Jute verliert in Bangladesch trotz Verpackungspflicht an Kunststoff
Bangladeschs Verpackungspflicht gilt für 19 wichtige Waren, doch Kunststoffsäcke bleiben wegen schwacher Kontrollen, geringerer Kosten und Zweifeln an der Juteversorgung verbreitet. Die Branche plädiert für eine schrittweise Umsetzung, zunächst bei Rohreis, Reis und Weizen.
Verpackungspflicht zeigt kaum Wirkung
Bangladeschs Pflicht zur Verwendung von Juteverpackungen hat nicht verhindert, dass Kunststoffsäcke im heimischen Lebensmittelmarkt wieder an Boden gewinnen. Das Land ist der weltweit zweitgrößte Produzent der umweltfreundlichen Naturfaser Jute. Schwache Kontrollen und wirtschaftliche Hürden begrenzen jedoch die Nachfrage nach Juteverpackungen. The Daily Star stellte auf Märkten in den Dhakaer Stadtteilen Mirpur, Mohammadpur und Karwan Bazar fest, dass Reis weithin in Kunststoffsäcken angeboten wurde.
Die Regierung verabschiedete 2010 das Gesetz zur obligatorischen Nutzung von Juteverpackungen. Zunächst schrieb es Jutesäcke für Lagerung, Lieferung und Verpackung von Reis vor. Innerhalb von etwa fünf Jahren setzte sich Jute bei Reismühlen stärker durch. Viele Verarbeiter und Händler wechselten später jedoch zurück zu Kunststoff, nachdem Reisimporte aus Indien in Kunststoffsäcken auf den Markt kamen.
Das Gesetz erfasst inzwischen 19 wichtige Waren, darunter Reis, Weizen, Mais, Hülsenfrüchte und Mehl. 2017 kamen Chili, Kurkuma, Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer, Koriander und Kartoffeln hinzu, 2018 außerdem Geflügel- und Fischfutter. Bei Verstößen drohen bis zu einem Jahr Haft, eine Höchststrafe von 50.000 Taka oder beides.
Kosten, Haltbarkeit und Angebot bremsen Jute
Unternehmen erkennen die Umweltgefahren von Kunststoff an, bezweifeln aber, dass einheimische Werke genügend Jutesäcke herstellen können. Ein leitender Mitarbeiter eines großen Lebensmittelimporteurs und -verarbeiters erklärte The Daily Star, Kunststoff sei wegen der niedrigeren Kosten und höheren Haltbarkeit praktischer. Jutesäcke nehmen zudem schnell Feuchtigkeit auf, wodurch Waren wie Mehl oder Zucker verderben können.
Auch die rechtliche Vorgeschichte erschwert die Durchsetzung. Nach einer Klage beim High Court erging 2012 eine einstweilige Anordnung, die eine weitere Nutzung von Kunststoffsäcken erlaubte. AKM Khorshed Alam, Präsident des Verbands der automatisierten Reismühlen Bangladeschs, sagte, nur wenige Händler verwendeten derzeit Jutesäcke. Er machte die fehlenden strengen Maßnahmen der früheren Regierung dafür verantwortlich.
Abdul Barik Khan, Generalsekretär des Verbands der Jutefabriken Bangladeschs, sieht in einer konsequenten Durchsetzung eine Chance zur Wiederbelebung der Branche und zur Unterstützung von Millionen Jutebauern. Er fordert eine Pflicht für sämtliche Reismühlen und den Entzug der Betriebslizenz bei Verstößen. Abdur Rauf, Staatssekretär im Ministerium für Textilien und Jute, räumte ein, dass das Gesetz im vorausgegangenen Jahrzehnt nicht durchgesetzt worden sei.
Behörden erwägen stufenweise Einführung
Die Behörden haben einen neuen Anlauf angekündigt. Laut Rauf soll die Umsetzung bei Supermärkten beginnen; Branchenvertreter hätten eine schnelle Bereitstellung von Jutesäcken vereinbart. Umweltberaterin Syeda Rizwana Hasan stellte politische Unterstützung für Unternehmen in Aussicht, die Juteprodukte einsetzen. Textil- und Juteberater M Sakhawat Hossain nannte Rohreis, Reis und Weizen als erste Prioritäten.
Die Produktionskapazität bleibt entscheidend. Khondaker Golam Moazzem, Forschungsdirektor des Centre for Policy Dialogue, erklärte, die lokalen Jutefabriken könnten die Nachfrage wahrscheinlich nicht sofort decken. Vor der Durchsetzung seien Vorbereitungen nötig; eine Konzentration auf vorrangige Waren sei leichter als die gleichzeitige Anwendung auf alle 19 Produktgruppen. Bauern und Werke benötigen eine verlässlich durchgesetzte Nachfrage. Verarbeiter und Händler brauchen zugleich ausreichende Mengen, wettbewerbsfähige Preise und Verpackungen, die feuchtigkeitsempfindliche Lebensmittel schützen.