In Spanien ist jedes siebte gezapfte Bier alkoholfrei
Alkoholfreies Bier dürfte in Spanien auf mehr als 14% des Bierkonsums kommen; bei gezapftem Bier ist bereits jede siebte Bestellung alkoholfrei. Das Wachstum tragen vor allem klassische Biertrinker, die je nach Anlass zwischen beiden Varianten wechseln.
Alkoholfreies Bier wird zum Massenprodukt
In Spanien ist inzwischen jedes siebte bestellte Fassbier alkoholfrei. Der Anteil am nationalen Bierkonsum dürfte laut Las Provincias auf mehr als 14% steigen. Spanien ist zugleich der größte Produzent und Verbraucher dieser Kategorie in der Europäischen Union: Jedes vierte in der EU ausgeschenkte alkoholfreie Bier wird im Land bestellt.
Das Wachstum kommt nicht nur von Menschen, die vollständig auf Alkohol verzichten. Fast 90% der Konsumenten alkoholfreier Biere trinken auch regelmäßig klassisches Bier. Sie wechseln je nach Tageszeit, Ort und späteren Verpflichtungen wie dem Autofahren. Ein Produkt, das früher vor allem mit ärztlichen Empfehlungen oder Verkehrskontrollen verbunden war, gehört heute selbstverständlich zu Mahlzeiten und geselligen Treffen.
Biermarkt stabilisiert sich nach der Pandemie
Der gesamte Bierkonsum in Spanien liegt bei rund 50,5 Litern je Einwohner und Jahr. Auf dem Binnenmarkt wurden 2025 insgesamt 38,2 Millionen Hektoliter verkauft, 1% weniger als 2024. Das geht aus dem von Cerveceros de España und dem Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Ernährung erstellten Branchenbericht für 2025 hervor. Trotz des Rückgangs blieb das Gesamtvolumen über dem Niveau vor 2019.
Die Vertriebskanäle entwickelten sich unterschiedlich. Die Aktivität im Gastgewerbe sank 2025 um 0,3%, während der Bierabsatz in diesem Kanal im Jahresvergleich um 2,4% zurückging. Super- und Verbrauchermärkte legten dagegen um 0,4% zu. Die Zahlen zeigen eine leichte Verlagerung zum Konsum zu Hause. Alkoholfreie Produkte helfen Brauereien und Händlern zugleich, Kunden zu halten, die ihren Alkoholkonsum reduzieren.
Gesundheit und soziale Gewohnheiten verändern Sortimente
Jüngere Verbraucher verstärken den Trend. Daten von FAD Juventud für 2026 zeigen, dass 57,9% der Spanier zwischen 15 und 29 Jahren nur sehr selten oder gar keinen Alkohol trinken. Die stärkere Beschäftigung mit psychischer Gesundheit und Wohlbefinden sowie Initiativen wie die britische Sober-Curious-Bewegung haben Abstinenz und maßvollen Konsum gesellschaftlich akzeptierter gemacht.
Für Produzenten und Gastronomen ist der Wechsel zwischen Varianten wirtschaftlich wichtiger als der vollständige Ersatz von klassischem Bier. Alkoholfreie Produkte erweitern die Situationen, in denen bestehende Kunden in der Bierkategorie bleiben. Daraus entstehen Anforderungen an breitere Sortimente und eine verlässliche Verfügbarkeit vom Fass, besonders in Spaniens von Essen und Geselligkeit geprägter Bierkultur.
Kennzeichnung bleibt entscheidend
Das spanische Recht unterscheidet alkoholfreies von alkoholarmem Bier. Das Königliche Dekret 678/2016 definiert alkoholfreies Bier als Getränk mit weniger als 1 Vol.-% Alkohol. Alkoholarmes Bier enthält zwischen 1% und 3%. Für die kommerzielle Bezeichnung „0,0“ legt die Regelung jedoch keine allgemeingültige rechtliche Definition fest.
Verbraucher müssen deshalb den angegebenen Alkoholgehalt prüfen und dürfen „alkoholfrei“ nicht automatisch mit absolut null Alkohol gleichsetzen. Mit dem wachsenden Anteil der Kategorie werden eine präzise Kennzeichnung und klare Auskünfte des Personals für Hersteller, Händler und Gastronomen wichtiger.