Jordanien verzichtet nach besserer Ernteprognose auf tunesische Olivenölimporte
Jordaniens heimische Erzeugung soll den Olivenölbedarf in dieser Saison decken, sodass keine Importe aus Tunesien erforderlich sind. Die vorläufige Prognose liegt bei 210.000 bis 220.000 Tonnen Oliven, von denen rund 180.000 Tonnen zur Verarbeitung bestimmt sind.
Heimische Ernte soll die Nachfrage decken
Jordanien rechnet in der laufenden Saison nicht mit Importen von tunesischem Olivenöl, da sich die Aussichten für die heimische Oliven- und Olivenölproduktion verbessert haben. Khalil Amro, stellvertretender Generalsekretär für pflanzliche Ressourcen im Landwirtschaftsministerium, sagte in der Sendung Al Wakeel von Radio Hala, die vorläufigen Prognosen ließen eine ausreichende Versorgung der Verbraucher mit heimischem Öl erwarten.
Nach Angaben von Al Wakeel News dürfte Jordanien zwischen 210.000 und 220.000 Tonnen Oliven ernten. Etwa 40.000 Tonnen sind für Tafeloliven und eingelegte Produkte vorgesehen, sodass rund 180.000 Tonnen zur Verarbeitung verbleiben. In einem weiteren Bericht bezifferte die Publikation die erwartete Olivenölproduktion der Saison auf rund 30.000 Tonnen.
Die Prognose betrifft Erzeuger, Ölmühlen, Vertriebsgesellschaften und Einzelhändler unmittelbar. Eine Ernte dieser Größenordnung würde den heimischen Mühlen ein beträchtliches Rohstoffvolumen sichern und der Regierung erlauben, auf eine erneute außerordentliche Öffnung für ausländisches Öl zu verzichten. Laut Amro deckt die jordanische Produktion den nationalen Bedarf normalerweise ab und erzeugt darüber hinaus einen Überschuss.
Importe waren eine Sondermaßnahme gegen den Engpass
In der vorherigen Saison hatte das Ministerium Importe zugelassen, um eine Versorgungslücke zu schließen. Frühere Berichte von Al Wakeel News führten den Bedarf an tunesischem Öl auf schwache Niederschläge und einen Rückgang der heimischen Produktion zurück. Es wurden Einfuhrlizenzen für 7.000 bis 8.000 Tonnen erteilt; eine gemeldete Lieferung umfasste rund 3.000 Tonnen.
Das importierte tunesische native Olivenöl extra wurde über die zivile und die militärische Verbrauchergesellschaft vertrieben. Al Wakeel News nannte einen Einzelhandelspreis von 21 jordanischen Dinar je Fünf-Liter-Behälter. Das Produkt profitierte von der Zollfreiheit im Warenverkehr zwischen arabischen Staaten, musste aber zugleich jordanische Normen einschließlich der Verpackungsvorschriften erfüllen.
Der Verzicht auf weitere Käufe verändert kurzfristig den bilateralen Olivenölhandel. Tunesische Lieferanten verlieren die Absatzchance, die durch Jordaniens schwächere Ernte entstanden war. Jordanische Landwirte und Verarbeiter sind in der Vermarktungssaison zugleich einem geringeren Importdruck ausgesetzt. Die Haltung des Ministeriums stellt Einfuhren jedoch als Reserveinstrument und nicht als dauerhaftes Verbot dar: Ausländisches Öl kam zum Einsatz, als die heimische Produktion den Markt nicht versorgen konnte.
Preise werden die Prognose auf die Probe stellen
Amro erwartet Preise, die für jordanische Haushalte bezahlbar und zugleich für die Landwirte angemessen sind. Er wies außerdem darauf hin, dass das Ministerium die Olivenölpreise nicht festlegt. Das tatsächliche Marktniveau wird deshalb von der Erntemenge, der Ölausbeute sowie den Geschäften zwischen Erzeugern, Mühlen, Großhändlern und Einzelhändlern abhängen.
Für Marktteilnehmer sind die rund 180.000 Tonnen Oliven, die in die Verarbeitung gehen sollen, entscheidender als die gesamte Früchteernte. Werden daraus die prognostizierten 30.000 Tonnen Öl gewonnen, dürfte das heimische Angebot die Entscheidung gegen Importe tragen. Ohne tunesische Lieferungen gewinnen lokale Produktion und Vertrieb mehr Einfluss auf die Preisbildung. Sollten die endgültigen Mengen hinter der vorläufigen Schätzung zurückbleiben, könnten die Behörden ausländische Lieferungen erneut prüfen.