Ulysmedia.kz insgesamt 7,9 Millionen Tonnen. Das waren 1,6 Millionen Tonnen oder 26 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit gewinnt kasachische Ware in den Güterströmen der nordwestlichen und südlichen Terminals Russlands an Gewicht.
Auf denselben Routen wurden 35,4 Millionen Tonnen russische Kohle umgeschlagen, 1 % weniger als im Vorjahr. Zusammen kamen russische und kasachische Mengen auf 43,3 Millionen Tonnen. Das entspricht einem Zuwachs von 1,3 Millionen Tonnen oder 3 %. Der kasachische Transit lieferte somit den gesamten Nettozuwachs und kompensierte den Rückgang russischer Ladung.
Bahnvereinbarung und Sanktionsausnahme stützen die Mengen
Dem Anstieg gingen zwei Veränderungen in Logistik und Regulierung voraus. Die Russische Eisenbahn und die kasachische Staatsbahn Kazakhstan Temir Zholy vereinbarten im April 2025, mehr kasachische Kohle zu russischen Häfen zu befördern. Für das Binnenland Kasachstan verbesserte die Vereinbarung den Zugang über das russische Schienennetz zu Seeterminals.
Im Juli 2025 nahm die Europäische Union außerdem Geschäfte mit mehreren russischen Häfen von den Sanktionen aus, sofern sie dem Transit von Kohle kasachischen Ursprungs dienen. Dadurch verringerte sich ein regulatorisches Hindernis für Unternehmen, die nicht russische Ladung auf ihrem Weg durch Russland abfertigen.
Das Wachstum unterstreicht zugleich, wie stark Kasachstan beim Zugang zu den Seemärkten auf Transitinfrastruktur angewiesen ist. Russische Bahnbetreiber und Hafenterminals erhalten zusätzliches Frachtaufkommen, während die heimischen Kohlemengen auf diesen Routen sinken. Für Produzenten und Händler hängen die Absatzmöglichkeiten sowohl von der Bahnkapazität als auch von der Bereitschaft ausländischer Schiffe ab, die betreffenden Häfen anzulaufen.
Störung am Schwarzen Meer gefährdet Lieferungen
Diese Verwundbarkeit zeigte sich im August, als die Verschiffung russischer und kasachischer Kohle über Schwarzmeerhäfen nahezu zum Erliegen kam. Ulysmedia.kz zufolge mieden ausländische Reeder nach ukrainischen Drohnenangriffen auf zivile Handelsschiffe die Häfen im Asow-Schwarzmeer-Becken. Die Störung trifft russische Exporte und kasachischen Transit, obwohl Herkunft und regulatorischer Status der Ladungen unterschiedlich sind.
Ein von der Publikation zitierter Branchenbericht schätzt, dass dem Weltmarkt in der zweiten Hälfte 2026 insgesamt 10–12 Millionen Tonnen Kohle fehlen könnten, falls die Angriffe anhalten und die Häfen stillstehen. Sollte sich die Lage in der Region nicht lösen, könnten sich die Verluste 2027 verdoppeln. Die Schätzungen sind an Bedingungen geknüpft, zeigen aber, dass die Sicherheitslage an den Südhäfen die Vorteile der Bahnvereinbarung und der Sanktionsausnahme überlagern kann.
Kasachische Inlandspreise ziehen an
Der steigende Transit fällt mit höheren Kohlepreisen in Kasachstan zusammen. Von Januar bis August stiegen die Einzelhandelspreise im Jahresvergleich um 7,9 %, während eine Tonne in einzelnen Regionen mehr als 20.000 Tenge kostete. Im August lagen die Preise in Ust-Kamenogorsk bei etwa 17.500–17.700 Tenge je Tonne und in Petropawl bei rund 22.500 Tenge.
Die kasachische Kartellbehörde stuft den Binnenmarkt als stark konzentriert ein, weil wenige große Unternehmen den Großteil kontrollieren. Ein neuer Anbieter müsste eine neue Lagerstätte erschließen, was mindestens 4,5–7 Milliarden Tenge kosten würde. Höhere Transitmengen verbessern zwar Kasachstans Zugang zu Seewegen, doch Produzenten, inländische Käufer und Händler bleiben von konzentriertem Angebot, steigenden Inlandspreisen und Störungen des russischen Exportkorridors abhängig.