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Italiens Kunststoffrecycling gerät durch günstiges Primärmaterial unter Druck

In Italiens Sortier- und Recyclinganlagen häufen sich Kunststoffabfälle, weil günstiges Primärmaterial aus China heimische Rezyklate verdrängt. Das Piemont fordert Maßnahmen der italienischen Regierung und der EU, bevor Lager überlastet werden und die Verpackungssammlung ins Stocken gerät.

Italiens Kunststoffrecycling gerät durch günstiges Primärmaterial unter Druck

Rezyklate verlieren gegen Primärkunststoff

Italiens Recyclingkette für Kunststoffverpackungen gerät zunehmend unter Druck: Abfälle gelangen weiter in die Sortieranlagen, während die Nachfrage nach dem zurückgewonnenen Material sinkt. Lo Spiffero zufolge ist günstiger Primärkunststoff aus China für viele europäische Hersteller wirtschaftlich attraktiver als Rezyklat italienischer Konsortien. Bei diesem fallen Verarbeitungskosten an, zudem muss es strengere nationale und europäische Umweltauflagen erfüllen.

In Italien entstehen jährlich rund 3,5 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle. Allein auf das Piemont entfallen etwa 250.000 Tonnen; die Quote der getrennten Sammlung liegt dort bei fast 70% und damit über dem Landesdurchschnitt. Der Engpass besteht folglich nicht bei der Sammlung, sondern bei der Verarbeitung und dem erneuten Absatz des Materials an Industriekunden.

Corepla und Conai haben den italienischen Regionen ein Szenario vorgestellt, das sie als „Vorstufe zum Notstand“ bezeichnen. Ohne grundlegende Eingriffe könnten bis zum Herbst verbreitete Probleme bei der getrennten Sammlung von Kunststoffverpackungen auftreten. Das Thema wurde auch mit Vizeministerin Vannia Gava erörtert.

Bestände in piemontesischen Anlagen steigen

Die drei wichtigsten Sortier- und Lagerzentren im Piemont—Amiat Borgaro, Gaia Asti und A2A Cavaglià—verarbeiten zusammen rund 194.000 Tonnen pro Jahr. Ihre nominelle Gesamtkapazität übersteigt das regionale Sammelvolumen. Dennoch wachsen die Lagerbestände, weil mehr neue Abfälle eintreffen, als Rezyklat an Käufer abgegeben werden kann. Zwei Zentren erwägen zusätzliche Schichten, während das dritte keine freien Produktionskapazitäten mehr hat.

Das Ungleichgewicht erhöht die Lagerkosten, beansprucht Industrieflächen und schafft Umweltsicherheitsrisiken. Eine Aussetzung oder Einschränkung der getrennten Kunststoffsammlung gilt als letztes Mittel. Der Ausbau bestehender oder der Bau neuer Anlagen könnte kurzfristig Entlastung bringen, würde jedoch die schwache Nachfrage nach Rezyklaten nicht beheben.

Chinas Kurswechsel von 2018 veränderte den Markt

Die heutige Störung hat ihren Ursprung in Chinas National-Sword-Politik von 2018, mit der die Einfuhr der meisten Kunststoffabfälle aus westlichen Staaten gestoppt wurde. China war zuvor das weltweit wichtigste Ziel für zur Verwertung bestimmte Kunststoffe. Nach der Schließung dieses Absatzwegs musste sich die internationale Recyclingwirtschaft in kurzer Zeit neu organisieren.

Gleichzeitig exportierte China weiterhin große Mengen preislich wettbewerbsfähigen Primärkunststoffs. Für Italien entstand ein doppeltes Problem: Nicht recycelbarer Kunststoff verlor seinen ausländischen Absatzweg, während verwertbares Material mit günstigerem Neumaterial konkurrieren musste. Branchenvertreter sehen darin eine wesentliche Ursache der breiteren europäischen Recyclingkrise.

Regionen fordern Maßnahmen aus Rom und Brüssel

Der piemontesische Umweltbeauftragte Matteo Marnati hat eine institutionelle Arbeitsgruppe mit der italienischen Regierung gefordert. Die Regionalbehörden setzen außerdem auf den künftigen Circular Economy Act der EU. Ein Vorschlag sieht ein Näheprinzip vor, das in EU-Mitgliedstaaten erzeugtem Rezyklat Vorrang vor Material aus Drittländern geben würde.

Die Risiken reichen über Verpackungen hinaus. Ähnliche Schwierigkeiten erfassen inzwischen Kunststoffe aus Altfahrzeugen, Elektro- und Elektronikschrott, Landwirtschaft und industrieller Verarbeitung. Diese Stoffströme sind nicht durch das Conai-System geschützt und vollständig den Marktschwankungen ausgesetzt. Weitet sich der Stau auf sie aus, würde Italiens Recyclingproblem deutlich größer und Abfallunternehmen, Verarbeiter sowie Hersteller mit Bedarf an verlässlichen Sekundärrohstoffmärkten treffen.

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