Kambodschas Reisexporte steigen um 67,6 Prozent auf knapp 800.000 Tonnen
Kambodscha hat von Januar bis August 2026 knapp 800.000 Tonnen geschälten Reis exportiert, ein Plus von 67,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das berichtet lepetitjournal.com unter Berufung auf den kambodschanischen Reisverband. Der Exportwert erreichte 464,2 Millionen US-Dollar.
Kambodscha hat in den ersten acht Monaten des Jahres 2026 knapp 800.000 Tonnen geschälten Reis exportiert und damit 67,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Zahlen des kambodschanischen Reisverbands werden von lepetitjournal.com berichtet. Der Exportwert erreichte im gleichen Zeitraum 464,2 Millionen US-Dollar, ein Zuwachs von 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der Abstand zwischen beiden Wachstumsraten prägt das bisherige Jahr. Die Menge legte etwa doppelt so schnell zu wie der Erlös, woraus sich ein durchschnittlicher Exportpreis von rund 580 US-Dollar je Tonne und ein zweistelliger Rückgang des Werts je verschiffter Tonne ergibt. Ursache ist die Verschiebung des Sortiments hin zu günstigeren Qualitäten für regionale Abnehmer.
Europa bleibt nach Wert führend
Europa ist weiterhin der wertvollste Absatzmarkt für kambodschanischen Reis und nahm von Januar bis August Lieferungen im Wert von 175,6 Millionen US-Dollar auf. Es folgen der Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN) mit 122,9 Millionen US-Dollar und China mit 105,3 Millionen US-Dollar.
- Europa: 175,6 Millionen US-Dollar
- ASEAN: 122,9 Millionen US-Dollar
- China: 105,3 Millionen US-Dollar
Da europäische Käufer vor allem hochpreisige Qualitäten ordern, hält die Region den ersten Platz nach Wert, obwohl die dorthin verschiffte Tonnage unter den Mengen nach Südostasien liegt. Für kambodschanische Mühlen und Exporteure liefert Europa damit Marge, nicht Durchsatz.
ASEAN wird nach Menge zum größten Ziel
Südostasien ist mengenmäßig an die Spitze gerückt und nahm mehr als 315.000 Tonnen ab. Der regionale Markt steht nach Angaben von lepetitjournal.com inzwischen für rund 40 Prozent der kambodschanischen Reisexporte, bei einem Wachstum von 400 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Den größten Teil dieses Zuwachses trugen die Philippinen. Das Land importierte in den acht Monaten 122.000 Tonnen kambodschanischen Reis, mehr als das 34-Fache der Einkäufe von 2025. Hintergrund ist der Kurs Manilas zur Stärkung der Ernährungssicherheit. Gestützt wird der Handel zusätzlich durch eine neue direkte Massengutverbindung zwischen Sihanoukville und Cebu, die Logistikkosten senkt und die Anlieferung auf den philippinischen Markt vereinfacht.
Duftreis verliert Anteile an Weiß- und Bruchreis
Mit dem Exportschub verändert sich auch die Angebotsstruktur. Duftreis machte in den ersten acht Monaten 2026 noch 58 Prozent der kambodschanischen Ausfuhren aus, nach 64 Prozent im Jahr 2025 und 76 Prozent im Jahr 2024. Die abgegebenen Anteile gingen an Weißreis und Bruchreis, die preislich wettbewerbsfähiger sind und der Nachfrage der südostasiatischen Märkte näher kommen.
Darin liegt die mechanische Erklärung dafür, dass der Erlös hinter der Menge zurückbleibt. Ein zu Weiß- und Bruchreis verschobener Ladungsmix drückt den durchschnittlich erzielten Preis je Tonne selbst bei stark steigenden Verschiffungen und bringt kambodschanische Exporteure in direkten Wettbewerb mit den etablierten Anbietern im unteren und mittleren Preissegment, die den Reishandel innerhalb der ASEAN prägen.
Die nächsten Engpässe der Branche
Nach Darstellung von lepetitjournal.com besteht die Aufgabe der kambodschanischen Reiswirtschaft nun darin, die Produktion von geschältem Reis weiter hochzufahren, die regionalen Märkte breiter aufzustellen und die ertragsstärksten Absatzwege zu festigen, allen voran Europa als weiterhin erster Markt nach Wert. Die praktische Grenze bilden Mühlenkapazität und Verarbeitungskosten: Bei sinkenden Stückwerten führt zusätzliche Menge nur dann zu stabilen Erlösen, wenn die Kosten für die Verarbeitung von Rohreis zu exportfähigem Schälreis im gleichen Tempo fallen. Die Route Sihanoukville-Cebu zeigt dieselbe Logik auf der Frachtseite: Ein kurzer, dedizierter Massengutdienst beseitigt einen Teil des Kostennachteils, der kambodschanischen Reis zuvor aus großen regionalen Ausschreibungen heraushielt.
Für Importeure und Händler markieren die Zahlen des kambodschanischen Reisverbands den Übergang des Landes von einem Nischenursprung, der vor allem für hochwertigen Duftreis bekannt war, zu einem Mengenlieferanten für Südostasien — bei gleichzeitigem Erhalt eines margenstarken Europageschäfts, das auf einem schrumpfenden, aber weiterhin dominierenden Duftreissegment beruht.