Kamerun eröffnet Kakaosaison 2026-2027 und verweist Exporteure auf Nigeria
Kamerun hat am 6. August in Jaunde die Kakaosaison 2026-2027 eröffnet; das Handelsministerium präsentiert Nigeria als neuen Absatzmarkt für Bohnen, während die Weltmarktpreise von den Rekorden der Jahre 2023 und 2024 zurückkommen. Die heimische Verarbeitung stieg um knapp 28% auf 109.431 Tonnen, offiziell kaufte Nigeria 2024-2025 jedoch nur 2.100 der insgesamt 192.013 exportierten Tonnen. Verträge, Abnahmezusagen oder Exportziele wurden bislang nicht genannt.
Kamerun hat am 6. August in Jaunde die Kakaosaison 2026-2027 eröffnet – unter deutlich anderen Marktbedingungen als in den beiden Vorsaisons. Die Weltmarktpreise korrigieren nach den Rekorden von 2023 und 2024, und das Handelsministerium spricht laut newsducamer.com von einer „großen Zyklusumkehr“. Das Ministerium präsentiert nun das Nachbarland Nigeria als neuen Absatzmarkt für kamerunische Bohnen und sucht neue Wachstumsträger für die Branche.
Die Saison beginnt im Nachgang des Gipfels von Abuja, auf dem Afrikas vier größte Produzenten – Côte d’Ivoire, Ghana, Kamerun und Nigeria – das gemeinsame Ziel formuliert haben, mehr Bohnen auf dem Kontinent zu verarbeiten und einen größeren Teil der Wertschöpfung zu behalten. Allein Côte d’Ivoire und Ghana liefern rund 60% der Weltproduktion; zusammen mit Kamerun und Nigeria bilden sie eine Gruppe, die den internationalen Markt dauerhaft beeinflussen kann. Dennoch entfällt auf Afrika bislang nur ein kleiner Teil der Erlöse einer globalen Schokoladenindustrie, die auf mehr als 100 Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt wird. Die Afrikanische Kontinentale Freihandelszone mit 1,4 Milliarden Verbrauchern gilt als Kanal, über den lokal verarbeitete Ware schrittweise aufgenommen werden könnte.
Warum Nigeria
Nigeria vereint knapp 245 Millionen Einwohner mit einer auf 150.000 Tonnen geschätzten jährlichen Verarbeitungskapazität und ist damit für kamerunische Exporteure ein Regionalmarkt ganz anderer Größenordnung. Erklärtes Ziel des Ministeriums ist es, die Abhängigkeit von den europäischen Märkten zu verringern und zugleich den regionalen Handel auszubauen.
Die zweite Hälfte der Strategie ist die heimische Verarbeitung
Zahlen des nationalen Kakao- und Kaffeeamts (ONCC) zeigen einen Anstieg der lokalen Verarbeitung um fast 28% innerhalb einer Saison auf 109.431 Tonnen. Die installierte Industriekapazität beziffert das Ministerium auf rund 250.000 Tonnen, das entspricht 70 bis 80% der in den vergangenen Jahren erzeugten Mengen. Es verknüpft diesen Ausbau direkt mit den Erzeugerpreisen: „Das neue Element, das für die Verbesserung des Erzeugerpreises entscheidend sein könnte, ist der Ausbau der lokalen Verarbeitung“, heißt es in der Mitteilung.
- Vermarktete Produktion: rekordhohe 309.518 Tonnen in der Saison 2024-2025, die am 15. Juli 2025 endete
- Exporte: 192.013 Tonnen nach 185.613 Tonnen in der Vorsaison
- Heimische Verarbeitung: 109.431 Tonnen, ein Plus von knapp 28%
- Offiziell erfasste Lieferungen nach Nigeria: 2.100 Tonnen – damit größter afrikanischer Käufer kamerunischen Kakaos
Handelsströme, die es längst gibt – meist informell
Erhebungen des Institut national de la statistique zufolge entfielen 2024 auf die nigerianische Nachfrage 64,8 Milliarden FCFA der informellen Ausfuhren Kameruns, also 30,8% des Gesamtvolumens. Kakaobohnen dominieren diese Ströme mit 41,4 Milliarden FCFA – knapp zwei Drittel der Einnahmen aus dem Handel mit Nigeria – und legten binnen eines Jahres um 145,6% zu.
Das Ausmaß des nicht erfassten Handels hat bereits zu Eingriffen geführt. In der Saison 2022-2023 bezifferten die Behörden die Verluste durch betrügerische Kakaoexporte nach Nigeria auf knapp 70 Milliarden FCFA; Luc Magloire Mbarga Atangana untersagte die Ausfuhr von Bohnen in das Nachbarland und führte anschließend verschärfte Kontrollen für Land-, See- und Luftausfuhren ein. Die 2.100 Tonnen, die Nigeria 2024-2025 offiziell kaufte, bleiben gemessen an 192.013 Tonnen Gesamtexport bescheiden, markieren aber den Beginn einer Formalisierung.
Ankündigungen vor Verträgen
Bislang wurde kein Handelsvertrag zwischen nigerianischen Verarbeitern und kamerunischen Marktteilnehmern bekannt gegeben, keine Abnahmezusage kommuniziert, kein Exportziel gesetzt und kein Zeitplan für den Hochlauf vorgelegt. Die Umsetzung hängt von der Transportinfrastruktur, vereinfachten Zollverfahren, der Erfüllung nigerianischer Regulierungsanforderungen und der Konkurrenz anderer Produzenten der Subregion ab.
Das ONCC treibt den Umbau der Branche weiter voran. Am 13. Januar 2026 versammelte Generaldirektor Michael Ndoping Exporteure, Zoll und Verwaltungsbehörden, um den Handel mit Nigeria besser zu koordinieren; parallel werden neue, an der Afrikanischen Kontinentalen Freihandelszone ausgerichtete Rechtstexte umgesetzt. Zudem beschleunigt das Amt den Aufbau eines nationalen einheitlichen Rückverfolgbarkeitssystems für Kakao, das neuen internationalen und insbesondere europäischen Anforderungen genügen und zugleich die Ausfuhren in die Nachbarmärkte absichern soll.